MGV Liederkranz Weitingen
: Sangesfreudiges und hochgeehrtes Duo

Rudi Schweizer (88) und Josef Raible (86) singen seit 70 Jahren im Weitinger Männergesangverein „Liederkranz“.
Von
Hermann Nesch
Oberndorf
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Auf zusammen 174 Lebensjahre. Davon 140 Jahre als aktive Sänger bringen es Rudi Schweizer und Josef Raible beim Männergesangverein „Liederkranz“ Weitingen.

Hermann Nesch

Beim Männergesangverein „Liederkranz“ läuft das Jahr langsam aus, aber es wird immer noch fleißig geprobt. Denn schließlich steht noch das traditionelle Silvestersingen beim Jahresabschlussgottesdienst in der Pfarrkriche St. Martinus an.

Mit dabei sind auch Josef Raible und Rudi Schweizer, denen kürzlich eine besondere Ehrung zuteil wurde: Sie sind seit 70 Jahren als Sänger aktiv und halten dem „Liederkranz“ die Treue.

Zum Männerchor kamen sie 1953/54 über eine junge Clique von Gleichaltrigen. Geerbt hat Josef Raible die Liebe zum Gesang von seinem Vater Anton Raible, Er war auch erster und zweiter Vorsitzender des „Liederkranzes“, während bei Rudi Schweizer vor allem sein ältester Bruder Josef als langjähriger Vorsitzender eine ausdauernde aktive Zeit nachweisen konnte.

Verschiedene Vorsitzende und Dirigenten erlebt

Wenn die beiden betagten Sängerkameraden zurückschauen, so haben sie neben etlichen Vorsitzenden natürlich auch verschiedene Dirigenten erlebt. Nachhaltig in Erinnerung geblieben sind ihnen der frühere Weitinger Schulleiter Hans Mattenschlager und natürlich Arno Gulde, der den Männerchor von 1963 bis 1999 über 35 Jahre geleitet und geprägt, musikalisch und zahlenmäßig zu ungeahnten Höhen geführt und zu einem der angesehensten Männerchöre in der weiteren Umgebung geformt hat.

Unter seiner Stabführung zählte der Chor sagenhafte 52 Sänger. Gerne erinnert sich das Duo auch an die vielen (bis heute noch üblichen) „nassen Singstunden“, Festbesuche und Konzerte – unter Letzteren mit so bekannten Werken wie dem berühmten „Jägerchor“ aus Carl Maria Webers Oper „Der Freischütz“, zusammen mit dem Streichorchester Betra anlässlich des 75-jährigen Jubiläums 1977.

Weitere Höhepunkte unter ihm war für sie die Teilnahme und der zweite Platz beim Chorwettbewerb des Schwäbischen Sängerbundes 1991 in Esslingen sowie unter seinem kurzzeitigen Nachfolger der Gauchortag zusammen mit dem 100-jährigen Jubiläumsfest 2002. Erneut großen Spaß machte das Singen dann wieder unter Matthias Heid (2002 bis 2019), wie sie überstimmend betonen.

Geschätzt haben sie an ihm auch seine Geselligkeit, seine unkomplizierte und kurpfälzisch-fröhliche Art. Und vor allem aber auch aufgrund seiner hervorragenden musikalischen Qualitäten, schließlich war er der erste studierte Musiker und Chorleiter in der nun schon 123-jährigen Geschichte des Männergesangvereins. Hier bleiben ihnen neben den Konzerten zusätzlich die Geistlichen Abendmusiken in der Pfarrkirche in besonderer Erinnerung.

Der aktuelle Chorleiter ist ein Glücksfall

Als weiteren großen Glücksfall und Volltreffer in ihrer langjährigen Sängerzeit bezeichnen sie den derzeitigen Chorleiter, studierten Diplom-Tonmeister und Musiklehrer Albrecht Lutz, der seit Sommer 2022 erfolgreich im Amt ist. „Ein sehr feiner und hochqualifizierter Mensch“, so Josef Raible. Auch dessen Singstunden seien exzellent vorbereitet, kurzweilig und motivierend. Geschätzt wird zudem die anspruchsvolle moderne Chorliteratur.

Was gefällt ihnen sonst noch am Liederkranz?

Die Kameradschaft und Geselligkeit
, das spontane Singen vom Tisch aus mit Trink- und „Lompaliadle“ und natürlich der erwähnte anspruchsvolle Chorgesang, darunter neu arrangierte traditionelle Literatur, wie „Muss i denn“. „Die Mischung macht’s“, da sind sie sich mit ihren Sängerkameraden einig. Natürlich hat sich im Laufe der Jahrzehnte das Liedgut gewandelt: „Nix mehr Tannenwipfelrauschen, munter springenden Rehlein und so.“

Bewundert wird Josef Raible
nicht nur von Rudi Schweizer, dass dieser bei Auftritten problemlos zwischen dem ersten Tenor und dem zweiten Bass wechseln kann. Der „Künstler“ hat dazu eine Erklärung: Ursprünglich käme er vom zweiten Tenor. Als aber der zweite Bass in früherer Zeit etwas unterbesetzt gewesen sei, habe ihn sein Vater hinüberbeordert: „Jonger, dô gôhsch nom!“ Seine drei Brüder war ja schon auf andere Stimmen verteilt.

Also sei ihm zum Wohle des Chores
nichts anderes übrig geblieben, als dem Vater zu folgen, obwohl er kein Biertrinker sei. Denn dafür braucht‘s, so Raible, zum Ölen den Gerstensaft, auch wenn viel vom Wein gesungen wird.

Das war dann seither sein Stammplatz
, aber wenn es drauf ankommt, wie beim Liederabend, als Tobias Schweizer ausgefallen war, sei der Wechsel in den ersten Tenor halt mal zwangsläufig. Aber in der Chorschola St. Martinus, in der er „zur höheren Ehre Gottes“ auch schon seit 40 Jahren mitsingt, beharrt er auf seinen Platz im Tenor. „Das ist dann allgemeingültiger Konsens und Tenor.“

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