Feuerwehr Weitingen feiert
: Wenn das Holzhäuschen einfach nicht brennen will

Das Fest zum 160-jährigen Bestehen der Weitinger Feuerwehr lockte hunderte Besucher an. Eeine historische Schauübung zeigte, wie früher gelöscht wurde.
Von
(stb)
Oberndorf
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Wasser Marsch bei der historischen Löschübung - die Feuerwehrleute und die Zuschauer hatten ihren Spaß dabei.

Andreas Straub

Es wollte einfach nicht brennen. Das eigens auf der Wiese aufgestellte Holzhäuschen zündeten Feuerwehrleute für eine Schauübung am Sonntag an, doch bis die Flammen loderten, dauerte es.

Sie gaben Papier und Pappe hinzu und gossen Benzin darüber. Es wollte nicht brennen. War das Holz zu nass? „Die Feuerwehr hat eben mehr Übung im Löschen“, sagte einer der vielen Zuschauer scherzhaft. Anlässlich ihres 160-jährigen Jubiläums stiegen die Weitinger Feuerwehrleute in frühere Uniformen und setzten die silber-messingfarbenen Helme auf.

Als das Häuschen mit gut 20 Minuten Verspätung schließlich doch brannte, blies einer der am Bierstand wartenden Feuerwehrleute ins Horn. Ein Traktor zog die historische Spritze aus dem Jahr 1886. „Damals haben das Pferde gemacht“, erklärte der frühere Kommandant Albrecht Teufel. Er moderierte das Geschehen fürs Publikum und gab Einblicke ins Löschwesen vergangener Tage.

Feuerwehrleute rannten mit sichtlichem Spaß

Die Feuerwehrleute rannten mit sichtlichem Spaß rings um die Spritze auf das brennende Häuschen zu. „Das Gerät ist sehr gut erhalten“, sagte Teufel. Es sei nie grundlegend historisch aufgearbeitet, sondern vielmehr immer pfleglich behandelt worden. „Dadurch war die Spritze praktisch immer einsatzbereit“, sagte Teufel. Insbesondere die Druckbehälter seien gut erhalten.

Von Hand musste zunächst mit Eimern die Pumpe befüllt werden.

Foto: Andreas Straub

Das Bemühen, Feuer zu entdecken, einzudämmen und zu löschen, gehört zu den ältesten Aufgaben menschlicher Gemeinschaften und hat sich über Jahrtausende als Mischung aus improvisierter Nachbarschaftshilfe, technischer Innovation und staatlicher Organisation entwickelt.

Schon in der Antike waren organisiertes Beobachten der Stadt und gezielte Löschaktionen bekannt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit dominierte lange Zeit das Prinzip der Selbsthilfe: Wenn ein Ruf „Feuer!“ ertönte, formierten sich Nachbarinnen und Nachbarn zu Eimerketten, junge Männer rannten zu Brunnen oder Flüssen, und einfache Handpumpen oder „Handtuben“ wurden eingesetzt, wo sie vorhanden waren. „Jeder war automatisch dabei“, sagte Teufel.

Das 18. und vor allem das 19. Jahrhundert brachten dann eine technische und organisatorische Wende: Verbesserte Handfeuerspritzen, gezogene Pumpwagen, flexible Schläuche und die Verbreitung von Hydranten erhöhten die Schlagkraft der Löschtrupps. „Früher gab es in unserer Gegend viel mehr Brunnen, deren Wasser oft auch zum Feuerlöschen verwendet wurde“, sagte Teufel.

Ein Quantensprung war die Einführung dampfgetriebener Feuerspritzen — frühe „Steamers“, etwa von John Braithwaite, enthielten Kessel und Pumpwerke auf Rädern und konnten in Städten deutlich höhere Fördermengen liefern.

Bei der Schauübung war Handarbeit gefragt

In Weitingen bei der Schauübung war hingegen noch Handarbeit gefragt. In losen Eimern und in Behältnissen auf dem Rückenschafften die Feuerwehrleute da Wasser zur Pumpe. Dort mussten ihre Kollegen ordentlich Muskelkraft einsetzen, um Druck aufzubauen. „Schneller, schneller“, riefen die beiden vorne mit der Spritze in der Hand. Mit Erfolg: Brand gelöscht. Nur die Spuren auf der Wiese ringsum werden wohl noch einige Zeit zu sehen sein.

Großes Jubiläumsfest zum 160-jährigen Bestehen

In Deutschland
hat sich die Feuerwehrtradition stark institutionalisiert: Ab dem 19. Jahrhundert gründeten Städte und Gemeinden organisierte Wehren.

So auch in Weitingen
, die in diesem Jahr ihr 160-jähriges Bestehen feierte. Inzwischen werde die Feuerwehr immer professioneller, erklärte Albrecht Teufel. Das wurde auch an den im vorderen Bereich aufgestellten, modernen Fahrzeugen ersichtlich.

Die heutige Brandbekämpfung
ist weit mehr als nur das Löschen von Flammen: Prävention, Bau- und Brandschutzvorschriften, Alarm- und Evakuierungsplanung sowie der Umgang mit speziellen Gefahren (chemische Stoffe, Brände in Hochhäusern, Vegetationsbrände) prägen das Berufsbild der Feuerwehrleute. Während in ländlichen Regionen das Ehrenamt noch wichtig ist, setzen Städte immer mehr auf Berufsfeuerwehren.

Weitingen feierte am Sonntag
mit einem großen Fest das Jubiläum: Seit 160 Jahren steht die Freiwillige Feuerwehr unter dem Leitspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ im Dienst der Allgemeinheit. Rund um das Feuerwehrhaus in der Jahnstraße wurde das bei angenehmen Temperaturen mit zahlreichen Gästen würdig begangen.

Das Programm
bot für Groß und Klein abwechslungsreiche Unterhaltung. Neben einer Fahrzeugausstellung und Fahrten mit dem Feuerwehrauto für Kinder lockten Hüpfburg und Spielplatz die jüngsten Besucher an. Für das leibliche Wohl war gut gesorgt. Kühle Getränke und herzhafte Speisen waren sowohl auf den Bierbänken draußen wie auch in der Halle innen gefragt. Kinder verkauften Waffeln zum Nachtisch.

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