Horber sind begeistert
: Flohmarkt am Neckar ein voller Erfolg

Kunst, Klamotten, Krimskrams: Viele Händler boten am Samstag auf der Neckarwiese ein breites Warenspektrum an.
Von
Peter Morlok
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Entlang der Turnierwiese zog sich der Flohmarkt.

Morlok

Die Horber Turnierwiese verwandelte sich am Samstag in ein Eldorado für Schnäppchenjäger. Mit dem Okay des Horber Stadtmarketings hatte die NMV-Marktagentur, die Flohmärkte in Baden-Württemberg und Teilen von Bayern veranstaltet, diese beliebte Art des Handelns in die Kernstadt gebracht. In früheren Jahren fand einmal ein Flohmarkt auf der Inselspitze statt.

Dass diese besondere Markt-Art jedoch viele Fans hat, ist unbestritten. Ein Blick auf den ersten Markt, der auf der Turnierwiese stattfand, zeigte dies sehr deutlich.

Eine große Zahl von überwiegend privaten Anbietern hatte dort ihre Stände aufgebaut, und die Profis unter den Käufern und Schaulustigen suchten schon ab kurz nach acht in der Frühe die besten Stücke. Wie bei der Suche nach sagenhaften Goldland Eldorado suchte jeder nach dem versteckten Schatz im mehr als reichhaltigen Angebot der Marktbeschicker. Es könnte ja genau das Stück dabei sein, das man schon lange sucht oder noch besser, das man bei der Trödelsendung „Bares für Rares“ von Horst Lichter für gutes Geld an die Händler verkaufen könnte.

Kunst und Kurioses

Vielleicht eignete sich dafür der „original Picasso-Linolschnitt“, den ein Kunstexperte aus Empfingen anbot, oder eine der ersten Schreibmaschinen, eine Mignon von AEG, die ab 1903 auf den Markt kam und die Karl Bauer aus Mühringen gerne loswerden wollte. „Die habe ich von meiner mit 93 Jahren verstorbenen Schwägerin übernommen. Zuvor gehörte sie ihrem Vater, einem Schneider, der damit seine Rechnungen schrieb“, wusste der Mühringer Handwerksmeister zur Historie dieses seltenen Stückes.

Ein paar Meter weiter saß Luas Gunkel, ein echter Amateur-Verkäufer, an seinem bescheidenen Stand. Er hatte liebgewonnene Teile aus seinem Kinderzimmer ausgeräumt, um sie hier in Horb zu Geld zu machen. „Ich möchte mir einen fahrbaren Untersatz zulegen, und dafür brauche ich jeden Cent.“

Ganz vorne, beim Einstieg des Radwegs ins Gelände, hatte Christiane Briegel ihren Stand aufgebaut. „Ich war die Erste und war schon um 6.45 Uhr hier“, verriet sie. „Deshalb stehe ich auch ganz vorne.“ Wer zuerst kam, baute zuerst auf und konnte zudem das krokodilartige Kunstwerk, das beim Bildhauersymposium entstanden war, als Ablagefläche nutzen. „Kunst dient so den Menschen“, so die Assoziation, die sich daraus ergab. Es waren die vielen kleinen Begebenheiten am Rande des Marktes, die dem bunten Treiben sein Flair geben. Der Sohn mit seinem Papa, der mit einem Mikrowellenherd auf den Knien unter den Platanen saß und sich über dieses tolle Gerät, das er für 15 Euro hatte kaufen können, riesig freute. Oder der kleine Junge, der vor dem auf Lego-Spielzeug spezialisierten Stand eines Tuttlinger Ehepaars stand und den Mund vor Staunen nicht mehr zubekam.

Kuriose Begegnungen

Nett auch der grimmig dreinblickende schwarz gekleidete Herr mit dem riesigen glitzernden Teddy unterm Arm, der sich nicht fotografieren lassen wollte. Außer man würde warten, bis er von zuhause sein AfD-T-Shirt geholt hätte, was er dann aber doch nicht machte. Gegensätze ziehen sich also tatsächlich an.

Ursel Nagel, die über den Markt schlenderte, wertete die Wiedergeburt des Flohmarktes als eine sehr gute Sache in einer ansonsten recht übersichtlichen Einkaufsstadt Horb. „Hier ist echt was los – im Gegensatz zur Neckarstraße“, so ihr Eindruck. Und auf der Turnierwiese gab es auch wirklich alles. Vom sakralen Kunstwerk bis zur gebrauchten Pfanne, von Möbeln und einer Orgel bis hin zu Handtaschen, Klamotten, Schmuck, Geschirr, einem alten Schulranzen und einem ebenso alten Rennrad sowie Plüschtieren aller Art. Und falls sich jemand gerade eine neue Kuhherde zugelegt hatte und noch Kuhglocken brauchte, kein Problem, auch das – und noch viel, viel mehr – gab es hier zu kaufen.

Neuer Standort vorteilhaft

Was es noch gab, war ein großes Lob der Standbesitzer zum neuen Veranstaltungsort. Breite Laufwege für die Kunden, gute Zufahrtswege und eine wunderbare Umgebung. Horb hat mit diesem Flohmarkt ein Stück kulturelle Lebensfreude zurückgewonnen, so die einhellige Meinung von Besuchern und Anbietern, die alle hoffen, dass sich der Markt an dieser Stelle etabliert.

Der KreisLetter
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Freudenstadt Montag bis Samstag im kompakten Überblick.