Seniorenfasnet in Talheim
: Munteres, buntes „Täle“ von oben bis unten

Im Steinachtal herrscht am „Schmotziga“ närrische Ausnahmestimmung, und gleich an zwei Hot-Spots des Frohsinns feierten am Donnerstagnachmittag die Senioren des Ortes ihre ganz eigene Fasnet.
Von
Peter Morlok
Oberndorf
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Gut aufgelegte Fasnetsgäste

Peter Morlok

Es ist Halli-Galli im Steinachtal. Und dies trotz den Spuren, die Corona und die 3G-Regel eindrucksvolle in Dahla hinterlassen haben, denn die Veranstaltungen wurden streng nach der 9G-Regel (Getrunken, gesungen, geschunkelt, gewaschen, Gelenkigkeit geprüft...) durchgeführt.

Auf der oberen Seite des Tales lud das Team vom „Begegnungscafé“ die erfahrenen Fasnetsbutzen zu einem heiteren Nachmittag ein, und auf der gegenüberliegenden Talseite steppte im Vereinsheim der Narrenzunft nicht nur der Bär, sondern die „Zigeuner“ brannten ein regelrechtes Feuerwerk des Frohsinns ab.

Gute Bewirtung geboten

Bei beiden Veranstaltungen gab es bemerkenswerte Parallelen. Beide Lokationen waren trotz Grippewelle sehr gut besucht, überall wurden die Gäste aufs Allerbeste bewirtet, und überall herrschte ausgelassene Stimmung.

So kamen die Talheimer Senioren auch in diesem Jahr wieder in den Genuss, sich aussuchen zu können, wo sie feiern wollten. Der Weg war nicht das Problem, zumal die „Zigeuner“ wieder ihren Hol- und Bringdienst anboten. Glückseliges Talheim, denn wo bekommen die Senioren schon so viel Aufmerksamkeit?

Genussreiche Stunden

Im Oberen Talheim kümmerten sich die Western-Ladys vom Team des „Begegnungscafés“ zusammen mit Vereinsvorstand Gerhard Straub um das Wohl ihrer Gäste. Sie gossen so manches Viertele oder Pils in die Gläser, und besonders lecker schienen die Fasnetsküchle zu sein, denn die meisten Teller mit dem Fettgebäck waren ratzeputz leer. Frustessen aus Langeweile kann nicht der Grund für diesen Zustand gewesen sein, denn das Programm war bunt und kurzweilig.

Zwischen den Sketchen und Darbietungen wurde immer mal wieder von Musikus Bernhard Straub eine Schunkelrunde eingeschoben, so dass es keinen Leerlauf im Programm gab. Ein Highlight war sicher die Präsentation des von Karl Armbruster weiterentwickelten Rollators, an dem es wirklich an gar nichts fehlte. Vom Sonnen- und Regenschutz über Beleuchtung, Blinklichter und Motor war alles dran, was sich der erfahrene Rollator-Schieber nur wünschen kann.

Närrische Verkehrsprobleme

Leider braucht man für das Ding einen Führerschein und eine Genehmigung von der AOK. Man kommt aber prima um den neuen Kreisel rum, doch habe man, so war zu hören, in der Friedhofstraße so seine Probleme. „Das ist jetzt 20 km/h Zone und kürzlich ist da ein Jogger entlanggerannt – nur gut, dass da kein Blitzer stand“, erfuhren die Talheim Senioren, die sich köstlich amüsierten.

Drüben auf der anderen Talseite, im unteren Talheim, zeigten Akteure der Narrenzunft „Zigeuner“ was sie unter guter Unterhaltung verstehen.

Lustige Energietipps

Unterhaltungs-Genie Martin Stanger hatte wieder ein Programm zusammengestellt, mit dem die Narrenzunft auch jeden Brauchtumsabend locker hätten bestreiten können.

Er selbst trat als Heinz Heizmann, „der beste Gas-, Wasser-, Scheiße-Installateur in the Länd“ auf, der die Energiewende voll im Griff hatte. Auch ohne Windrad in Dahla. Die Senioren bogen sich bei diesen Geschichten vor Lachen und schmunzelten zumindest beim Gejammer vom früheren Ortsrumsteher Anton Ade, der keine drei Stunden vorher von den Narren entmachtet wurde.

Stephan Bastian, dem zweiten Vorstand der Untertalheimer Narrenzunft war das egal. Er nahm zusammen mit Kalli Lang den fiktiven Rathausschlüssel voller Freude an sich und versprach mit viel Spaß an der Sach’ die nächsten fünf Tage alle Narren aus dem Steinachtal auf den richtigen Weg zu führen.

Flugplatz für Talheim?

In diesen Tagen hat Anton Ade Zeit, sich auf seine Kandidatur als OB vorzubereiten. „Das Büro von dem Rosenberger ist bald frei, der Anton als OB, des wär der letzte Schrei. Der Anton auf dem großen Sessel der Stadt Horb am Neckar – Anton unserer Talheimer Oberchecker“, reimte Vize Bastian und fügte schnell noch ein paar Wünsche an das neue Stadtoberhaupt an. „Mit einem Kreisverkehr isch’s net getan, wie wär’s mit einem Anschluss an die Deutsche Bahn?“, formuliert der Obernarr einen Wunsch und wurde dann doch etwas ausführlicher. Einen Autobahnanschluss, einen Flugplatz, ein Freibad und ein Eislaufstadion, einen Freizeitpark und ein Seniorenstift sowie einen „Uffzug vom ondra ens obre Tal“ waren Wünsche, die selbst der Super-Anton nicht erfüllen kann. Was in Erfüllung ging, das waren heitere Stunden ganz nach dem Motto: „Ja, ja, das Leben wär nur halb so nett, wenn nicht jeder einen Vogel hätt.“

Reichlich Musik

Zur Freude der betagten Besucher gab’s noch eine Polonaise durch den Narrenschuppen, und die Minis der Zigeuner führten ihren Showtanz „Highschool Musical“ auf. Zwischen den Auftritten sorgte der „lustige Tastenquäler Ralf Maier“ mit Quetschkommode und Lombalidla, die jeder im Raum mitsingen konnte, für beste Unterhaltung. Bei so viel Frohsinn konnte und wollte auch eine Formation des Untertalheimer Musikvereins „Fortuna“ mitmachen, indem sie Songs wie „Lustig ist‘s im Zigeunertäle“ instrumental beisteuerten.

In netter, familiärer Atmosphäre kümmerten sich die Narren wieder um ihre Rentner, die Ehrenmitglieder und die wenigen Gäste aus dem benachbarten Haiterbach, die den Weg in die Nachbargemeinde fanden und Vorstand Kalli Lang bekam sein erfreutes Grinsen den ganzen Nachmittag lang nicht mehr aus dem Gesicht.

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