Neues Vereinsheim in Wachendorf
: Wanderclub will nicht stehen bleiben

Der Verein feiert sein 65-jähriges Bestehen und die Einweihung des neuen Vereinsheims im ehemaligen Schlachthaus.
Von
Marzell Steinmetz
Oberndorf
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Michael Rilling (links) und Alfredo Vela überreichen Bärbel Zug und Ingeborg Hipp den symbolischen Schlüssel für das neue Vereinsheim.

Marzell Steinmetz

Der Wachendorfer Wanderclub hat das ehemalige Schlachthaus zu einem Vereinsheim ausgebaut. Am vergangenen Samstag ist es eingeweiht worden. Gleichzeitig feierte der Verein sein 65-jähriges Bestehen.

Das zweitägige Jubiläumsfest am 1. und 2. Mai war eigentlich vor fünf Jahren geplant, konnte aber wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Zum 65. Jubiläum hat sich der Wanderclub selber ein großes Geschenk gemacht. Der Umbau des Schlachthauses ist rechtzeitig zum 1. Mai, dem Gründungstag, weitgehend fertig geworden. Dahinter stecke allerdings viel Arbeit und Schweiß, sagte die Vorsitzende Bärbel Zug. Während der zweijährigen Bauzeit haben die Helfer in 3400 Arbeitsstunden das Schlachthaus komplett selber umgebaut.

Wo die Schweine geschlachtet wurden, ist jetzt der Gastraum für 30 Leute. Küche und Theke wurden eingebaut. Im vorherigen Kühlhaus befinden sich die Toiletten. Neu sind die Fenster und der Boden, die Wände wurden verputzt, die Decken isoliert und verkleidet. Was noch an das Schlachthaus erinnert, ist der Aufzug, der auch an der Decke als Blickfang bleiben soll. Einige Restarbeiten stehen aus, unter anderem die Renovierung der Außenfassade.

Schwalbennester hat der Wanderclub etwas versetzt

Die Schwalbennester hat der Wanderclub etwas versetzt. Auf der Giebelseite seien schon die ersten Schwalben eingezogen, berichtete Projektleiter Alfredo Vela. Der Verein hat sich zuvor die Genehmigung des Landratsamts eingeholt. Vela ist sich sicher: „Wir haben eine gute Lösung gefunden.“ Die Schwalben sollten nicht vertrieben werden, betonte er.

Vorsitzende Bärbel Zug (links) ehrt langjährige Mitglieder des Wanderclubs.

Foto: Marzell Steinmetz

Die Finanzierung ist, trotz der Eingenleistungen und Spenden, eine Herausforderung für den Wanderclub. Vela schätzt die Kosten auf rund 40 000 Euro. Der Verein hofft aber noch auf einen Zuschuss der Gemeinde.

Für die Gründungsmitglieder Robert Probst (links) und Wigbert Ströbele (rechts) gab es Geschenke. In der Mitte (von links): Vorsitzende Bärbel Zug und ihre Stellvertreterin Ingeborg Hipp.

Foto: Marzell Steinmetz

Bisher diente der Gewölbekeller im Rathaus als Vereinslokal. So urig und romantisch es dort bei Treffs und Festen, etwa an der Fasnet, immer war, der Clubkeller hätte auf Dauer ohne umfangreiche Renovierungen nicht mehr genutzt werden können. Vor allem hätten Flucht- und Rettungswege sowie der Brandschutz geklärt werden müssen. So haben die Vereinsverantwortlichen nach Alternativen gesucht. 2024 gelang es ihnen, für das ehemalige Schlachthaus einen Pachtvertrag über 30 Jahre mit der Gemeinde abzuschließen. Seither wird gebaut.

Neues Clubheim künftig auch für die Dorfgemeinschaft öffnen

Diese Entscheidung ist bei dem einen oder anderen durchaus auf Skepsis gestoßen. Der frühere langjährige Vorsitzende Robert Probst, der bei der Veranstaltung zusammen mit Wigbert Ströbele als Gründungsmitglied geehrt wurde, hatte anfänglich Bedenken. Jetzt sagte er, es sei das „Vernünftigste gewesen, das man machen konnte“. Der Wanderclub will sein neues Clubheim künftig auch für die Dorfgemeinschaft öffnen, Raum für Begegnungen bieten und so die Ortsmitte beleben.

Der Musikverein Wachendorf eröffnete die Jubiläumsfeier.

Foto: Marzell Steinmetz

Diesen Gedanken griff Pfarrer Franz Xaver Weber bei der Weihung des umgebauten Schlachthauses auf. Die Einkehr und das Zusammensein seien auf die neuen Räume übertragbar. Er spendete nach dem Vaterunser den Segen für das gelungene Werk und darüber hinaus für den ganzen Ort. Michael Rilling und Alfredo Vela überreichten anschließend Bärbel Zug und ihrer Stellvertreterin Ingeborg Hipp den symbolischen Schlüssel für das Vereinsheim im Schlachthaus.

Pfarrer Franz Xaver Weber weiht die neuen Räume im ehemaligen Schlachthaus. Dort fand während des Jubiläumsfestes ein Flohmarkt statt.

Foto: Marzell Steinmetz

Gefeiert wurde auch das Jubiläum des Wanderclubs, den am 1. Mai 1961 elf wanderfreudige junge Männer gegründet hatten. Aus einem „Freizeitclub“ sei ein fester Bestandteil im kulturellen Leben von Wachendorf und ganz Starzach geworden, sagte Vorsitzende Bärbel Zug. Wandern sei mehr als nur gehen, es sei auch Gemeinschaft. Gespräche beim Wandern, Pausen auf der Sitzbank, die Ausblicke und die verdiente Einkehr nach einer langen Tour: „Genau diese Momente haben unseren Verein mehr als sechs Jahrzehnte zusammengehalten.“ Die Vorsitzende mahnte aber auch, dass das Jubiläum kein Selbstläufer sei, sondern das Resultat von ehrenamtlichen Engagement. 65 Jahre seien zwar ein Grund, stolz darauf zu sein, aber kein Grund, stehen zu bleiben. Wandern sei, gerade in einer digitalen Zeit, moderner denn je. Es sei Entschleunigung, Heimatkunde und diene der Gesundheit.

Ehrungen für Gründer und langjährige Mitglieder

Neben den Gründungsmitgliedern Robert Probst und Wigbert Ströbele ehrte die Clubvorsitzende für 20 Jahre Edgar und Benjamin Kilast, für 40 Jahre Marianne Kessler und Waltraud Schüle sowie für 50 Jahre Ingeborg und Gerhard Hipp, Viktoria Koch, Sigrid Faiss-Laux und Christl Weimer, die außerdem zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

An allen zwei Tagen war das Wanderclubfest sehr gut besucht. Am Samstag gab es ein Programm, das die Kapelle des Wachendorfer Musikvereins eröffnete. Mit einer kleinen Besetzung unterhielt der Musikverein Bierlingen. Dazwischen trat der Trachtenverein Bierlingen mit Tänzen auf. Zwei Bands begeisterten abends das Publikum. „Just Accoustic Groove“ mit Soul-Musik und die Schlachthausband „Piggy in the Slaughterhouse“ mit Pop- und Rockklassikern brachten Partystimmung in das Zelt. Der Erlös des Flohmarkts in den neuen Räumen war zur Finanzierung des Schlachthaus bestimmt.

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