Katholische Kirche
: Von Rottenburg nach Indien zur Priesterweihe

Zurück in die Heimat führt der Weg von Sebin Joseph Mattappallil zu einem besonderen Ereignis.
Von
(red/pm)
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Sebin Joseph Mattappallil (von links) und Regens Andreas Rieg im Innenhof des Priesterseminars in Rottenburg.

Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Der 31-Jährige wurde am 27. Mai im südindischen Kerala zum Priester geweiht. Für die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist dies zugleich ein wichtiger Meilenstein einer internationalen Kooperation mit der Erzdiözese Tellicherry, die seit 2017 besteht.

Mattappallil gehörte zu den ersten beiden indischen Seminaristen, die im Dezember 2017 im Tübinger Wilhelmsstift ihr Studium aufnahmen. Grundlage war eine vertragliche Vereinbarung zur weltkirchlichen Zusammenarbeit in der Priesterausbildung. Nun wird seine Weihe zu einem besonderen Zeichen der Verbundenheit über Ländergrenzen hinweg: Rund 50 Wegbegleiter und Freunde aus Tübingen, Rottenburg und der Seelsorgeeinheit Marchtal werden nach Indien reisen, um an dem Gottesdienst teilzunehmen.

Hier einen Teil der eigenen Heimat gefunden

„Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass ich nach neun Jahren in der Diözese Rottenburg-Stuttgart auch hier einen Teil meiner Heimat gefunden habe“, sagt Mattappallil. Insgesamt verbrachte er sieben Jahre in Tübingen und absolvierte zuletzt seine einjährige Diakonenzeit in Obermarchtal.

Nach seiner Priesterweihe wird Mattappallil nach Deutschland zurückkehren und seinen pastoralen Dienst in der Diözese Rottenburg-Stuttgart antreten. Für fünf bis zehn Jahre soll er dort als Priester wirken – ebenfalls Bestandteil der Vereinbarung zwischen den beiden Diözesen. Besonders die Erfahrungen aus seiner Zeit in Obermarchtal hätten ihn geprägt. „Durch die sehr guten Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, möchte ich am liebsten als Priester in einer Gemeinde mit den Menschen arbeiten“, erklärt er.

Für Regens Andreas Rieg, Leiter des Priesterseminars in Rottenburg, zeigt die Zusammenarbeit deutlich ihre Wirkung: „Unsere Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Tellicherry ist im besten Sinn bereichernd für alle Beteiligten.“ Die derzeit fünf indischen Seminaristen und angehenden Priester seien zu Brückenbauern zwischen Kulturen geworden.

Auch Mattappallil beschreibt die Erfahrungen als prägend. Zwei unterschiedliche Welten seien aufeinandergetroffen – beide mit ihren eigenen Stärken und ihrem Reichtum. Besonders das Theologiestudium in Deutschland habe seinen Horizont erweitert. Während in Indien kirchliche Lehren häufig stärker angenommen würden, habe er in Tübingen gelernt, Fragen zu stellen und Diskussionen zu führen.

Gegenseitiges Lernen und kultureller Austausch

Parallel zu Mattappallils Weg steht auch sein Mitstudent Joji Joseph kurz vor dem nächsten Schritt. Er absolvierte nach seinem Studium unter anderem ein Praktikum in Heiligenbronn und ist derzeit als Diakon in Stuttgart tätig. Im kommenden Jahr soll auch er die Priesterweihe empfangen.

Die Verantwortlichen sehen in der Kooperation ein Modell für eine Kirche, die von gegenseitigem Lernen und kulturellem Austausch lebt. Bereits im Juni wird der indische Erzbischof Joseph Pamplany in Rottenburg erwartet, um die Zusammenarbeit weiter zu vertiefen.

Zum Hintergrund

Die weltkirchliche Kooperation
mit der Erzdiözese Tellicherry ist Teil der Bemühungen der Diözese Rottenburg-Stuttgart, in der seit vielen Jahren indische Priester im pastoralen Dienst tätig sind, ihre weltweiten Verbindungen zu stärken und durch internationale Zusammenarbeit noch mehr voneinander zu lernen. Die Ausbildung in Tübingen und Rottenburg umfasst unter anderem einen rund einjährigen Deutschunterricht zu Beginn des Aufenthalts, das Studium der alten Sprachen am Ambrosianum, das Magisterstudium der Katholischen Theologie sowie die Ausbildung am Priesterseminar.

Als Zeichen der Verbundenheit
erfolgte die Weihe von Sebin Joseph Mattappallil zum Diakon vergangenes Jahr in Stuttgart durch Bischof Klaus Krämer.

Nach seiner Priesterweihe
wird Joseph Mattappallil als in der indischen Erzdiözese inkardinierter Priester für bis zu zehn Jahre weiter in der Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig sein. Dies bedeutet, dass er zur indischen Diözese gehört, aber in der Diözese Rottenburg-Stuttgart eingesetzt wird.

Der KreisLetter
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Freudenstadt Montag bis Samstag im kompakten Überblick.