Jugendarbeit in Horb: Die „Nachtwanderer“ lösen sich auf

Herbert Beutter - der Mann, der die „Nachtwanderer“ von Anfang an begleitete
MorlokIm Rahmen der jüngsten Sitzung des VTA gab der Mann der ersten Stunde, Herbert Beutter, den Bürgermeister Ralph Zimmermann als die Galionsfigur der „Nachtwanderer“ bezeichnete, die Auflösung bekannt.
Die ehrenamtliche Truppe, die man an ihren blauen Jacken, den Polo-Hemden und den Käppis mit dem Schriftzug „Nachtwanderer“ erkannte, entstand aus einer Idee, mit der man bereits in anderen Städten Erfolg hatte: Für die Jugendlichen, die nachts in Horb unterwegs waren, da sein. Da sein bedeute Sicherheit, so die wesentliche Motivation bei Gründung der Gruppe.
Die „Nachtwanderer“ waren nie in der Rolle der Ordnungshüter oder Streitschlichter unterwegs. Vielmehr wollte man Vertrauen aufbauen und Hilfe und Unterstützung in verschiedenen Situationen anbieten. „Wir sahen uns nicht als Security, sondern mehr als eine Art Streetworker“, hob Beutter hervor.
Der Grund für das Aus
Immer in den Sommermonaten – von Mai bis September – traf man sich aller 14 Tage zu einer Tour. Zuerst im Wechsel freitags und samstags, später antizyklisch. Anfangs konnte Beutter aus einer Gruppe von rund 20 Personen die Touren zusammensetzen, zum Ende hin ließ das Interesse nach.
Doch das ist nicht der Grund für das Aus. „Die typischen Latschareplätze, an denen sich die Jugendlichen einst trafen, gibt es nicht mehr. Die Jugendlichen heute sind anders vernetzt und man trifft sie kaum noch im Städtle“, so eine Beobachtung Beutters. Dazu komme die Überalterung der Gruppe, persönliche Veränderungen und ein massiver Rückgang an Mitwanderern.

Sie wandern zukünftig nicht mehr durch die Horber Nacht - die Freiwilligen um Hebbe Beutter (Mitte).
Foto: MorlokBürgermeister Ralph Zimmermann dankte im Namen der gesamten Stadtgemeinschaft für dieses besondere Engagement. Für die anwesenden „Nachtwanderer“ gab es ein Blumensträußchen und einen Citygutschein als kleines Geschenk. Was aber alle „Nachtwanderer“ mitnehmen können, das ist die Erinnerung an eine gute Gemeinsamkeit, kleinere Begegnungen und das befriedigende Gefühl, etwas für ihre Heimatstadt und die Jugend getan zu haben.
Reaktion der Fraktionen
Rodolfo Panetta (AfD) wunderte sich darüber, dass man jetzt aufhört, da seiner Meinung nach die Bedrohungslage nicht geringer, sondern eher größer sei als bisher. „Nicht bei den Jugendlichen. Mit denen gab es kaum Eskalationen. Wenn, dann mit Leuten so um die 25 Jahre und älter“, wusste Beutter und ergänzte nochmals, dass dies jedoch nicht die Zielgruppe der „Nachtwanderer“ war.
Götz Peter (CDU) sagte: „Mir ging das Herz auf bei Ihren Schilderungen – danke für bürgerschaftliches Engagement“. Eine Feststellung, der sich einige Räte anschlossen.
Bildechingens Ortsvorsteher Rüdiger Holderried, der hauptberuflich in der Suchtberatung Freudenstadt und Horb sowie in der mobilen Jugendarbeit tätig ist, attestierte den „Nachtwanderern“, dass sie durch ihr lässiges, unaufdringlichen Auftreten viel dazu beigetragen zu haben, dass sich die Situation auf der Straße ins Positive verändert hat.