Ryyan Alshebl in Horb
: Bürgermeister blickt besorgt auf Syrien

Ryyan Alshebl, Bürgermeister von Ostelsheim, Kreis Calw, beurteilt die Lage in seinem Heimatland Syrien kritisch.
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(red/pm)
Oberndorf
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Ryyan Alshebl sprach auf Einladung des Horber Bündnisses „Für Demokratie – aktiv gegen rechts“.

Claudia Möller

Alshebl, der 2015 aus Syrien über die Balkan-Route nach Deutschland geflüchtet war, lernte zunächst die deutsche Sprache, absolvierte eine Ausbildung in der Verwaltung und wurde 2023 in Ostelsheim, Kreis Calw, zum Bürgermeister gewählt. Als erster syrischer Bürgermeister Europas nutzt er die ihm zuteil gewordene mediale Aufmerksamkeit inzwischen auch, um zu einer Differenzierung in der Debatte um Migration und Integration in Deutschland beizutragen.

Sichtlich besorgt gab Alshebl zunächst einen Überblick über die aktuellen Geschehnisse der vergangenen Tage in Syrien. Nach dem Sturz des Diktators Assad Ende 2024, glaubten viele Menschen in Deutschland, dass der Krieg in Syrien zu Ende sei und das eingesetzte Kabinett die Interessen aller ausreichend vertrete. Dies ist laut Alshebl aber nicht der Fall. Das Kabinett sei ein „Schattenkabinett“, die tatsächliche Macht liege bei der HTS, einer islamistischen Miliz, die nach ihrem Kampf gegen das Assad-Regime eine Übergangsregierung eingesetzt hat, die im Amt bleiben soll, bis es möglich sei, Wahlen abzuhalten.

Der neue Konflikt

Aus einem lokalen Konflikt der Drusen, einer arabischsprachigen Religionsgemeinschaft von circa 1,5 Millionen vorwiegend in Syrien, Israel und dem Libanon lebenden Menschen, mit den Beduinen ist nun unter der Einflussnahme Israels wieder ein Krieg entstanden, dem in den vergangenen Tagen in Sweida, der Heimatstadt Alshebls, bereits mehrere Hundert Menschen zum Opfer gefallen sind.

„Brille der Innenpolitik“

Vor diesem Hintergrund kritisierte Alshebl auch die deutsche Migrationspolitik. Deutsche Politiker betrachteten die Geschehnisse in Syrien durch die „Brille der Innenpolitik“, die Grenzpolitik der neuen Regierung helfe nicht dabei, die Probleme vor Ort zu lösen.

Wirksame Entwicklungshilfe sei aber der Schlüssel zu einer nachhaltigeren Einwanderungspolitik. Finanzielle Hilfen müssten an bestimmte Bedingungen geknüpft werden, so zum Beispiel die Einrichtung eines unabhängigen Militärs, die Gleichbehandlung aller Bürgerinnen und Bürger in Syrien und die Rechte von Frauen. Nur so könnten langfristig auch die Fluchtbewegungen reduziert werden. Auffällig, so Alshebl, sei auch, dass der Westen sich in der Vergangenheit oftmals in Ländern mit funktionierenden Regierungen eingemischt habe (zum Beispiel im Kolonialismus) und sich aber jetzt bei Ländern mit „schlechten“ Regierungen heraushalte.

Wie gelingt Integration?

Zum Thema Integration stellte Alshebl folgende Punkte heraus: das Erlernen der Sprache sei ein „krasser Meilenstein“; die Sprache ermögliche erst den Dialog und den Austausch. Im übrigen sei eine gegenseitige Offenheit wichtig: Offenheit der Einheimischen gegenüber den Geflüchteten und anders herum.

Integration bedeute nicht, dass Geflüchtete so leben müssten wie Deutsche. Er selbst empfinde kulturelle Unterschiede als Bereicherung. Allerdings sei es auch schwierig, Geflüchtete in das gesellschaftliche Leben zu integrieren, wenn sie selbst dafür nicht offen seien.

Des Weiteren helfe seiner Erfahrung nach Arbeit – sowohl bei der Integration als auch beim Verarbeiten der eigenen, oftmals traumatischen Erlebnisse. Bei seiner Ankunft in Deutschland habe Alshebl sich allein gelassen gefühlt, Druck aus der Heimat und die Sprache als schwierig empfunden, sich andererseits aber auf einen Neuanfang gefreut, der ihm nicht zuletzt auch durch seine Ausbildung gelang.

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