Horb a. N.
: Rebholz: "Bitte bleiben Sie gesund"

Gynäkologe macht seit 25 Jahren seinen ersten allgemeinen Notdienst und bekennt: "Ich fühle mich unsicher"
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Oberndorf
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Der Gynäkologe Rudolf Rebholz muss heute Abend zum allgemeinen Notdienst antreten, weil er keinen Ersatz gefunden hat. Foto: Hopp

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Von Florian Ganswind

Horb. Ist das das Notdienst-Modell, dass der Kassenärztlichen Vereinigung vorschwebt? Der Horber Gynäkologe Rudolf Rebholz hat keinen Ersatz für seinen allgemeinen Notdienst gefunden und muss nun – mit Unbehagen – selbst ran.

"Ich habe gesucht und gesucht, um jemand anderes zu finden, der meinen Notdienst übernimmt", erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Vergeblich. Rudolf Rebholz muss nun selbst ran: von heute Abend, 18 Uhr, bis Samstagmorgen, 8 Uhr. Von Horb über Nagold bis nach Simmersfeld. Eine Gegend, in der sich Rebholz überhaupt nicht auskennt, wie er selbst berichtet.

"In den vergangenen 25 Jahren habe ich nur gynäkologischen Notdienst gemacht. Und das gerne. Ich fühle mich im allgemeinmedizinischen Bereich unsicher. Das sage ich offen und ehrlich." Deswegen empfiehlt er den potenziellen Patienten ironisch – mit einem bitteren Beigeschmack: "Bitte bleiben Sie lieber gesund."

In der Vergangenheit hatte Rebholz für seine Dienste immer jemanden gefunden. Auch wenn die Suche manchmal länger dauerte. Oftmals übernahm Josef Nagel seinen Dienst, manchmal Kollege Blumenschein aus Empfingen. Oder ein Arzt aus Böblingen sprang ein. Doch dieses Mal funktionieren alle diese Optionen nicht mehr.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung sollte durch die zentralere Notdienstversorgung – beispielsweise mit der Notdienstpraxis in Nagold, die auch für Horb zuständig ist – gewährleistet werden, dass genügend Ärzte Dienst machen können. Das soll durch eine zentrale Online-Plattform erfolgen, in der sich notdienstwillige Ärzte aus ganz Baden-Württemberg, die die nötige Zulassung haben, einklinken können. KV-Sprecher Kai Sonntag hatte vor einigen Monaten im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, dass es einige Ärzte gebe, die besonders interessiert an diesen Diensten seien. Er zählte Beispiele auf wie Mütter, die nur eingeschränkt praktizieren können, oder Bundeswehrärzte, die Zusatzverdienste und Abwechslung suchen.

Auf dieser Plattform bot auch Rebholz seinen aktuellen Dienst an. Doch niemand aus dem Ärzte-Pool biss an. Dann lies er seine Sprechstundenhilfen bei den "üblichen Verdächtigen" anrufen. Aber auch hier blieb die Suche ohne Erfolg.

Nicht jeder Arzt würde sich wie Rebholz wohl so klar bekennen, dass er sich unsicher fühlt, wenn es um allgemeinmedizinische Fragen geht, die eventuell auch über Leben und Tod entscheiden könnten. "Manche Kollegen aus dem Kreis Freudenstadt haben zu mir gesagt, dass ich doch ruhig den Dienst machen und das Geld nehmen soll. Ich bräuchte nur zwei Medikamente: Ibuprofen und ein Antibiotikum. Aber mir geht es nicht um das Geld." Rebholz sagt deutlich: "Ich mache mir Sorgen, dass vor mir ein Patient mit einem Herzinfarkt ist und ich erkenne es nicht richtig." Deswegen werde seine Devise für den Dienst sein, bei jedem kleinen Zweifel den Patienten ins Krankenhaus zu schicken.

Das alte System im Horber Selbstmanagement sei ihm lieber gewesen. Dass durch die zentrale Notdienstpraxis doch nicht immer im Sinne des Patienten ist und es dadurch ausreichend Ärzte für die Notdienste gibt, zeigt nun der "Fall Rebholz".

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