Wirtschaft in Rottenburg: Höllsteig II bietet Gewerbe-Bauplätze

Das Band wird durchschnitten: Im „Höllsteig II“ kann jetzt gebaut werden.
Marzell SteinmetzAm Donnerstag war die Einweihung mit der Enthüllung der „Meinrad-Grammer-Straße“ direkt am Kreisverkehr. Die Haupterschließungsstraße ist nach dem Pionier der Gewerbeentwicklung in Ergenzingen benannt worden.
Erika Grammer erhielt bei der Einweihungsfeier dann auch das erste Wort. Seit ihr Mann den Heizungsbetrieb dort gebaut habe, sei viel passiert, und der „Höllsteig“ sei zu einem beliebten Gewerbegebiet geworden. Zahlreiche Handwerksbetriebe haben sich niedergelassen. Diese Entwicklung kann nun weiter gehen. „Es gibt einige Betriebe, die Wachstumspotenzial haben“, sagte Ortsvorsteher Timo Wachendorfer. Aber nicht nur die örtlichen Unternehmen sollen im zweiten Abschnitt des „Höllsteigs“ erweitern können, auch auswärtige Firmen seien willkommen. Der Startschuss ist bereits gefallen: Gleich beim Kreisverkehr sind Bauarbeiten im Gang. Aldi verlegt seinen Standort in „Ergenzingen Ost“ ins neue Gewerbegebiet.
Ein Mehrgewinn für alle
Mit dem „Höllsteig II“ sei viel Arbeit verbunden gewesen, teilte Wachendorfer mit. Es habe auch Diskussionen gegeben, wie Oberbürgermeister Stephan Neher sagte. Es sei für ihn der Eindruck entstanden, dass Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse, um den Wohlstand zu erhalten. Dieser werde nicht auf dem Feld oder durch Spekulationen erreicht, sondern nur durch Wertschöpfung, betonte Neher. Die ersten Firmen im „Höllsteig“ seien mit hohem Risiko gestartet. Diesen Mut brauche man aber auch, um voran zu gehen. Die Kommune schaffe mit dem Gewerbegebiet die Rahmenbedingungen. Wenn Arbeitsplätze entstünden, Menschen aus dem Ort und der näheren Umgebung einen ortsnahen Job fänden, dann sei das ein Mehrgewinn für alle.

Das Band ist durchschnitten: Im „Höllsteig II“ kann jetzt gebaut werden.
Foto: Marzell SteinmetzNeher wies auch darauf hin, dass der Ortschaftsrat bei der Vergabe der Gewerbegrundstücke das Auswahlrecht hat. Die Firmen müssten sich dem Gremium vorstellen. Auf der fast elf Hektar großen Fläche können nun bis zu 26 Bauplätze vergeben werden.
Am 31. März 2025 mit der Erschließung begonnen
Der Aufstellungsbeschluss für den „Höllsteig II“ ist 2018 gefasst worden, im September 2024 folgte der Satzungsbeschluss. Nach den Auftragsvergaben konnte am 31. März 2025 mit der Erschließung begonnen werden. Entwässert wird das Gebiet über ein getrenntes Abwassersystem. Das Regenwasser versickert dabei in einem Becken. Die Kosten belaufen sich für den Straßenbau auf rund 1,2 Millionen Euro und für den Kanalbau auf 1,3 Millionen Euro.

Je nach Vergabe können bis zu 26 Bauplätze vergeben werden.
Foto: Marzell SteinmetzMit dem Durchschneiden des über die Zufahrt gespannten Bands ist der „Höllsteig II“ offiziell eröffnet worden. Oberbürgermeister Neher enthüllte zusammen mit Erika Grammer und Ortsvorsteher Timo Wachendorfer auch das Schild mit dem Straßennamen „Meinrad Grammer“.
Der ortsbekannte Unternehmer, in Ergenzingen geboren und hier auch gestorben, repräsentiert nicht nur Handwerk, Gewerbe und die mittelständischen Unternehmen, er war auch Kommunalpolitiker.
In der elterlichen Scheune selbstständig gemacht
Nach der Volksschule hatte Meinrad Grammer das Flaschner- und Installateur-Handwerk erlernt. Das anschließende Studium beendete er als Diplomingenieur (FH). 1962 machte sich Grammer in der elterlichen Scheune mit einer Heizungsbaufirma selbstständig. Sie war das erste Unternehmen im „Höllsteig“. Zum Heizungsbaubetrieb kam im Gewerbegebiet 1972 die Firma MAGRA dazu. Seit mehr als 50 Jahren bietet sie wohnortnahe Arbeitsplätze mitsamt Ausbildungsmöglichkeiten in Ergenzingen. Mit der Firma F&G Fernwärmetechnik GmbH wurde 1986 eine weitere Firma gegründet, die seit 2004 in Ergenzingen ansässig ist.

Ortsvorsteher Timo Wachendorfer, Erika Grammer und Oberbürgermeister Stephan Neher (von links) enthüllen das Schild „Meinrad-Grammer-Straße“.
Foto: Marzell SteinmetzGrammers kommunalpolitisches Engagement begann 1965, als er erstmals in den Gemeinderat der damals noch selbstständigen Gemeinde Ergenzingen gewählt wurde. Nach der Kreisreform 1972 war er Ortschafts- und Gemeinderatsmitglied, von 1982 bis 1993 parteiloser Ortsvorsteher in Ergenzingen. In seine Zeit fiel unter anderem 1982 die 1200-Jahrfeier, das erste Dorffest in Ergenzingen und die Ortskernsanierung. Besonders setzte er sich für den Kolpingssaal und den Erhalt des „Schwesternhauses“ein, um die Räume kulturell, kirchlich und für öffentliche Veranstaltungen nutzen zu können.
Der Vorschlag, eine Straße im neuen Gewerbegebiet nach Meinrad Grammer zu benennen, kam aus dem Ortschaftsrat heraus.