Gala-Abend in Rottenberg
: Bierlinger Mundartdichter ist Finalist

Schwäbisch-Kenntnisse konnten beim Gala-Abend zur Verleihung des Sebastian-Blau-Preises am Samstag in der Rottenburger Zehntscheuer nicht schaden.
Von
Marzell Steinmetz
Oberndorf
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In der Rottenburger Zehntscheuer ist der Sebastian-Blau-Preis verliehen worden. Von links: Moderator Pius Jauch, Bürgermeisterin Annette Schwieren, Luise Besserer, Lore Lichtenberger (Mutter von Suse Lichtenberger), Gabi Weber-Urban, Richard Bareis, Klaus Schmidt, Jürgen Seibold und Wolfgang Wulz, Vorsitzender des Vereins „schwäbische mundart“.

Marzell Steinmetz

Sechs Finalisten stellten dem Publikum ihre preisgekrönten Mundartdichtungen vor – darunter der Bierlinger Richard Bareis. Die Preisverleihung war der Höhepunkt der zwölften Sebastian-Blau-Tage für Mundart in Rottenburg.

Die Jury vergab je drei Preise in den Kategorien Lyrik und Prosa, zusätzlich einen Publikumspreis. 42 Werke waren eingereicht worden.

Suse Lichtenberger eröffnete mit einer Kurzprosa über ihre schwäbische Heimat, die sie wegen ihres Theaterberufs verlassen hat. In der Großstadt hat sie sich eine neue Heimat „gebastelt“. Bei einem Besuch in der Kleinstadt ihrer Eltern trifft sie Herrn Lederle, der ihr einen „Gruß an dahoim“ ausrichtet – da wird ihr bewusst, wie fremd sie geworden ist. Thema der Geschichte: Gehen oder bleiben. Lichtenberger wurde 1975 in Nagold geboren, lebt in Wien und ist Schauspielerin und Kabarettistin.

Ein Kirchenbesucher wird zum Ministrant

Richard Bareis präsentierte seine Ballade „Allgäuer Allerseelentag“. Ein Kirchenbesucher findet sich plötzlich allein mit dem weißhaarigen Pfarrer wieder und wird zum Ministranten. Er erinnert sich an lateinische Gebete wie das „Confiteor“ und betet „mea culpa“. Die Bilder wirken wie ein Film im Kopf, so Laudator Pius Jauch. Bareis, 1975 in Horb geboren, ist Klärwärter in Wachendorf.

Richard Bareis präsentiert sein Gedicht.

Foto: Marzell Steinmetz

Luise Besserer erzählte von einer 14-Jährigen, die nach der Volksschule in einer Textilfabrik arbeitet, nicht aus Wunsch, sondern mangels Alternativen. Sie erträgt die Akkordarbeit, Bibelsprüche und Männerhierarchie sieben Jahre – bis sie sich verweigert und die Schürze vor der Betriebsleitung ablegt. Ein triumphaler Schluss, so die Laudatorin. Besserer, 1940 in Leipzig geboren, lebt in Freiburg, war Redakteurin und Regisseurin.

Klaus Schmidt vermischte Schwäbisches mit Englischem. In seinem Gedicht rühmt er die selbst gemachten Maultaschen seiner Mutter, für die er sich nie bedankt hat. Der Ausdruck „gottzigst“ regte zum Nachdenken an. Schmidt, 1966 in Hayingen geboren, arbeitet in der Informationsbranche und gibt Literatur- und Zen-Kurse.

Gabi Weber-Urban fand während der Corona-Zeit Feldpostbriefe ihres in Russland gefallenen Großvaters. So lernte sie ihn aus anderer Perspektive kennen – nicht nur als Figur in Familienerzählungen. Der Krieg, so wird ihr klar, zerstörte das Familienglück. Weber-Urban stammt aus Gäufelden und war Lehrerin sowie Schulleiterin.

Jürgen Seibold thematisierte in seinem Gedicht „Dahoim“ die Bedeutung von Heimat – als Ort, Gefühl oder Bindung. Doch Heimat könne auch zerbrechen: „So einfach ist’s versaut.“ Damit zeigt er, wie schnell Nähe in Zerstörung umschlagen kann. Seibold, 1960 in Stuttgart geboren, lebt im Rems-Murr-Kreis, war Journalist und Buchautor.

Und das sind die Sebastian-Blau-Preisträger

In der Kategorie Prosa gewann Luise Besserer vor Suse Lichtenberger und Gabi Weber-Urban. Bei der Lyrik erhielt Jürgen Seibold den ersten Preis, Richard Bareis und Klaus Schmidt belegten die Plätze zwei und drei. Schmidt gewann zudem den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis. Die Hauptpreise waren mit je 2500 Euro, die weiteren mit 1500 und 1000 Euro dotiert.

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