Nachtwächter laden ein
: Horbs Gespenst wird mal wieder aufgescheucht

Die Nachtwächter des Kultur- und Museumsvereins laden zu einem nächtlichen Umgang für Urlaubsgäste und Daheimgebliebene ein. Dabei versprechen die Herren einige Überraschungen.
Von
Joachim Lipp
Oberndorf
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Am Schüttetörle geben die Nachtwächter das Horber Lied zum Besten, das an die Koalitionskriege zwischen 1792 und 1815 erinnert. Anlass für diesen kriegerischen Dauerkonflikt war die Französische Revolution.

Lipp

Die Nachtwächter vom Kultur- und Museumsverein haben sich entschlossen, für Urlaubsgäste und Daheimgebliebene eine Sonderschicht einzulegen. Sie laden für Freitag, 23. August, um 20 Uhr auf dem Horber Marktplatz vor dem Rat- und Wachthaus zu einer Nachtwächterführung ein, die für die Teilnehmenden manche Überraschung bietet.

Joachim Lipp, Heinrich Raible und Bruno Springmann erinnern zu Beginn der Führung an die Aufgaben und Pflichten der schlecht besoldeten Horber Nachtwächter, die nach dem großen Stadtbrand des Jahres 1725 erst nach 135 Jahren ein neues Wachthaus mit Wachtstube und Arrestzelle beziehen konnten.

Warum man in Horb zu jedem Polizisten ungestraft Nachtwächter sagen darf

Sie haben auch eine Erklärung dafür, warum man in Horb zu jedem Polizisten ungestraft „Nachtwächter“ sagen darf.

Vor dem Barockportal des Geßlerschen Amtshauses warnen die drei Herren nicht ohne Grund vor dem einzigen Gespenst der Stadt, das hier umgeht und manchem Horber zu später Stunde schon erschienen ist.

Sie wissen, wer sich hinter der Weißen Frau verbirgt, die dazu verdammt sei, im Amtshaus Nacht für Nacht herumzugeistern und aufgrund einer Blasenschwäche stündlich ihren Bottschamber aus einem Fenster im zweiten Stock zu leeren.

Womit die Horber sich einen Eintrag in ein Lexikon eingehandelt haben

Vor der einstigen Traditionsgaststätte Schiff berichten die Nachtwächter über eine Lieblingsbeschäftigung der Horber, die der Stadt 1841 sogar zu einem Eintrag in einem Universallexikon verholfen hat. Vorbei am Marktbrunnen und dem Sebastian-Lotzer-Denkmal geht es hinauf zum ehemaligen Franziskanerinnenkloster, das 1715 mit mehr Gottvertrauen als Kenntnissen über Baustatik um zwei Geschosse aufgestockt worden ist.

Welche Spottverse ein verkrachter Nordstetter Student gedichtet hat

Auf dem Buß bekommenen die altwürttembergischen Freudenstädter wieder einmal ihr Fett ab, die 1771 glatt verhungert wären, wenn das vorderösterreichische Horb damals nicht mit Fruchtlieferungen ausgeholfen hätte. Am Schüttetörle singen die Nachtwächter das Horber Lied, das an die Franzosenzeit erinnert.

Im Burggarten werden Spottverse über Horb zum Besten gegeben, die der verkrachte Nordstetter Student Johann Baptist Kiefer während eines Gefängnisaufenthalts im Schurkenturm gedichtet hat. Vor dem Dominikanerinnenkloster kann man erfahren, warum diese Horber Nonnen die ersten Klosteraufhebungen in den österreichischen Erblanden überstanden haben.

An der Stiftskirche erinnern die Nachtwächter an das Zehnuhrläuten und erläutern die Funktionsweise einer Nachtwächterkontrolluhr. Entlang der Sommerhalde sollten die Umgangsteilnehmer aus gutem Grunde nicht nach oben schauen, wenn sie den Ruf „Ooobacht!“ vernehmen.

Welche Panne einem dicken König in Horb angeblich passierte

Welche strengen Regeln im einstigen Horber Franziskanerkloster galten, erfährt man auf dem Burgstall. Über die Marktstraße, wo an originaler Stelle von dem angeblichen Malheur des dicken Königs Friedrich I. von Württemberg berichtet wird, kehrt man zurück zum Rathaus, wo sich die Nachtwächter nach rund eineinhalb Stunden mit der Horber Devise verabschieden. Zum Nachtwächterumgang sind alle Interessierten eingeladen, um eine Spende wird gebeten, bei Regen fällt die Führung aus.

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