Eutingen: Zwischen Politik, Glaube und Bauwagen

Sebastian Lazar ist sich sicher: Jeder Tag bringt ein neues Abenteuer mit sich.
Schwarzwälder-BoteVon Benjamin Breitmaier Eutingen. Gestatten: Sebastian Lazar: Politikstudent und Mitarbeiter des Landtagsabgeordneten Timm Kern. Auch wenn er in Eutingen schon viel bewegt hat, liegen seine Wurzeln im Nahen Osten.Die Welt im Umbruch, eine Generation geht auf die Straße, um ihre Rechte zu fordern. Türkei, Ägypten, Brasilien, Griechenland, Portugal, Spanien – überall wird gegen Missstände protestiert. Doch auch hier, in einem Flecken heile Welt wie Baden-Württemberg, gibt es viel zu tun, gibt es genug Ecken zum Anpacken.
Sebastian Lazar aus Eutingen ist ein Mensch, der anpackt. Sehr genau beobachtet er das Geschehen in der Welt, diskutiert, mischt sich ein, ohne den Blick für seine Heimat zu verlieren.
Lebensmotto von Mahatma Gandhi
Sein Lebensmotto folgt einem Zitat Mahatma Gandhis: "Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst."
Der 21-jährige Student der Politikwissenschaften arbeitet derzeit als Mitarbeiter für den Landtagsabgeordneten Timm Kern, hilft bei der Pressearbeit aus. Außerdem engagiert er sich im Bund der Deutschen Katholischen Jugend als Dekanatsleiter.
Das Unrecht, das in der Katholischen Kirche geschehen ist, macht ihn besonders betroffen: "Während die Kirche mit sich selbst beschäftigt ist, verliert sie die Menschen aus dem Blick. Dabei ist ihre wichtigste Aufgabe die Seelsorge. Das macht mich wütend". So schrieb er schon einige Briefe an Bischof Gebhard Fürst, der ihm prompt antwortete und ihn zum Gespräch einlud. Lazar schätzt den Geistlichen heute als Aufrichtigen Christen und wahren Bruder im Glauben.
Politik und Religion: Zwei Eckpfeiler in Lazars Leben. Der Glaube liefert die Grundwerte: "Der Glaube an Jesus kann keine spirituelle Begleitmusik sein, sondern muss sich im täglichen Leben beweisen – und die Werte vorgeben, für die man einsteht." Die Politik kann für ihn einige dieser Werte umsetzen: "Sie betrifft einfach jeden von uns. Leider vergessen das so manche Politiker mit CDU-Parteibuch, wenn sie gerade dabei sind, Waffen zu verschiffen."
Sein Interesse am Weltgeschehen liegt auch in der Geschichte seiner Familie begründet: Sein Vater Patrus kam im Jahr 1976 aus einem kleinen Dorf mit christlicher Minderheit im Nordirak nach Eutingen. Er wollte dem Regime der Baath-Partei mit ihrem Führer Saddam Hussein entkommen. Der Kontakt zur Heimat riss aber nie ganz ab, noch heute leben Verwandte der Familie in Daudiya. Auf seine Herkunft ist Lazar stolz: "Der Irak ist eines der kulturell reichsten Länder der Erde. Mein Vater spricht aramäisch, die Sprache Jesu." Auf seinen Vater ist er auch deshalb stolz, weil dieser es mit seiner Mutter Gertrud geschafft hat, sich ein zweites Leben aufzubauen, ihrer Familie alles zu geben, was sie braucht.
Ein prägendes Ereignis für den Eutinger war der 11. September 2001. Als Neunjähriger konnte er noch nicht wirklich realisieren, was da gerade mit Amerika passierte. Dennoch war der Terroranschlag für ihn Anlass, sich schon in jungen Jahren mit den epochalen Folgen dieses Ereignisses zu befassen. Der von George W. Bush angefangene Irakkrieg gegen das Völkerrecht, ohne UN-Mandat, hat ihn wütend gemacht. Diese Neugier und Wut führten schließlich auch zu einem Studium der Politikwissenschaften an der Eberhard Karls Universität in Tübingen.
Angepackt wird aber noch in Eutingen: "Wenn man fünf Leute hat, die sich verstehen, kann man die Welt bewegen". Vor fünf Jahren: Um die 20 Jungs beginnen in Eutingen einen Treffpunkt aufzubauen. Seither hat die "Bauwagencrew" schon vieles erlebt, wie den Besuch im KZ Dachau oder ein gemeinsamer Bulgarien-Urlaub – dafür mussten zahlreiche Feiern ins Land gehen, wobei die jährliche Christmas Party mittlerweile echten Kultstatus besitzt.
Ein Teil des Geldes fließt in die eigene kleine Männeroase: Neben dem Recyclingcenter in Eutingen stehen ein paar Bauwagen, keine große Sache an sich. Erst wenn man das Innere betritt, erschließt sich dem Besucher ein beeindruckender Anblick: Was von außen als eher unscheinbare Ansammlung ausgemusterter Container anmutet, ist von innen ein vollausgestattetes Feierzentrum – komplett in Eigenregie gebaut.
Flachbildschirme, Laserlichtanlage, schwere Geschütze beim Soundsystem. Für die 45 Quadratmeter Partyraum wurden kurzerhand drei alte Bauwagen zusammengeschweißt und ausgekleidet – 200 Stunden Handwerk.
Was bringt die Zukunft? Gute Frage, auch für Sebastian Lazar. Zuerst heißt es Erfahrungen sammeln und die Herausforderungen auf sich zukommen zu lassen. "Wieso soll ich mich heute mit Gedanken an den Beruf beschäftigen, wo doch jeder Tag neue Abenteuer mit sich bringt".