Narrenverein „Bettschoner“
: Weitinger Tanzgarde auf Abschiedstour

Die Tanzgarde des Narrenvereins „Bettschoner“ und ihre Trainerin hören dieses Jahr auf. Doch die Nachfolgerinnen haben sich als „T.N.T.-Dynamite“ bereits empfohlen.
Von
Hermann Nesch
Oberndorf
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Sabine Schmidt (rechts) und Co-Trainerin Lea Breining brachten die Weitinger Tanzgarde wieder in Hochform. Sabine Schmidt hört wie die Tanzgarde auf. Lea Breining wird jedoch das Leitungsteam der neuen Tanzgarde ergänzen.

Hermann Nesch

In ihren rotweißen, schnittig-eleganten Gardeuniformen bereichern die jungen Damen der Tanzgarde jedes Jahr mit ihrem Marsch traditionell die Programmabende in der Narrenhalle. Sie steuern noch eine fulminante Showtanznummer zum Gelingen bei.

Zum ersten Mal trat eine Weitinger Tanzgarde bereits 1966 beim Narrentreffen in Hirrlingen auf und feierte ein Jahr später ihre offizielle Premiere im Narrenflecken. Seit ihrer Gründung ist sie aus der Hallenfasnet nicht mehr wegzudenken. Nun hört die jetzige Formation auf und befindet sich auf ihrer Abschiedstour nicht nur in Weitingen, sondern auf mehreren auswärtigen Auftritten

Die Ideen mit der Vielfalt der Tänze überrascht immer wieder aufs Neue. Die Bühnenbilder und die aufwendig genähten Kostüme tun ihr Übriges dazu. Auf beide Auftritte bereiten sich die jungen Damen schon seit dem Frühjahr unter der Leitung von Sabine Schmidt (42), Trainerin seit 2021, und Lea Breining (25), Co-Trainerin seit 2025, vor. Denn nach der Fasnet ist vor der Fasnet oder ab Aschermittwoch „gôht‘s schao wied‘ dagaga“, wie es in Narrenkreisen heißt. Eine kleine Pause darf aber schon sein.

Bereits im März ist der erste Treff der Tänzerinnen

Spätestens allerdings im März ist schon der erste Treff. Dabei wird eine Liste mit Ideen erstellt, wobei dann drei in die engere Auswahl kommen, dann zusammen mit beiden Trainerinnen abgestimmt und die Musik ausgewählt wird. Aktuell setzt sich der Showtanz aus acht verschiedenen Hits der Rockmusik zusammen. „Die Musik schneidet dann mein Mann nach meinen Vorgaben zusammen“, so Sabine Schmidt. Parallel dazu machen sich die Tänzerinnen Gedanken über passende Kostüme und bekommen vorab zum Reinhören und Verinnerlichen den Musikzusammenschnitt übermittelt.

Die Weitinger Tanzgarde ist auf Abschiedstour.

Foto: Hermann Nesch

Schon im Mai kann es dann mit dem wöchentlichen mindestens zweistündigen Training losgehen. Bis dahin haben die beiden Trainerinnen die Choreographie entworfen. Geübt wird vorerst „trocken“ ohne Musik, höchstenfalls dazu die Titel gesungen, was aber nicht heißt, dass nichts getrunken werden darf. Denn die Proben sind schweißtreibend und der hohe Flüssigkeitsverlust muss kompensiert werden. „Ein Glas Sekt darf es zum Auftakt und zur Stimmungshebung aber schon mal sein“, so Sabine Schmidt.

Was aber auch sein muss, so Sabine Schmidt, sind die körperliche Verfassung mit genügend Kondition und Ausdauer. Denn ein Showtanz dauert mindestens acht bis zehn Minuten, plus zwei Minuten Zugabe. „Das dann aber volle Power“, ergänzt Lea Breining. Entsprechend baut sich das Training auf. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist natürlich auch das notwendige Rhythmusgefühl.

„Etwas schwierig ist es dieses Jahr vor allem beim Training, weil wir selber mittanzen, um die Gruppe wieder auf wenigstens zwölf Tänzerinnen aufzufüllen“, betonen die beiden Trainerinnen. Einerseits müssten sie beobachten, andererseits sich einreihen, um Sicherheit in den Positionswechseln zu bekommen. „Doch das gelingt sehr gut“, bestätigen die Gardemädels. Dazu dienen auch die Videoaufnahmen.

Scherzhaft als „Oma“ und „Mama“ genannt

Dass der Humor dabei nicht zu kurz kommt, zeigt sich darin, dass die beiden Trainerinnen scherzhaft als „Oma“ und „Mama“ genannt werden. Die Chemie stimmt also auch. „Eine tolle Gruppe“, sagt Mira Hofmeester und spricht dafür für alle Gardedamen.

So geht es weiter

Nach und nach
wird der vorgesehene Showtanz in Abschnitten aufgebaut und eingeübt. Im „Input“ werden die Videoaufnahmen dann analysiert, um Ungenauigkeiten zu beseitigen und Verbesserungen vorzunehmen.

Bis zum Oktober
muss der Tanz „sitzen“, einschließlich der später eingebauten Hebefiguren, die bei der rasanten Aufführung für kurze „Verschnaufpausen“ sorgen. Alles zusammen ist dann die Voraussetzung, dass die Umsetzung der vorgegebenen Choreographie stimmen, um sicher, locker und mit lächelnd-strahlendem Gesicht den Showtanz auf die Bühne zu zaubern.

Dazu gehört
auch zu zeigen, dass das Tanzen Spaß und Freude macht und man damit das Publikum begeistern und mitreißen kann, sowie zu spüren, dass die Shownummer mit spektakulären Einlagen, artistischem Geschick sowie mit den schwierigen, schnellen und richtig anstrengend Schrittabfolgen ankommt. Dies beflügelt und bringt Belohnung und Anerkennung für den Aufwand und die Strapazen.

Doch bei aller versuchter Präzision
lassen sich kleinere Fehler letztendlich nicht ganz vermeiden. „Man darf sich auch einmal vertanzen“, betont Lea Breining, „denn nobody is perfect.“ Doch trotz „just for fun“ gibt das Team alles du ist ehrgeizig. „Das sind man nicht nur dem Publikum, sondern auch und selbst schuldig.“ Zum Schluss wird viermal monatlich an einem Sonntag vor dem großen Spiegel im Sportpark „Evolution“ in Ergenzingen noch ein Ganztagesstraining eingelegt und der Feinschliff vollzogen.

„Ein letzter Rock(tanz)“
, denn sieben der jungen Damen hören auf: Lisa Scheurer, Jacqueline Teufel, Theresa Gfrörer, Mira Hofmeester, Katharina Raible, Amelie Schweizer, Lara Dreher und Emilia Schmitt. Drei machen weiter: Katharina Schneider, Judith Müßigmann und Tjadina Bailer, die trotz Trainings über die Fasnet aufgrund eines beruflichen Auslandsaufenthaltes in Spanien fast komplett passen muss. Mira Hofmeester reist von ihrem Auslandsemester in Holland aber zu den Auftritten an.

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