Waldhorn-Kino in Rottenburg
: Experiment zwischen Schwäbisch und Englisch

Premiere für „Gastfreundschaft“: Dietlinde Ellsässer startet neues Talkformat im Waldhorn-Kino in Rottenburg.
Von
Andreas Straub
Oberndorf
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Die Engländerin Nadia Morlion (links) und Schauspielerin Dietlinde Ellsässer talkten in einer Mischung aus Schwäbisch, Englisch und Hochdeutsch im Kino Waldhorn.

Straub

Mit Sprachwitz, Herz und einem Schuss britischem Humor feierte Kabarettistin und Schauspielerin Dietlinde Ellsässer im Waldhorn-Kino die Premiere ihres neuen Talkformats „Gastfreundschaft“.

Zum Auftakt lud sie die Musikerin Nadia Morlion ein – eine gebürtige Engländerin, die seit drei Jahrzehnten im „Länd“ lebt und zwischendurch zart mit ihrer Mandoline begleitete.

Anekdoten, Musik und spontane Dialoge

Der Abend war ein Experiment zwischen Schwäbisch und Englisch, zwischen Anekdoten, Musik und spontanen Dialogen – Ellsässer nannte es „uff Schwänglisch“. Sprachgrenzen lösten sich in Wortwitz und Verstehen auf. „She speaks better Hochdeutsch than me“, scherzte Ellsässer, während sich die beiden Frauen gekonnt die Pointen zuspielten – zwischen britischem Humor und schwäbischer Bodenständigkeit.

Trotz gelegentlicher Abschweifungen entwickelte sich ein lebendiger Austausch über Begegnung, Herkunft und Neugier auf das Fremde. Ellsässer betonte, „Gastfreundschaft“ bedeute, andere mit Wohlwollen zu empfangen: mit Nahrung, Wärme, Ruhe – und Liebe. „Es geht darum, das Feindliche im Fremden zu lähmen“, sagte sie. Das Projekt wolle Menschen mit Migrationshintergrund Raum geben, ihre Geschichten zu erzählen. „In einer Zeit, in der das Willkommen wackelt, müssen wir das neu üben.“

Rund 100 Besucherinnen und Besucher füllten das Kino, ein ermutigender Start. Ob das Format regelmäßig fortgesetzt wird, hängt laut Ellsässer von der Resonanz und der Unterstützung des Waldhorn-Teams ab.

Morlion erzählte offen aus ihrem Leben: Eigentlich sei sie nur „zum Tanken“ nach Deutschland gekommen – mit 17 Pfund in der Tasche. Auf dem Tübinger Markt habe sie Straßenmusik gemacht, mal besser, mal schlechter, und zwei Wochen lang von geschenkten Orangen gelebt. Heute lebt sie in Tübingen, spielt in der Band Tanglefoot und lacht über deutsche Eigenheiten wie das „Stoßlüften“.

Menschen sind ängstlicher geworden

Auch Ellsässer erinnerte sich an ihre Jugend und das Trampen mit ihrer Mutter – Erfahrungen, die heute kaum mehr jemand wage. „Die Menschen sind ängstlicher geworden“, sagte sie. „Früher hatte nicht jeder alles selbst, man hat sich mehr gebraucht.“

Mit Geschichten, Witz und Tiefgang verband der Abend Theater, Talk und Lebensphilosophie – eine Premiere, die Lust auf mehr machte.

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