Horb a. N.: Schlatter: nach Brand auf null

Ein fast schon idyllisches Bild, wäre nicht die Brandruine.
HoppHorb - Ralf Schlatter kann wieder lachen. Er wirkt gut gelaunt. Doch wenn man auf den Brand in seinem Dachdeckerbetrieb am 23. Januar diesen Jahres zu sprechen kommt, merkt man, dass ihn dieser Verlust immer noch schmerzt.
Kein Wunder: Über 15 Jahre lang hat er sein Unternehmen aufgebaut. Ein Feuer hat innerhalb weniger Stunden (fast) alles zerstört. In der Altheimer Straße 71 ist nur noch eine Ruine von dem ehemaligen Lager- und Bürogebäude übrig geblieben: "Es macht sich ein schlechtes Gefühl in der Magengegend breit, wenn man vor diesem Trümmerhaufen steht." Untergekommen ist Ralf Schlatter mit seinem Unternehmen im Industriegebiet Heiligenfeld bei der Firma Lohmiller.
Wo er seine Firma wieder aufbauen wird, hängt noch von einigen Faktoren zusammen. Wie sich gestern in einem Gespräch ergeben hat, tendiere die Stadt eher zu einer Auslagerung, so Schlatter. Aber es gelte zuerst mit der Versicherung abzuklären, ob es dafür möglicherweise Fördermittel gibt.
Mittlerweile geht es wieder voran. Auch wenn alles noch ein wenig schleppend läuft. Kein Wunder, die Umgebung ist neu und viele der Werkzeuge sind dem Brand zum Opfer gefallen und müssen nun neu gekauft werden.
Ab heute ist das Büro wieder komplett besetzt. Seit einigen Tagen ist er auch wieder unter seiner angestammten Telefonnummer 07451/16 83 und per E-Mail unter info@schlatter-bedachungen.de erreichbar. Ein Glück für ihn ist, dass er all seine Kundendaten retten konnte.
Nun normalisiert sich alles wieder etwas. Trotzdem: "Etwas ungewohnt", beschreibt Ralf Schlatter die aktuelle Situation. In einem kleineren Raum hat er sein Büro eingerichtet. Computer, Drucker, Möbel – die gesamte Büroausstattung ist neu.
"Die Aufregung sei einfach zu viel gewesen"
Immer wieder klingelt das Telefon. Wiederholt muss er erklären, was vor gut einer Woche passiert ist. Viele der Kunden kämen von außerhalb, so Schlatter, und hätten nicht mitbekommen, dass sein Lager- und Bürogebäude ein Opfer der Flammen geworden ist. So wird er immer wieder daran erinnert. Der Brand hat ihn schwer belastet und machte sich auch körperlich bemerkbar. Am Montag nach dem Brand musste er ins Krankenhaus. Die Aufregung sei einfach zu viel gewesen, erklärt Schlatter.
Zugesetzt haben ihm auch manche Äußerungen nach dem Brand. Noch am Abend hätten einige gesagt, dass er das Gebäude selbst angezündet habe. Er habe doch eh seinen Betrieb verlagern wollen. "Traurig", meint Schlatter zu solchen Aussagen, "irgendwann tut das weh." Es stecke so viel Herz im Betrieb.
Wie ein Gutachter mittlerweile bestätigt hat, ist Brandursache auszuschließen: Ein Heizlüfter ist als Grund ausgemacht.
Einen ersten Vorschuss hat die Versicherung bereits ausgezahlt. Nach und nach kauft Schlatter einige Spezialgeräte nach, sodass der Betrieb in den nächsten Tagen wieder komplett ausgestattet ist. Schon nach dem Brand sei seine Firma leistungsfähig gewesen. Immerhin seien einige Werkzeuge noch in den Fahrzeugen gewesen, die den Brand so überstanden haben. Auch arbeite man mit anderen Firmen zusammen.
"Von heute auf morgen bin ich wieder auf null gewesen", meint Ralf Schlatter rückblickend. Doch den Schmerz über den Verlust kann ihm sein vierjähriger Sohn Leon ein wenig nehmen. Nachdem Leon einen Tag später von dem Brand erfahren habe, habe er seinen Papa in den Arm genommen und mit den Worten getröstet: "Dann packen wir ein paar Ziegel drauf, dann geht das schon wieder."