Knappe Finanzen: Neustetten kippt den Mensa-Neubau

Der Rektor der Grundschule Neustetten Thomas Mach.
Andreas StraubEine Mensa für die Grundschule in Remmingsheim wird nicht gebaut – weder im kommenden Jahr noch absehbar später. Der Gemeinderat Neustetten hat einstimmig beschlossen, den bereits geplanten Neubau zu streichen und folgte damit dem Vorschlag der Verwaltung.
Dass das Projekt so deutlich gekippt wird, kam überraschend. Bürgermeister Gunter Schmid hatte den Mensa-Neubau bislang als eines der wichtigsten Vorhaben der Gemeinde bezeichnet – gleichauf mit dem geplanten Feuerwehrmagazin. Im April 2024 war ein Förderantrag gestellt worden, im August kam die Zusage: Von den geschätzten 3,5 Millionen Euro Baukosten hätte Neustetten nur rund eine Million selbst tragen müssen, 2,5 Millionen wären als Zuschuss geflossen.
Trotzdem zieht die Gemeinde die Notbremse. Schmid begründete das mit einer Neubewertung des künftigen Betreuungsbedarfs. Der ab 2026 geltende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung könne mit dem bisherigen Modell abgedeckt werden: einer Halbtagsschule mit zusätzlichem kommunalen Betreuungsangebot.
Eltern sollen wegen des Bedarfs befragt werden
„Diese Einschätzung teilen wir“, sagte Schulleiter Thomas Mach. Um den Bedarf genauer zu ermitteln, sollen die Eltern der künftigen Erstklässler befragt werden.

Die zuständige Schulrätin Sibylle Jakober.
Foto: Andreas Straub„Der Neubau ist nach dem derzeitigen Bedarf nicht zwingend erforderlich, zumal wir gute Räumlichkeiten haben“, erklärte Schmid. Als Lösung nannte er den Mehrzweckraum, in dem bis zu 100 Kinder essen können. Falls nötig, könne auch der angrenzende Musikraum mitgenutzt werden. Laut Mach wäre lediglich eine Abtrennung für die Instrumente nötig.
Neben der Bedarfsfrage spielte die Haushaltslage eine zentrale Rolle. „Auch aus finanzieller Sicht müssen wir uns das sehr genau überlegen“, so Schmid. Zwar sei der Zuschuss erheblich, aber auch eine Million Euro Eigenanteil bleibe eine große Summe.
Gemeinderat Andreas Braun verwies auf die Folgekosten: „Die Abschreibungen darauf müssen wir jedes Jahr erwirtschaften. Der Neubau wird nichts mehr.“ Einige Ratsmitglieder betonten, man müsse sich auf das Notwendige beschränken. Für sie ist das Projekt endgültig vom Tisch. Schmid ließ jedoch offen, ob die Idee dauerhaft beerdigt ist: „Wir prüfen jedes Jahr, ob sich der Bedarf verändert. Das wird ein Dauerthema.“
Aktuell besuchen rund 200 Kinder die beiden Grundschulstandorte in Remmingsheim und Wolfenhausen – ein Höchststand der letzten 30 Jahre. Aufgrund sinkender Geburtenzahlen rechnet die Verwaltung jedoch mit einem Rückgang. Der ab dem Schuljahr 2026/27 geltende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung war das Hauptthema der Sitzung. Derzeit nehmen rund 15 Grundschulkinder und zehn Kindergartenkinder das Mittagessenangebot wahr.
Schulrätin Sibylle Jakober vom Staatlichen Schulamt Tübingen erläuterte die gesetzlichen Vorgaben und ihre Folgen für die Kommunen. Bildung, so Jakober, gehe heute weit über klassischen Unterricht hinaus: „Sie ist entscheidend für Chancengleichheit, soziale Teilhabe und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“
Acht Stunden Betreuung an fünf Tagen pro Woche
Zunächst gilt der Anspruch für Erstklässler, dann schrittweise für alle Jahrgangsstufen bis 2029/2030. Er umfasst acht Stunden Betreuung an fünf Tagen pro Woche, einschließlich Ferienzeiten – bis zu vier Wochen Schließzeit im Jahr sind möglich. Jakober betonte, dass es sich dabei nicht um eine Ganztagsschulpflicht handelt. Ziel sei die Entlastung von Familien und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung.