Konzert in Rottenburg: Trotz Regen begeisterten Dicke Fische

Die überregional bekannte Band Dicke Fische bei ihrem verregneten Auftritt in der Bronnmühle.
Andreas StraubIm Zentrum steht dabei stets die Gitarre – klar, melodisch, rhythmisch – begleitet von fein abgestimmtem, oft mehrstimmigem Gesang, der technisch versiert und gefühlvoll daherkommt.
Ihre Musik verzichtet auf elektronische Effekte oder aufwendige Arrangements und setzt stattdessen auf die Kraft des Einfachen, auf Echtheit, Intimität und den direkten Draht zum Zuhörer. Zum idyllischen Ambiente der Bronnmühle passt das gut, wenngleich das Wetter am Samstagabend so gar nicht mitspielen wollte. „Die Creme de la Crema der Musikfans ist trotzdem hier und hat das Sofa verlassen“, sagte Frontmann Anjel Ferry zu den knapp 50 Zuhörerinnen und Zuhörern.
Unter einem Zeltdach ging es mit dem eigenen Lied „When you come around“ los. Mit über 2000 Konzerten im In- und Ausland war schnell klar: Da stehen Profis auf der Bühne. Das Sommerkonzert in der Bronnmühle soll als jährliches Event etabliert werden – bei normalen Julitemperaturen kamen im vergangenen Jahr 120 Leute.
Lieder erzählen Geschichten aus dem Leben
Die Lieder erzählen Geschichten aus dem Leben – mal melancholisch, mal heiter, oft poetisch, manchmal ironisch. Mit Gitarrensolos ging es zum Beispiel musikalisch in weite Ferne. Das Stück „Tarawera“ ist auf einer zweimonatigen Konzertreise durch Neuseeland und Australien entstanden. Es ist inspiriert durch einen Vulkan. Lange brodelt es in seinem Innern vor sich hin, dann der Ausbruch – klasse Stimmung und kräftiger Applaus vom Publikum. Sie handeln von Begegnungen, von Abschieden, von kleinen Alltagsbeobachtungen ebenso wie von großen Gefühlen wie zum Beispiel beim Stück „Back to the roots“, in dem eine solistische Schlagzeugpassage überzeugte. Das Publikum klatschte mit. Dabei gelang es der Band, eine Sprache zu finden, die zugleich persönlich und universell ist. Wer sich darauf einlässt, kann sich in den Texten wiederfinden.
Zu den eigenen Liedern (vor 20 Jahren haben sie ihre „Hymne“ und Mitsing-Zeile „Alles wird gut“ geschrieben) kamen immer wieder Cover-Versionen bekannter Stücke. Ungewöhnlich klang mit zwei Gitarren und Schlagzeug das moderne „Birds of a Feather“ von Billie Eilish, das erst im letzten Jahr erschienen ist. In den hinteren Reihen standen die ersten Leute auf und tanzten und summten mit. Als eine Dame sich alleine zum Tanz nach vorne wagte, scherzte Ferry: „Jetzt spielen wir leider als nächstes ein Anti-Tanzlied.“
Bekannte Hits waren oft weit weg vom Original und gekonnt eigen interpretiert, so zum Beispiel bei Matt Simons „Catch & Release“. Frontsänger Anjel Ferry legte längere Pausen ein und gab markanten Passagen Raum. Bei U2s „With or without you“ wechselte er sich gekonnt mit den anderen Sängern ab.
Wohnzimmerkonzert mit handgemachter Musik
Nach einigen Cover-Hits, denen Dicke Fische ein eigenes Gewand verliehen, präsentierte Ferry augenzwinkernd ein Liebeslied an seine Oma. „Sie hat den besten Kartoffelsalat gemacht“, sagte Ferry. Warme Milch müsse hinein, Muskatnuss, Pfeffer, Salz und vor allem die richtige Kartoffelsorte. „Und Butter“, riefen mehrere Leute im Publikum. Ferry ging darauf zunächst nicht ein: „Nicht mit dem Mixer herstellen, sondern von Hand drücken, wie Oma.“ Das Publikum antwortete: „Butter, Butter.“ Mit eigenen Songs und ausgewählten Covern spielten Dicke Fische keine klassische Bühnenshow, sondern eher ein leichtes Wohnzimmerkonzert mit handgemachter Musik im Freien.