Kirchenkrise? Vortrag in Horb
: „Religion und Glauben ändern sich radikal“

„Der Glaube ist tot, es lebe der Glaube!”, so lautete der Titel des Vortrags von Monsignore Christian Hermes.
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red/pm
Oberndorf
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Der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes sprach am Freitag im Gemeindezentrum auf dem Horber Hohenberg.

Volker Schmid

„Der Glaube ist tot, es lebe der Glaube!”, so lautete der Titel des Vortrags über gesellschaftliche Transformation von Stadtdekan Monsignore Christian Hermes am Freitag, 24. Oktober, im Adolph-Kolping-Gemeindezentrum auf dem Horber Hohenberg.

Und in einer Sache waren sich die rund 30 Gäste und der Referent einig: In Zeiten wie diesen braucht es Glaube, Kirche und Religion mehr denn je – wenn auch in veränderter Form.

Der Begriff Transformation sei zu schwach

Der Stuttgarter Stadtdekan hält den Begriff „Transformationsprozesse“ für zu schwach: „Man kann schon von Krisen sprechen!“ Es herrsche ein Polykrise. Dazu nannte er Stichworte wie Klima-Problematik, Corona-Auswirkungen, Gaza, Putin oder Migration. Deshalb wünsche man sich, dass in der Religion wenigstens alles in Ordnung ist. „Aber auch Religion und Glaube ändern sich radikal“, so Hermes.

Wenn Sinn, Identität, Heil und Trost verloren gehen

Angesichts des immensen Mitgliederschwunds der Kirchen erklärte Hermes: „Es ist nicht so, dass die Leute nicht mehr glauben. Sie glauben halt nur nicht mehr in der Kirche.“ Er ist sich aber auch sicher: „Menschen können nicht leben, ohne an etwas zu glauben!“ Aktuell glauben die Menschen jedoch eher an Fortschritt, Technik oder mit etwas Glück an Demokratie, Werte und Menschenrechte. Wenn Sinn, Identität, Heil, Trost, Hoffnung, Verheißung oder Geborgenheit verloren gehen, entsteht laut Hermes ein Gefühl, „dass alles den Bach runtergeht“: „Menschen müssen an etwas glauben, wenn sie keine zynische Untergangsneurotiker werden wollen“, betonte Hermes.

Gefragt sind solidarische Handlungen

Die Kirche sollte laut Hermes zudem keine Heimat-Idylle vorgaukeln oder vor der Gegenwart beschützen, sondern dazu beitragen, diese Transformationsprozesse zu bewältigen. Dabei werde aktuell, so Hermes, kein Fokus auf Religion erwartet: „Am meisten gefragt sind soziale und solidarische Handlungen.“ Die Kirchen sollen „Brücken bauen, für Solidarität sorgen und sich um Menschen kümmern“.

Hermes appelliert an alle, sich einzubringen

Als Glaubensgemeinschaft müsse man, so Hermes, an die Gestaltungsmöglichkeiten der Zukunft glauben: „Ich bin der Meinung, dass es schon lange nicht mehr so wichtig war, an was und warum wir glauben!“ Deshalb appellierte Christian Hermes zum Schluss: „Bringen Sie sich ein. Zukunft kann man gestalten!“

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