Internationale Frauentage in Rottenburg: „Sexuelle Selbstbestimmung muss immer wieder neu verhandelt werden“

Teilnehmerinnen beteiligen sich mit Plakaten an einer Protestaktion gegen das Selbstbestimmungsgesetz in Berlin. Benachteiligungen und Gleichstellung sind auch für den Rottenburger Integrationsbeirat wichtige Themen.
Kay Nietfeld/dpa/Kay NietfeldPietro Scalera sagt in einem Statement gegenüber unserer Redaktion: „Die Rottenburger Frauentage starten wieder und sind ein wichtiges Ereignis unserer Stadt, das immer wieder auf die Themen der Gleichstellung hinweist. Echte Veränderung erreichen wir nur, wenn wir uns täglich dafür einsetzen. Trotz Fortschritten gibt es weiterhin Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen. Auch Männer in sozialen Berufen und Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung erfahren Benachteiligungen. Täglich werden Grenzen überwunden, und deshalb sollten wir als Gesellschaft – Männer und Frauen – in unseren Unterschieden und Gemeinsamkeiten zusammenhalten und uns stärken.“
Gemeinsame Lösungen
In der Debatte um Gleichberechtigung gehe es aus Sicht von Scalera nicht darum, dass eine Seite gewinnt. „Vielmehr müssen wir gemeinsam Lösungen finden, die uns als Gesellschaft weiterbringen. Es geht darum, dass wir alle auf Augenhöhe stehen und nicht ein Geschlecht in den Mittelpunkt stellen“, meint er.
Auch heute gebe es noch Grenzen, die überwunden werden müssten – und einige davon seien dringender denn je. Er sagt: „In einer Zeit, in der politische Strömungen versuchen, alte Grenzen wieder aufzurichten, müssen wir wachsam bleiben. In Teilen Europas werden Rechte, die wir als selbstverständlich erachteten, infrage gestellt. Auch in Deutschland müssen Themen wie Gebärrechte und sexuelle Selbstbestimmung immer wieder neu verhandelt werden. Der Fortschritt, den man über Jahrzehnten erkämpft hat, ist keineswegs selbstverständlich.“