Gärtnern als Lifestyle-Trend: Erster Saatgutmarkt in Betra im März

Die Schlangengurke in der Blüte.
sgmNun soll auch Betra erstmals um Treffpunkt für Liebhaber historischer Sorten von Gemüse, Kräutern und Blumen werden. Der 1. Saatgutmarkt, am Sonntag, 8. März, soll in der Hohenzollernhalle in Betra eine einzigartige Gelegenheit bieten, um selbstvermehrte, vielfältige und „samenfeste“ Sorten seltener Nutzpflanzen zu erwerben.
Als Veranstalter und Organisatoren zeigen sich Harald und Theresia Zimmermann, der Obst- und Gartenbauverein Betra, Bürgerverein „Zusammenhalt“ Betra und der Verein „Genbänkle“ aus dem Raum Tübingen verantwortlich.
Längst setzen nicht nur die industriellen Anbieter vermehrt auf samenfestes Saatgut und historische Sorten. In einer Welt, die zunehmend auf genetisch uniformes Hybrid-Saatgut setzt, bewahren samenfeste Sorten die landwirtschaftliche Unabhängigkeit und Vielfalt. Im Gegensatz zu Einweg-Saatgut lässt sich samenfestes Saatgut Jahr für Jahr wieder aussäen, ohne ihre charakteristischen Eigenschaften oder ihre Widerstandskraft zu verlieren. Genau dies macht samenfeste Sorten auch für passionierte Hobbygärtner attraktiv.
Verdrängung der Sortenvielfalt entgegenwirken

Dank samenfestem Saatgut können auch Sorten wie die Ananas-Tomate oder hier im Bild die Ochsenherz-Tomate an die Klimabedingungen hierzulande gewöhnt werden.
Foto: sgmZiel dieser Veranstaltung sei es, der Verdrängung der Sortenvielfalt entgegen zu wirken und sich aktiv für eine größere Vielfalt einzusetzen. Angesichts der Tatsache, dass heute nur wenige Konzerne das Saatgutangebot dominieren und 75 bis 90 Prozent der Kulturpflanzenvielfalt als verloren gelten, sei der aktive Anbau von unter anderem seltenen Gemüsesorten von großer Bedeutung, konstatiert Harald Zimmermann im Rahmen eines Pressegesprächs.
Seit knapp über 20 Jahren stellt er bereits sein eigenes Saatgut her und vertreibt dieses seit zehn Jahren zusammen mit seiner Frau Theresia. Mit dem „1. Betraer Saatgutmarkt wollen wir die Lücke in dieser Region schließen“, so Zimmermann. Alle Sorten im Angebot sollen samenfest fest und für Hobbygärnter anbau- und vermehrungsfähig sein. Tipps können Interessierte auch direkt vor Ort einholen. Durch die eigene Saatgutgewinnung sei der Anbau auch in der nächsten Saison möglich und sinnvoll. So seien samenfeste Sorten außerdem in der Lage, sich auch an die Umgebung anzupassen und können quasi abgehärtet und kultiviert werden.

Die Zuckererbse in der Blüte.
Foto: sgm„Der Samen ist ein Lebewesen, das über seine Genetik dazu lernt“, erklärt Zimmermann. Er habe die Tomatensorte Ochsenherz mit Saatgut aus dem Raum Emmendingen in seinem Garten kultiviert. Wichtig ist hierbei auch die Geduld des Gärtners. Mit der ersten Ernte war Zimmermann nämlich noch nicht ganz zufrieden, da knapp die Hälfte der Pflanzen im ersten Jahr nicht mit dem Klima unserer Region klarkamen. „Im dritten Jahr waren die Ernte dann absolut Top“, erinnert sich Zimmermann.
Knapp 20 verschiedene Anbieter, Stände und Experten sollen den Saatgutmarkt im März bereichern. Diese seien Experten in Bezug auf ihre Sorten und kennen neben den gärtnerischen auch die kulinarischen Vorzüge, die letztlich jeden Feinschmecker überzeugen. „Wenn du deine Sorten kennst, dann weißt du auch was schmeckt“, schmunzelt Zimmermann.
Vielfalt, Garten und Selbstversorgung
Mit dabei sind Saatgutvermehrer aus ganz Südwestdeutschland. Von der Freiburger Gegend bis Heidelberg und über Stuttgart bis ins Taubertal. Ergänzt wird das Saatgut-Sortiment von Ständen, die zu den Themen Vielfalt, Garten und Selbstversorgung passen, wie beispielsweise Gartengeräte, Korbwaren und Honig. Auch Informationsstände über Kräuterpädagogik und Permakultur sind aufgebaut.
Das gehört ebenfalls zum Angebot
Des Weiteren bieten Baum- und Fachwarte
aus dem Kreis Calw an einem Stand heimische Obst-Edelreiser an. Auch die Bio-Gärtnerei Ingrid Wagner aus Geislingen-Binsdorf ist mit einem Stand vertreten, die sich dem Thema „Stauden und Kräuter in Töpfen“ widmen.
Um für die Besucherinnen und Besucher
den Aufenthalt beim Saatgutmarkt so angenehm wie möglich zu gestalten, ist für das leibliche Wohl gesorgt. Es gibt Getränke und warmes Essen, sowie Kaffee und Kuchen. Der Eintritt für die Veranstaltung ist frei.
Über den Link
„https://zusammenhalt-betra.de/allgemein/betraer-saatgutmarkt/“ gelangen Interessierte zu einer Liste mit allen Anbietern, Ausstellern, Experten und Vorträgen beim „1. Betraer Saatgutmarkt“, am Sonntag, 8. März 2026.