Unternehmen in Horb: "Nafz Holzhaus" bezieht bald einen zweiten Standort

Die Brüder Sebastian und Lukas Nafz haben mit ihrem Unternehmen viel vor. So wird bald ein zweiter Standort im Heiligenfeld bezogen.
MorlokHorb - Ein weiterer Standort, neue Aufgaben und deutlich mehr Personal. Das Unternehmen "Nafz Holzhaus" in Talheim ist stark auf Expansionskurs. Während unsere Redaktion mit Lukas Nafz im Büro über die Zukunft spricht, sitzt Bruder Sebastian im "mobilen Büro" am Laptop: in seinem auf dem Parkplatz stehenden Auto. Wir haben nachgefragt, was sich alles ändert und warum für beide in der Holzbauweise die Zukunft im Hausbau liegt.
Was tut sich bei Ihnen?
Jede Menge! Wir sind mittlerweile eine ganze Unternehmensgruppe, die nach der Umfirmierung als "Nafz Holzhaus GmbH" am Markt aktiv ist.
Was hat sich bezüglich des Arbeitsfeldes im Vergleich zu früher geändert?
So hart es auch klingt, doch wir übernehmen inzwischen keine "Zimmerei"- Tätigkeiten mehr. Wir machen nur noch Holzhausbau. Wir sind ein Komplettlöser im Bereich Holzhausbau – vom Keller bis zum Giebel, auf Wunsch sogar Garten- und Landschaftsausbau.
Auch personell stehen die Zeichen auf Wachstum?
Wir haben innerhalb weniger Monate den Personalbestand von bislang 18 auf inzwischen 50 Beschäftigen aufgestockt. Das Nahziel ist, dass wir am Ende des Jahres rund 80 Männer und Frauen im Nafz-Team haben.
Hat sich damit auch das Spektrum im Team erweitert?
Es ist ein sehr breites Spektrum an Mitarbeitern, angefangen von Marketing-Profis, über Industriekaufleuten, Wirtschaftsingenieuren, Bauingenieuren, Bautechnikern, Architekten, Raumausstattern, Zimmerern, Schreiner bis hin zum Foto- und Videografen.
Ist die Rekrutierung neuen Personals bei allgemein herrschendem Fachkräftemangel nicht ein Problem?
Wir haben eine hohe Ausbildungsquote mit etwa zehn Prozent der gesamten Belegschaft. Wir wachsen organisch aus eigenen Mitteln, und Fachkräftemangel ist bei uns Fehlanzeige. Wir haben über 800 Bewerbungen in diesem Jahr, und auch der Speed-Dating-Tag, der kürzlich in der Hohenberghalle stattfand, brachte 16 Kontakte mit möglichen Bewerbern.
Dann wird es ja sicher bei so viel Wachstum räumlich eng, oder?
Der Standort Nummer eins in Horb-Talheim ist maximal ausgelastet. Wir selbst mussten bereits unsere Büros aufgeben, um Platz für die vielen neuen Kollegen zu schaffen. Auf dem großen Areal rund um die Zimmerei gibt es fast keine Parkplätze mehr für die Mitarbeiter. Während wir neben das Holzhaus, in dem die Büros untergebracht sind, noch einen zusätzlichen Besprechungs-Container, natürlich ganz in Holzbauweise, hingestellt haben, wird nebenan in der Produktion ein Haus nach dem anderen produziert. Doch auch hier reicht die Kapazität schon lange nicht mehr, um den hohen Auftragsbestand in einem angemessenen Zeitrahmen abarbeiten zu können.
Wie sieht denn der Blick in die Auftragsbücher aus?
Aktuell haben wir etwa 50 Wohneinheiten á 80 Quadratmeter, die sich auf Ein- und Mehrfamilienhäuser beziehen, im Auftragsbestand. Die Bauzeit beläuft sich auf ein bis zwei Wochen in der Werkstatt. Bis der Aufbau eines Einfamilienhauses fertig ist, vergehen rund vier Monate. Aus diesen Gründen mussten wir uns nach einem weiteren Standort, an dem wir unsere Expansionsziele umsetzen können, umschauen und haben ihn im Industriegebiet Heiligenfeld gefunden.
Um welchen Standort handelt es sich genau?
Wir konnten einen langfristigen Mietvertrag für die ehemalige Firma Deger-Energie mit dem neuen Besitzer der Immobilie, der seine Produktion ins Ausland verlagert hat, abschließen. Ab 1. Mai steht uns das Gelände zur Verfügung. Geplant ist, dass wir ab 1. Juni die Büroräume in die Industriestraße 70 im Heiligenfeld beziehen können.
Was erwartet Sie am neuen Standort?
Insgesamt ist das Gelände gut einen Hektar groß und davon entfallen auf die Büros etwa 500 Quadratmeter und rund 2000 Quadratmeter für Lager und Produktionsfläche. Auch haben wir eine große Freifläche für LKW, Autos und Anhänger. Zu den vorhandenen E-Zapfsäulen werden wir zwei oder drei weitere Ladesäulen dazustellen, da die Pool-Fahrzeuge des Unternehmens ausschließlich elektrisch angetrieben werden. Was die Produktion anbetrifft, gehen wir davon aus, dass wir dort bis zu 200 Wohneinheiten pro Jahr produzieren können. Ein weiterer Vorteil, neben der sehr guten Lage und Verkehrsanbindung des zweiten Standortes, ist auch die vorhandene Solaranlage, die das Unternehmen energieautark macht.
Wie hoch ist die Investition?
Wir stecken einen einstelligen Millionenbetrag in eine effiziente Holzhaus-Produktion an diesem Standort und etwa 600.000 Euro in den Ausbau der digitalen Softwarestruktur, zu der auch 3D-Planung und Softwarelösungen, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten gehören.
Info: Plädoyer für Holz, Kritik an Beton
Die Gebrüder Nafz sehen in Holz die Gegenwart und Zukunft des Bauens "Holz ist für uns das Material, mit dem man auf lange Sicht nachhaltig und biologisch wertvoll bauen kann. Man muss auch in die Zukunft denken. Beton für Keller und Fundament, auch für eine Tiefgarage aber nicht für den Hochbau", sagt Lukas Nafz.
Doch warum ist Beton laut Nafz so kritisch zu sehen? "Die Betonindustrie weltweit ist für rund zehn Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. 40 bis 50 Prozent aller Müllerzeugung kommen aus der Bauindustrie. Das ist uns ein Dorn im Auge. Glasfaserdämmstoffe, Folien, Spanplatten. Das alles sind bedenkliche Baustoffe, von denen man oft noch nicht weiß, wie man sie wiederverwenden oder gar entsorgen kann." Nafz wird emotional: "Was wir als Gesellschaft aktuell tun, ist verantwortungslos unseren Kindern und den nachfolgenden Generationen gegenüber und deshalb muss jetzt was geändert werden."