100 Jahre alte Tradition: Wieso in Haslach Fahrzeuge aller Art gesegnet werden

Auf dem Haslacher Klosterplatz wird die Fahrzeug-Segnung diesmal am 7. Juli vorgenommen.
ReinhardDer Klosterplatz ist einmal mehr Schauplatz der bewährten Fahrzeug-Segnung. Am Sonntag, 7. Juli, findet das über Jahre hinweg bereits gepflegte Format wieder statt. Begonnen wird laut einer Presseankündigung etwa gegen 11.30 Uhr, nach dem Sonntagsgottesdienst. Die Segnung wird von Pfarrer Michael Lienhard vorgenommen.
Über Leben und Wirken eines der bekanntesten und volkstümlichsten Heiligen, Christophorus (von altgriechisch „Christusträger“), existieren so gut wie keine authentischen Überlieferungen. Bezeugt sind Existenz und Martyrium, alle weiteren Überlieferungen sind bloße Legende. Doch alle Unsicherheiten über das Leben von Christophorus konnten zu keiner Zeit verhindern, dass dem Märtyrer immer eine besondere Verehrung entgegengebracht wurde.
Christophorus wird verehrt, Leben ist aber kaum belegt
Er gilt als Patron der Reisenden und Fahrzeugführer, ebenso ihrer Fahrzeuge. Daher bringen zum Beispiel Menschen eine Christophorus-Plakette am Armaturenbrett ihres Fahrzeugs an. Christophorus wurde möglicherweise gegen Ende des zweiten Jahrhunderts in Kanaan geboren, erhielt von seinen heidnischen Eltern den Namen Reprobus. Erwachsen glich er einem Riesen, groß und gewichtig. Er verließ seine Heimat, um sich, so erzählt es die Legende, auf die Suche nach dem mächtigsten Herrscher der Welt zu machen und diesem zu dienen.
Auf seiner Reise soll der Riese auf einen Einsiedler gestoßen sein, der ihm befahl, auf seinem gewaltigen Körper Menschen über einen nahe gelegenen Fluss zu tragen. Eines Tages half Reprobus einem kleinen Kind durchs Wasser. Doch auf halber Strecke wurde die Last schwerer und schwerer, Reprobus drohte, zu ertrinken.
Ein Kind wiegt schwerer als die ganze Welt
Als er erschöpft am anderen Ufer ankam, sagte das Kind zu ihm: „Jesus Christus war deine Bürde. Du hast mehr als die Welt getragen.“ Christus gab sich so zu erkennen, tauchte den Riesen Reprobus unter Wasser und taufte ihn auf den Namen Christophorus.
Ursprünglich sollte mit dem Namen wohl ausgedrückt werden, dass der so Bezeichnete Christus in seinem Herzen trägt. Sein mutiges Eintreten für den christlichen Glauben fand viele Anhänger. In seiner Heimat Lykien (heute in der südlichen Türkei) sei er von dessen König, einem strengen Christenverfolger, nach langem Martyrium möglicherweise um das Jahr 250 enthauptet worden. Die große Verehrung für Christophorus verbreitete sich etwa ab dem fünften Jahrhundert im Westen und Osten. Die Reisenden und viele Berufsgruppen, die mit dem Verkehr zu Lande und zu Wasser zu tun haben, machten ihn im Laufe der Jahrhunderte zu ihrem Patron. Sie trugen sein Bild mit sich oder malten ihn groß an die Eingänge von Kirchen oder belebten Plätzen eines Orts. Mit dem aufkommenden Automobil-Zeitalter und einer immer stärker werdenden Reisebegeisterung kam zunächst in Österreich und Bayern der Brauch der Fahrzeug-Segnung auf.
Ursprünge der Tradition
Der Haslacher Weinhändler Heinrich Ziegler hatte einen Geschäftsfreund in Bayern. Dieser hatte den Haslacher Ende der 1920er-Jahre dazu bewegen können, die Fahrzeug-Segnung in dessen Heimat einzuführen. So fand der Brauch den Weg ins Kinzigtal – nicht zuletzt, weil der Heilige Christophorus der Schutzpatron der Haslacher Klosterkirche war. In zeitlicher Nähe zum Christophorus-Tag (24. Juli), anfangs rund um den Pfarr-, später stets auf dem Klosterplatz, war die Segnung angesiedelt. Inzwischen wurde die Feier zeitlich vorgezogen, geblieben ist das große Interesse an der Tradition. Mit der Segnung wird der Schutz des Heiligen erbeten. Geblieben ist auch der begleitende Brauch, die Fahrzeuge jeweils mit frischen Blumen zu schmücken.