Liebfrauenhöhe Ergenzingen
: Brauchen wir eine bessere Demokratie ?

Mit dieser Frage beschäftigte sich im Zeichen der anstehenden Landtagswahl der Horber Friedensaktivist Helmut Loschko beim traditionellen Montagsgebet auf der Liebfrauenhöhe.
Von
Klaus Ranft
Oberndorf
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Der Horber Friedensaktivist Helmut Loschko gastierte zum wiederholten Male beim Montagsgebet auf der Liebfrauenhöhe.

Klaus Ranft

. Bekannt wurde Helmut Loschko unter anderem durch sein soziokulturelles Engagement in der Region, durch seinen Einsatz beim Projekt Zukunft und im Kloster Horb. Aber auch als Pazifist bei der Horber Initiative für den Frieden und als Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft. Loschko war Kriegsdienstverweigerer und gilt als Verfechter der gerichtlichen Überprüfung eines möglichen Verbotes einer Partei, die im Verdacht steht, rechtsextremistisch und verfassungsfeindlich zu sein.

Der erste Eindruck von Loschko an diesem Abend war der eines angenehmen Zeitgenossen, der einige Besucher mit einem Lächeln und starkem Händedruck begrüßte, aber auch schnell zur Sache kam, in dem er sagte: „Was ich heute Abend von mir gebe, sind meine ureigenen Gedanken“.

Der Begriff „System“ gehört für Loschko hinterfragt

An die 30 Menschen waren es dann, die dieses Gedankengut auch hören wollten. Bereits im Februar 2024 habe er seine Meinung zur damals bevorstehenden Bundestagswahl bei einem Montagsgebet kundtun dürfen. Dass er nun wieder eingeladen worden sei, erfülle ihn mit besonderer Freude.

Bei Diskussionen höre er oft das Argument, dass es kein besseres demokratisches System mit freien Wahlen, als dieses der BRD gebe. Das sei zwar richtig, aber der Begriff „System“ gehöre hinterfragt. Die Entwicklung in den USA zeige auf, wie gefährdet und angreifbar ein solches sei. Dieses orientiere sich ausschließlich an kapitalistischen Interessen, schaffe soziale Ungerechtigkeiten und bringe ein weiteres Zunehmen der Klimakatastrophe hervor, zudem immer mehr kriegerische Auseinandersetzungen und eine uferlose Aufrüstung.

Er selbst handle ganz im Sinne der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Ihr kurz vor dem Tod und vor Beginn des zweiten Weltkrieges 1914 ausgerufenes „die Waffen nieder“ gelte für ihn auch heute noch, so Loschko.

Er habe Angst um die Demokratie in unserem Lande. In einer solchen seien Menschenrechte, Grundrechte, dass Asylrecht und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht verhandelbar. Nicht umsonst habe der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes Andreas Voßkuhle in der Tagesschau im Dezember festgestellt, dass es möglich sei, dass die Deutschen ihre eigene Demokratie abwählen könnten. Daher fordere er auch das Verbot von Parteien, die rechtsextremistisch und verfassungsfeindlich agieren.

Loschko verurteilte auch die Rüstungspolitik, zu der die Menschen nicht gefragt worden seien. Er rufe daher junge Menschen dazu auf, die Wehrpflicht zu verweigern. Dabei würden sie von der Horber Friedensinitiative beraten und unterstützt.

Angst vor dem Einsatz von Atomwaffen

Er habe auch Angst vor der Stationierung weiterer Mittelstreckenraketen in Deutschland und vor allem vor dem Einsatz von Atomwaffen. Daher hoffe er, dass der neue Horber OB weiterhin Mitglied der Mayors for Peace bleibe, wie sein Vorgänger. Mayors for Peace ist eine Initiative für den Frieden der Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki.

Blick auf die Landtagswahl

Was seine Gedanken
um die Zukunft mit der Landtagswahl zu tun haben, erläuterte Loschko am Schluss seiner drei Info – Blöcke.

Der Landtag treffe Entscheidungen
zur Bildungs- und Klimapolitik. Aber die Tatsache der weiteren Aufrüstung bedeute, das finanzielle Mittel auf Landesebene ebenso fehlen würden, wie auf der Kommunalen. Angesichts dieser großen Probleme sei Parteipolitik tabu. Es ändere nichts, wenn die Schuld zwischen Bund, Land und Kommunen hin und her geschoben würde. Das sei eine Herausforderung nicht nur für die Politikerinnen und Politiker, sondern für Alle. Atomraketen, Klimakatastrophen und Flüchtlinge machten auch vor den Grenzen Baden-Württembergs nicht halt.

Eindringlich warnte Loschko
davor, alle vier Jahre zur Wahl zu gehen und es damit gut sein zu lassen. „Was die da oben machen“ reiche nicht mehr. Deutschland brauche kein besseres Grundgesetz für eine bessere Demokratie. Vielmehr eine bessere und ehrlichere Politik, eine direktere Demokratie, mehr Mitbeteiligung der Bürgerinnen und Bürger und mehr Engagement der Zivilgesellschaft. Helfen wir dabei mit forderte er und verwies auf ein Gedicht von Walle Saier aus seinem 1984 erschienen Band „die übrig gebliebenen Farben“: „An einem Laternenpfahl hing es, dieses väterliche Gesicht mit seinem blinden Pilatus Lächeln, als gäbe es keine Wirklichkeit und in blutroten Buchstaben stand noch das Wort Vertrauen darunter, das anmutete, wie ein hingedrücktes, schallendes Gelächter.

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