Gemeinderat Rottenburg: Nun beginnen bald die Rohbauarbeiten

Das Jeckel-Haus wird denkmalgerecht saniert.
Marzell SteinmetzInsgesamt ist das Großprojekt in der Rottenburger Stadtmitte mit 27,759 Millionen Euro veranschlagt. Bei der Sitzung des Gemeinderats am Dienstag sind die Rohbauarbeiten vergeben worden.
Zuvor berichtete Nico Gösele vom Büro Drees&Sommer, zuständig für die Projektsteuerung, über den Stand der Arbeiten. Im November 2024 ist mit dem Abbruch des Gebäudes Marktplatz 10 begonnen worden. Das Grundstück wurde danach eingeebnet, damit es als Zufahrt genutzt werden konnte.
Mit archäologische Funden war zu rechnen. „Wir haben Archäologie betrieben, bevor wir abgebrochen haben“, erklärte Klaus Hildenbrand vom Büro LRO. Die Archäologen sind bei der Öffnung des Baugrunds schnell auf „Römer“ gestoßen. Entdeckt wurden Mauerreste und eine römische Wandbemalung. Das Haupthaus der Römer habe sich hier aber nicht befunden, konnte Hildenbrand schon mal feststellen.
Auch zwei Brunnen wurden gefunden
Gefunden wurden auch zwei Brunnen aus dem 18./19. Jahrhundert, die etwa acht Meter tief waren. Einer davon soll wieder zugeschüttet werden. Die archäologischen Grabungen sind seit März abgeschlossen.
Danach wurden weitere Gebäudeteile abgebrochen. Zudem mussten bestehende Gebäude mit Bohrpfählen und Spritzbetonwänden gesichert werden werden. Das galt besonders für die Scheune an der Oberen Gasse mit Rottenburgs letzter Hauskapelle, die in den dort geplanten Neubau integriert werden soll.
Die Rohbauarbeiten für die neu zu errichtenden Gebäude B (Kreuzgässle 4), C (Obere Gasse 21) und D (Marktplatz 12) sowie die Sanierung des Hauses A (Römischer Kaiser) sind europaweit ausgeschrieben worden. Zwar hatten 20 Firmen die Unterlagen angefordert, doch lagen bei der Submission am 3. Juli überraschenderweise nur vier Angebote vor. Eines davon musste noch ausgeschlossen werden, weil die Unterlagen nicht vollständig waren.
Der Gemeinderat vergibt die Arbeiten
Der Gemeinderat vergab die Rohbauarbeiten an die Firma Jentz & Jentz Bau GmbH aus Reutlingen zu einem Angebotspreis von rund 3,45 Millionen Euro. Im kommenden Jahr werde es deutlich mehr Ausschreibungen geben, kündigte Gösele an.
Moritz Liss (Ja-Fraktion) wies darauf hin, dass die Bauarbeiten an einem sensiblen Punkt in der Altstadt stattfinden. Es seien bereits mehr als sechs bis acht Lastwagen unterwegs. Der Leiter des städtischen Eigenbetriebs Wohnbau Rottenburg, Thomas Weigel, bestätigte, dass es zwischen 25 und 70 Fahrten seien, allerdings mit kleineren Fahrzeugen. Notwendig wird nun aber die Sperrung der Oberen Gasse. Die Materialzufuhr erfolge überwiegend von oben, informierte Weigel. Damit werde es auch Einschränkungen für die Einzelhändler geben, sagte Bürgermeister Hendrik Bednarz.
Das ist geplant
Der städtische Eigenbetrieb Wohnbau Rottenburg
gestaltet das Jeckel-Areal neu. Folgendes ist geplant: Das Jeckel-Haus wird denkmalgerecht saniert und behält somit seinen historischen Charakter. Im Erdgeschoss werden zwei Läden, im Obergeschoss Büros für städtische Betriebe eingerichtet. Ein offener Durchgang verbindet den Marktplatz mit dem Innenhof, der begrünt werden soll.
In der Oberen Gasse 21
wird ein Haus mit drei Wohnungen gebaut. Dort soll auch die historische Hauskapelle, die letzte in Rottenburg, integriert werden. Sie wird ebenfalls denkmalgerecht saniert. Der Neubau am Kreuzgässle bietet vier barrierefreie Wohnungen mit je 80 Quadratmetern. Anstelle des abgebrochenen Hauses Marktplatz 10 entsteht eine Herberge mit zwölf Doppelzimmern, einem Familienzimmer sowie einem Multifunktionsraum. Die Fertigstellung ist dem Terminplan zufolge im Jahr 2028 vorgesehen.