Steinachtal musiziert
: Ein Konzertabend der großen Momente

„Das Steinachtal musiziert“. Mit diesem Slogan warb der Musikverein Obertalheim für ein musikalisches Glanzlicht, das es bisher in dieser Form noch nie gab und auch so schnell nicht mehr geben wird.
Von
Peter Morlok
Oberndorf
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Vielschichtig, gekonnt und voller beeindruckender Momente: Das Konzert „Das Steinachtal musiziert“.

Morlok

Knapp 700 Besucher in der nahezu ausverkauften Hohenberg-Halle spendeten den Musikanten aus dem Steinachtal am Ende des Konzerts frenetischem Applaus und Standing Ovations für diese konzertante Meisterleistung.

„Wow, Gänsehaut pur und musikalischer Hochgenuss“, fasste Bürgermeister Ralph Zimmermann schon nach den ersten beiden Stücken seine Eindrücke zusammen. Und damit hatte er – ohne Gegenstimme aus irgendeiner Opposition – einhundert Prozent recht. Viel besser kann man ein Konzert nicht beginnen als an diesem Abend.

Ode an die Freude

Die beiden musikalischen Leiter, der Obertalheimer Chefdirigent Thomas Teufel und seine Cousine, die studierte Opernsängerin Lena Geiger, hatten, quasi zur Einstimmung, zwei Klassiker der Weltliteratur ausgesucht. Mit der Europa-Hymne, besser bekannt als die „Ode an die Freude“, komponiert von Ludwig van Beethoven, lieferten die rund 140 Musikanten einen derart fulminanten Auftakt ab, dass man sich als Zuhörer insgeheim fragte, was soll denn jetzt noch kommen?

Teufel ließ in diesem Arrangement die volle Breite der Töne erklingen und stellte diesem Meisterwerk die Weite zur Verfügung, die es braucht, um die Menschen zu erreichen, sie zu umarmen und mitzunehmen zu dem, was an diesem Abend noch auf sie wartete.

„Nabucco“ mal anders

Nicht weniger bekannt ist Verdis Ouvertüre zur Oper „Nabucco“, die folgte. Orchester, Chor und Spielmannszug verschmolzen hier in Vollendung zu einer musischen Symbiose. Getrieben vom Schlagwerk, das die Dynamik des Stückes brillant in Szene setzte, und der Kraft, die sich vom hohen Blech auf das ganze Orchester ausbreitete, erklang dann von der Empore herab die weltbekannte Arie des „Gefangenenchors“. Ein großer Moment in einem noch größeren Konzert.

Nach diesen beiden Stücken, die in kaum einer Plattensammlung fehlen, standen Pop und Poesie auf dem Programm. Bei diesem Format des SWR1, das übrigens am 23. November an gleicher Stelle auf Einladung der Horber Stadtbücherei im Original zu hören und zu sehen ist, wird ein bekannter Popsong zuerst in deutscher Sprache vorgestellt und dann im Original nachgespielt.

Klassik trifft auf Pop

Eine Supergeschichte, doch ob die Umsetzung mit einer Opernsängerin als Solistin auch funktioniert, ohne dass sich diese in hohen Tönen und Kolorationen verliert, war noch nicht so ganz klar. Doch – ohne zu spoilern – es klappte wunderbar. Die Songs „The Living Years“ von Mike Rutherford, bei dem es um die ungelösten Konflikte eines Sohnes mit seinem verstorbenen Vater geht, und „The Story“, bekannt aus „Grey’s Anatomy“, bei dem die sensationell schöne Liaison von Flügelhorn und E-Piano zu hören war, interpretierte Lena Geiger, ohne in die Techniken aus ihrer „normalen“ Gesangswelt zu verfallen. „Ich habe drei Oktaven tiefer gesungen als sonst üblich“, machte sie deutlich und verriet, dass sie am unteren Level ihrer Stimme war. Für die Zuhörer war ihre schöne Alt-Stimme ein echter Aha-Moment, und die junge Talheimerin widerlegte die Behauptung, dass Opernsängerinnen nur hoch singen können. Lena Geiger kann richtig schön singen. Die beiden Geschichten wurden von Christoph Klink und Doris Schanz gesprochen.

Höhepunkt der Feier

Getragen vom Sound des tiefen Blechs, der Band und einigen Solo-Sängern, schickten die Steinachtal-Musikanten ihre Besucher mit dem Song „What a Wonderful World“ in die Pause.

Der Höhepunkt zur 50-Jahr-Feier des Vereins, den Alfons Teufel mit einigen mutigen Mitstreitern gründete, ging nach einer Pause genauso weiter wie er zuvor aufgehört hat. Ob man nun die blasmusikalischen „Grüße aus dem Steinachtal“, die Alfons Teufel für dieses Ereignis geschrieben hatte, den „Marsch der Soldaten des Robert Bruce“, den einige als das beste Stück des Konzerts überhaupt werteten, oder der Spaziergang durch die Welt der Kelten „Celtic Crest“ als Maßstab hernahm, war egal. Große Melodien füllten die Horber Festhalle.

Herzzerreißendes Halleluja

„Halleluja“ konnte man da nur beim eigentlich letzten Stück des Abends mitsingen. Dieser Welthit wurde so herzzerreißend schön dargeboten, dass er selbst dem ewig melancholischen Leonhard Cohen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hätte.

„Das war’s“, stellte Vorstand Knut Peter, nachdem die letzten Töne verklangen, fest und hatte noch eine faustdicke Überraschung auf Lager. „Das war auch das letzte Konzert von unserem Thomas Teufel beim Musikverein Obertalheim als Dirigent.“ Dieser stieg zu seinem allerletzten Einsatz nochmals auf sein Dirigentenpult und lud alle Besucher ein, mit ihm und seinem gesamten Ensemble Dietrich Bonhoeffers Lied „Von guten Mächten wunderbar umgeben“ zum Abschluss zu singen.

Der Abend wurde von Jochen Steier und Herbert Joachim moderiert, und die Freiwillige Feuerwehr Talheim übernahm die Bewirtung. Also alles in der Hand des Steinachtals. Selbst der Hallenhausmeister kam aus Talheim.

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