Feuerwehr im Kreis Tübingen: Stets im Wettlauf mit der Stoppuhr

Die ausgezeichneten Helfer beim Leistungsabzeichen.
StraubUnter den Augen von jeweils sechs Schiedsrichtern absolvierten die Gruppen Löschangriffe und technische Hilfeleistungen – stets im Wettlauf mit der Stoppuhr. „Wer beim Anlegen der Atemschutzgeräte zu langsam ist, kann gleich wieder aufhören“, machte Kreisbrandmeister Sebastian Raudszus deutlich.
Elf Gruppen traten in der Kategorie Bronze an, zehn in Silber und zwölf in Gold. Letztere mussten bereits am Freitag eine zusätzliche Theorieprüfung ablegen – alle bestanden. Die Vorbereitungen liefen vielerorts seit Monaten, denn jeder Handgriff musste sitzen. „Jeder Feuerwehrangehörige muss jede Aufgabe übernehmen können“, betonte Raudszus. Lediglich Gruppenführer und Maschinisten standen fest, die übrigen Positionen wurden vorab ausgelost.
Bronze, Silber, Gold – wachsende Anforderungen
Die Bronze-Stufe bildet den Einstieg: simulierte Löschangriffe mit Wasserentnahme aus einem Hydranten, Vornahme von Strahlrohren, Verkehrsabsicherung sowie die Rettung von Personen über Leitern. In Remmingsheim diente ein Gerüst als Wohngebäude-Attrappe, aus der zunächst ein Mensch gerettet und anschließend ein Schaumangriff gestartet werden musste.

Die Feuerwehr Gomaringen bei der Prüfung im Löschangriff.
Foto: StraubIn Silber kommen weitere Aufgaben hinzu: technische Hilfeleistung, Absicherung einer Unfallstelle, Retten einer eingeklemmten Person sowie der Umgang mit Geräten wie Spreizer und Schere. Auch Beleuchtung musste aufgebaut werden, um die angenommene Nachtsituation zu meistern. Zusätzlich mussten die Gruppen mehrere Knoten zeigen.
Das Leistungsabzeichen in Gold stellt die höchsten Anforderungen: engere Zeitvorgaben und komplexere Abläufe. „Rennen ist nicht erlaubt – die Gefahr von Stürzen ist zu hoch“, so Raudszus. Ziel sei eine reibungslose und sichere Einsatzabwicklung unter möglichst realistischen Bedingungen.
Tradition mit Ausbildungswert
Das Leistungsabzeichen gilt in Baden-Württemberg als wichtiger Bestandteil der Feuerwehr-Ausbildungskultur. Es fördere regelmäßige Übung, Teamgeist und erhöhe die Einsatzqualität, sagte Raudszus. Zudem werde es oft als Zusatzqualifikation im öffentlichen Dienst anerkannt.

Öschinger Feuerwehrleute bei der Prüfung in technischer Hilfeleistung.
Foto: StraubDie Prüfungen lockten zahlreiche Schaulustige an, die den Feuerwehrleuten von Bierbänken vor der Halle aus zusahen und applaudierten. Zwei Gastmannschaften aus Gerlingen und Herrenberg-Haslach nutzten die Gelegenheit, weil sie im eigenen Landkreis terminlich verhindert waren.
Einsatzhelfer für Hochwasser ausgezeichnet
Im Rahmen der Veranstaltung ehrte Landrat Joachim Walter 18 Feuerwehrangehörige aus dem Kreis Tübingen, die im vergangenen Jahr mit den Wehren Mössingen und Bodelshausen beim Hochwasser in Bad Waldsee im Einsatz waren. Für mindestens 24 Stunden geleistete Hilfe erhielten sie die Bevölkerungsschutz-Einsatzmedaille „Unwetter 2024“, verliehen vom Innenminister des Landes Baden-Württemberg. Rund 300 Feuerwehrleute verfolgten die Ehrung in der Stäblehalle.
Feierliche Übergabe und spontane „Duschen“
Am Abend nahm Landrat Walter auch die feierliche Übergabe der Leistungsabzeichen vor. Schon zuvor gratulierten die Teams ihren erfolgreich geprüften Truppführern auf ihre eigene Weise: mal mit einer Wasser-, mal mit einer Bierdusche. „Was die Feuerwehrleute hier leisten, ist alles freiwillig – und dient dem Schutz der Bevölkerung wie auch ihrem eigenen“, würdigte Kreisbrandmeister Raudszus das Engagement.