Entsetzen in Rottenburg
: Rassismus gegen Zweijährigen löst viele Reaktionen aus

Nach dem rassistischen Vorfall gegenüber einem Zweijährigen warnt der Integrationsbeirat vor Vorurteilen und Hass gegen ganze Bevölkerungsgruppen. Auch Leser äußern sich.
Von
Daniel Begemann
Oberndorf
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Ein Schild mit der Aufschrift „Nein zu Rassismus“ ist auf einer Kundgebung zu sehen. Nach einem Vorfall in Rottenburg meldet sich unter anderem der Integrationsbeirat der Stadt zu Wort. (Symbolfoto)

Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Einen „schwarzen Teufel“ soll eine Frau ein zweijähriges Kind auf einem Supermarktparkplatz in Rottenburg genannt haben. Über den Vorfall, der sich am 12. Mai ereignet hat, berichtete die 31-jährige deutsche Mutter des Jungen, dessen Vater aus Nigeria stammt. Die Polizei ermittelt zum Ablauf des Vorfalls. Jetzt meldet sich auch der Integrationsbeirat Rottenburg mit einer Stellungnahme zu Wort. „Der Vorstand des Integrationsbeirats kann die Sorgen und Gefühle der Mutter des Kindes nachvollziehen, da viele Menschen ähnliche Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung erleben“, schreibt Pietro Scalera, Vorstand des Integrationsbeirats.

Er erinnert daran, dass man am vergangenen Samstag den Tag des Grundgesetzes sowie den Tag des Ehrenamts feierte. „Beide Tage stehen für Werte wie Respekt, Menschenwürde, Demokratie und den Einsatz füreinander.“ Der Vorfall in Rottenburg zeige, wie wichtig diese Werte auch im Alltag sind.

Derartige Vorfälle seien keine Einzelfälle. „Viele Menschen erleben im Alltag immer wieder Ausgrenzung, Vorurteile oder diskriminierende Bemerkungen – sei es aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihrer Religion, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung. Oft geschieht dies durch abwertende Kommentare, respektloses Verhalten oder Benachteiligungen im Alltag“, schreibt Scalera.

Der Integrationsbeirat stehe regelmäßig im Austausch mit Betroffenen und höre immer wieder von ähnlichen Erfahrungen. „Eltern berichten, dass sie und ihre Kinder bereits in jungen Jahren beleidigt oder ausgegrenzt werden. Andere erzählen von Problemen bei der Wohnungs- oder Jobsuche oder von diskriminierenden Situationen im öffentlichen Raum. Viele Betroffene sprechen aus Angst oder Enttäuschung nicht darüber. Genau deshalb ist es wichtig, solche Vorfälle ernst zu nehmen und sichtbar zu machen“, heißt es in dem Statement.

„Diskriminierung wird sichtbarer“

Der Vorstand des Integrationsbeirats beobachte mit Sorge, dass diskriminierende und menschenfeindliche Äußerungen zunehmend sichtbarer würden. Einzelne Straftaten oder negative Ereignisse, die große mediale Aufmerksamkeit erhalten, würden häufig auf ganze Gruppen übertragen. Dadurch entstünden Vorurteile und pauschale Verurteilungen gegenüber Menschen, die selbst nichts mit solchen Taten zu tun haben.

Scalera sagt: „Auch uns beschäftigen Straftaten und negative Vorfälle, die in den Medien große Aufmerksamkeit erhalten. Wichtig ist jedoch, dass wir differenzieren und nicht ganze Gruppen pauschal verurteilen. Straftaten werden von einzelnen Personen begangen und dürfen nicht auf alle Menschen mit Migrationsgeschichte übertragen werden. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Negative Erfahrungen oder öffentliche Debatten dürfen nicht dazu führen, dass Hass, Beleidigungen oder Vorurteile gegenüber ganzen Gruppen entstehen.“

„Sorgen in der Gesellschaft ernst nehmen“

Daniel Setzler aus dem Vorstand ergänzt: „Es ist wichtig, die Sorgen und Diskussionen in der Gesellschaft ernst zu nehmen. Gleichzeitig dürfen schwierige Debatten oder einzelne negative Erfahrungen nicht dazu führen, dass Menschen beleidigt oder pauschal verurteilt werden. Auch wir als Menschen mit Migrationsgeschichte wollen, dass Straftaten konsequent verfolgt und bestraft werden. Entscheidend ist jedoch, zwischen einzelnen Tätern und der großen Mehrheit der Menschen zu unterscheiden, die friedlich und respektvoll zusammenleben wollen.“

Der Vorstand des Integrationsbeirats stellt klar, dass Straftaten unabhängig von Herkunft, Religion oder Geschlecht konsequent verfolgt werden müssten. Der aktuelle Vorfall zeige erneut, wie wichtig gegenseitiger Respekt, Zivilcourage und ein klares Zeichen gegen jede Form von Diskriminierung seien. Gleichzeitig weist der Vorstand darauf hin, dass die Ermittlungen der Polizei weiterhin andauern und die rechtliche Bewertung den zuständigen Behörden obliege.

Leser reagieren

Die Berichterstattung über den Vorfall hat Leserreaktionen ausgelöst. Ein Leser schreibt: „Wie kann sowas nur passieren? Da ist man ja schockiert… Die Deutschen sind einfach schreckliche Menschen!“ Ein weiterer Leser meint: „Das ist so typisch deutsch, das findet man höchstens sonst noch in bestimmten Gegenden der USA.“ Eine weitere Leserin äußert sich ebenfalls schockiert. Sie sagt gegenüber unserem Autor: „Keine Worte dazu.“

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