Erinnerungen an die 1980er-Jahre: Als eine Bank in Oberwolfach Frauen zusammenbrachte

Lina Zambelle (von links), Klara Groß, Monika Oberfell und Sophie Spinner sitzen um 1980 gemeinsam auf dem Luitgard-Bänkle bei „´S Zimmeranderäse Schöpfle.
Haas- Vier ältere Grünacherinnen erinnerten sich an einen Treffpunkt am Lindenplatz.
- Um 1980 saßen sie am „Luitgard-Bänkle“ beim „’s Zimmeranderäse Schöpfle“.
- Gespräche drehten sich um Vorfahren, Spitznamen und alte Wetterregeln – Humor blieb.
- Erzählt wurden auch Risiken früherer Zeiten: Brücken ohne Geländer und fehlendes Licht.
- Das Luitgard-Bänkle wurde 1949 zu Ehren der Freilichtspiele auf dem Lindenplatz errichtet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Hitzephasen gab es auch früher schon. Die vergangenen Tage wurden allerdings bekanntlich als rekordverdächtig eingestuft. Sie lassen Hitzeerfahrungen und Erinnerungen an die Siebziger- und 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts wieder lebendig werden. Ein beliebtes und beschauliches Plätzle für ältere Grünacherinnen war um 1980 das Bänkle beim „’s Zimmeranderäse Schöpfle“.
Die vier Damen, die sich dort regelmäßig trafen, waren damals bereits verwitwet und lebten allein. Einen Mann sah man auf der alten Holzbank eigentlich nie. Die Männer waren allesamt nicht so alt geworden wie die Frauen. Zudem waren die Folgen der beiden Weltkriege noch deutlich spürbar und hatten in vielen Familien schmerzliche Einschnitte hinterlassen.
Man erzählte sich Originelles über Vorfahren
Doch solche Lebensgeschichten hielten die Damen an der „Grünacher Riviera“ nicht davon ab, bei ihren fast täglichen sommerlichen Gesprächen fröhlich zu bleiben. Trotz aller Schicksalsschläge erinnerten sie sich an eine „gute alte Zeit“, wie sie zufrieden resümierten. Frauen erzählten sich Originelles über Vorfahren Negatives und Schmerzhaftes wurde oft einfach beiseitegeschoben. Zwar lebte man nicht im Wohlstand, doch mit der Rente kam man – dank einer tief verwurzelten Bescheidenheit – im Alltag gut zurecht.
Ein Auto brauchte man nicht, und für den Schwarz-Weiß-Fernseher hatte inzwischen die jüngere Generation gesorgt. „Und so geht’s uns jetzt im Alter noch richtig gut“, konnte man aus ihrem Munde hören. Mit trockenem Humor beantworteten die vier Freundinnen Fragen nach dem früheren Leben „uff em alde Grie“. Dabei bot sich die Gelegenheit, allerlei Originelles über längst verstorbene Vorfahren zu erfahren. Erinnerungen an die Zeit nach 1900 vermischten sich mit noch älteren Geschichten, die man selbst nur vom Hörensagen kannte.
Bücken hatten damals kein Geländer
Erzählt wurde nicht nur vom legendären „Murermarti“, Martin Herrmann, der von „’s Jules“ abstammte und 1952 im Alter von 83 Jahren starb, sondern auch vom „Lange Dag“ und seiner Frau, der „kurz Nacht“. Diesen Spitznamen trug sie, weil sie im Vergleich zu ihrem Gatten deutlich kleiner war. Die Brücken hatten früher noch kein Geländer Auch vom „Puberle“ wusste man zu berichten. Seinen Namen verdankte er einem Vorfahren, der im Wolfacher Schlosstorturm bei drohender Gefahr mit dem Pubhorn Alarm geblasen hatte. Erzählt wurde außerdem von alten Grünachern, die nach einem Wirtshausbesuch auf der gegenüberliegenden Seite so manchen Schwips mit über den Grünach nach Hause trugen – besonders nach Beerdigungen soll das häufig vorgekommen sein.
Zum Bierholen wurden die Kinder selbst bei Dunkelheit noch losgeschickt. Ein junger Grünacher kam dabei sogar ums Leben: Die Brücken besaßen damals kein Geländer, und eine öffentliche Beleuchtung gab es ebenfalls noch nicht. Ungefährlicher war der Weg zur Vesperzeit, wenn am seichten Ufer bei „Stoffeles Loch“ auf dem unteren Grünach, bei’s „Lumpehanse“ (Haus Winterer), ein Krug mit frischem Quellwasser geholt wurde.
Alte Wetterregeln wurden weitergegeben
Wie man erfuhr, kannten schon die Vorfahren der Altvorderen keinen regelmäßigen Zahnarztbesuch. Stattdessen saßen sie auf einem Bänkle neben der Haustür und kauten mit den „Zahnbölder“ (dem Gaumen) auf „Brotreifze“ (Broträndern) und Speckschwarten herum. Bei den Männern gehörte häufig auch noch ein „Schick“ (Kautabak) als zusätzliche Würze dazu. Unter dem schattenspendenden Schopfdach wurden aber auch alte Wetterregeln weitergegeben, nach denen man sich selbst auf dem „Zimmeranderäse“-Bänkle noch richtete und die offenbar bis in die neuere Zeit ihre Gültigkeit bewahrt hatten.
Drohte ein Gewitter, wusste man genau, was zu tun war: „Kunnt’s Gewitter über de Happe, noch ka’sch dappe; kunnt’s aber über de Staufe, no muesch laufe!“ Als die vier Damen eines Tages – wie auf dem hier gezeigten Foto – gemeinsam festgehalten werden sollten, schallte dem Fotografen wie im Chor entgegen: „Nit so käb, dass mr de Runzle nit so sieht!“
Die Geschichte der Bank
Das sogenannte Luitgard-Bänkle wurde 1949 zu Ehren der Luitgard-Freilichtspiele auf dem Oberwolfacher Lindenplatz errichtet. Die Freilichtspiele nahmen damals den gesamten Lindenplatz ein, die Kulissen und Zuschauertribüne vereinnahmten den gesamten Sommer über den Platz zwischen der Kirche und den beiden Gasthäusern „Zur Linde“ und „Zum Posthörnle“. Auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite und der Platz vor dem Jugendheim wurde 1949 von den Luitgarder Freilichtspielen eingenommen. Es war damals von über hundert mitwirkenden Oberwolfachern die Rede, die an diesem Schauplatz einen Grundstein für die Oberwolfacher Theater-Tradition legten. Um an diesen Sommer zu erinnern, wurde an diesem Platz eine Bank aufgestellt.