Hochbrücke in Horb
: Plötzlich gerät Höhenretter ins Trudeln

An der Hochbrücke Horb haben Höhenretter und Polizeihubschrauber eine spektakuläre Übung absolviert. Dabei gab es dramatische Szenen. Ein Report.
Von
Jürgen Lück
Oberndorf
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Die Retter sammeln sich am Polizeihubschrauber an der Hochbrücke Horb.

Juergen Lueck

Das war spektakulär und ließ so manchem Zuschauer den Atem stocken: Die Übung zwischen Höhenrettern der Feuerwehr Stuttgart und der Polizeihubschrauberstaffel an der Hochbrücke Horb.

Ein Pilot sagt: „Das ist eine Premiere. Wir haben noch nie an einem Kran geübt. Die Hochbrücke hier in Horb bietet uns deshalb die perfekten Trainingsbedingungen, um auch dieses Szenario in Zukunft besser bewältigen zu können.“

Gegen 10.20 Uhr sammeln sich die Retter am Hubschrauber neben dem ASV-Sportheim. Ein Pilot der Rettungsstaffel zeigt Gesten, ein Höhenretter spiegelt sie. Jochen Dikel, Leiter der Höhenrettung der Berufsfeuerwehr Stuttgart: „Oben können wir uns nur mit Handzeichen verständigen.“

Der Pilot der Polizei checkt beim Briefing die Gesten mit dem Höhenretter der Berufsfeuerwehr Stuttgart.

Foto: Juergen Lueck

Das Briefing ist durch. Dikel checkt den großen Haken für die Seilwinde, ein Kollege ein geflochtenes Seil, und drei Höhenretter packen den Rettungssack.

Dann hebt der Hubschrauber ab. Die ersten Retter werden mitten auf dem Sportplatz in die Luft gezogen. Der Hubschrauber dreht eine große Runde Richtung Mühlen, biegt dann Richtung Hochbrücke ab. Überfliegt sie dort, wo die neuen Schrägseile gespannt sind. Dann nähert er sich dem Kran.

Plötzlich dreht sich der Höhenretter wie ein Propeller

Der erste Höhenretter wird mit dem Rettungssack abgelassen. Plötzlich stockt den Zuschauern der Atem: Der Feuerwehrmann gerät ins Trudeln. Er streckt den Arm raus – vergeblich. Der Höhenretter und der Sack drehen sich immer schneller. Wie ein Propeller.

Dramatischer Moment: Der Höhenretter dreht sich wie ein Propeller durch den Luftstrom – der Rettungssack stellt sich quer zum Kranausleger an der Hochbrücke Horb.

Foto: Juergen Lueck

Jochen Dikel: „Das ist der Downwash in Kombination mit dem Wind. Am Rettungssack gibt es ein Segel, um dem entgegen zu wirken. Aber offenbar nützt das nichts.“ Unter Downwash versteht man den Luftstrom unter den Rotorblättern. Höhenretter Dikel: „Genau deshalb ist dieses gemeinsame Training an der Hochbrücke so wichtig.“

Zwei Höhenretter werden am Hochbrücken-Kran abgelassen

Der Hubschrauber dreht ab. Fliegt die nächste Runde und ist diesmal deutlich tiefer über dem Kranausleger. Und jetzt funktioniert es: Mann und Rettungssack sind deutlich stabiler – und vorsichtig können beide längs in den Kranausleger abgelassen werden.

Dann die nächste Übung. Dikel erklärt: „Jetzt geht es darum, zwei Mann abzulassen. Das Szenario: Einer ist auf dem Kran verletzt, die Kollegen müssen sich gesichert nähern, um ihn anzusprechen und zum Rettungssack zu begleiten.“

Die beiden Höhenretter machen sich lang in der Luft, um den „Propeller-Effekt“ durch den Hubschrauber-Downwash auszugleichen. Der Kollege unten hält sie vom Kran an der Hochbrücke Horb fest.

Foto: Juergen Lueck

Auch hier gibt’s wieder den Propeller-Effekt – doch die beiden Höhenretter schaffen es in Zusammenarbeit mit dem Piloten oben, der die Winde kontrolliert, die Drehung abzubremsen. Schließlich landen sie sicher mit beiden Beiden auf dem Kranausleger.

Windschneise wirbelt Retter durcheinander

Dann werden alle wieder abgeholt und landen. Ein Höhenretter lächelt breit und sagt auf dem Boden: „Da oben war viel Downwash. Dazu gibt es eine Windschneise direkt an der Brücke. Das merkt man schon, wenn man mit dem Hubschrauber reinfliegt.“

Jochen Dikel, Leiter der Höhenrettung der Berufsfeuer Stuttgart, checkt den Riesen-Haken, mit dem er und seine Kollegen an der Hubschrauberwinde befestigt sind.

Foto: Juergen Lueck

Und er sagt noch einen Satz, der klar macht, warum diese Rettungs-Premiere zwischen Polizeihubschrauber-Staffel und Höhenrettern an der Hochbrücke Horb so wichtig ist. Der Höhenretter: „In der Mitte des Kranauslegers ist ein Stahlseil von ganz vorne nach hinten gespannt. Deshalb ist es enorm wichtig, das Ablassen zu trainieren. Fatal, wenn sich Beine oder der Rettungssack im Stahlseil verfangen hätten.“

Ein Pilot am Boden sagt noch: „Wenn die Feuerwehr mit Seilbrücken versuchen würde, jemanden auf dem Kran zu retten, würde es eine Stunde brauchen, ehe die fertig wäre. Wir brauchen dafür fünf Minuten in Kombination mit den Höhenrettern. Deshalb ist das Training in Horb so wichtig.“

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