Rottenburg: Gebetsruf in Rottenburg während des Ramadan
Rotte nburg. Mit dem Beginn des Ramadan für muslimische Gläubige am gestrigen Freitag beginnt in Rottenburg etwas Neues: Der Moscheeverein wird ausnahmsweise den Gebetsruf zum abendlichen Fastenbrechen täglich mit einem Lautsprecher in die Stadt übertragen, teilt die Stadt Rottenburg mit. Der Ruf wird rund um die Moschee in der Bahnhofstraße zu hören sein.
Ebenso wie alle anderen Religionsgemeinschaften unterliegen auch die muslimischen Gemeinden in diesem Jahr dem in der Coronaverordnung des Landes festgelegten Veranstaltungsverbot. Die muslimischen Dachverbände haben erklärt, sich an dieses Veranstaltungsverbot zu halten und die Feierlichkeiten im Ramadan entsprechend einzuschränken. Dies bedeutet, dass keine Gebetsveranstaltungen in der Moschee stattfinden und dass auch das abendliche gemeinsame Fastenbrechen nicht stattfinden kann. Die Situation ist ähnlich wie bei den christlichen Gemeinden am Osterfest.
Der Gebetsruf des Muezzin ertönt einmal täglich während des vierwöchigen Ramadan (bis 23. Mai) abends zwischen 20 und 21.15 Uhr. Der genaue Zeitpunkt hängt vom Sonnenuntergang ab. Die Dauer des Gebetsrufs beträgt etwa zwei Minuten. Er ist dem liturgischen Geläut christlicher Kirchen gleichzusetzen, die in Rottenburg täglich regelmäßig mehrmals in der gesamten Stadt und weit darüber hinaus zu hören sind.
Mit unzumutbaren Beeinträchtigungen rechnet die Stadtverwaltung aufgrund der eingesetzten Lautsprecheranlage nicht, auch wenn es sicherlich für Passanten und Anwohner zunächst ungewohnt klingen wird. "Das Ungewohnte des Gebetsrufs sollte allerdings zurücktreten hinter den gebotenen Respekt vor anderen Gläubigen", teilt die Stadt weiter mit. Seit vielen Jahren gibt es eine muslimische Gemeinde in der Stadt, die in der Moschee ihren Glauben ausübt.
Die besondere Zeit mit den besonderen, strengen Vorschriften erlaubt diese besondere und einmalige Geste gegenüber den muslimischen Gläubigen in Rottenburg. Wie bei den Christen am Osterfest wird der Muezzin nicht zum Gebet in der Moschee rufen, sondern die Gläubigen daran erinnern, zu Hause in der Familie Gottesdienst zu feiern. "Es sollte innerhalb der verschiedenen Glaubensgemeinschaften guter Brauch sein, die jeweils anderen Gebräuche zu respektieren – und sich damit auch auseinanderzusetzen", heißt es abschließend.