Empfinger in Ungarn: Brauchtum verbindet Länder und Menschen

Die Trachtengruppe Empfingen mit ihrer befreundeten Folkloregruppe aus dem ungarischen Miske und Drágszél.
Kristóf CsárVor zwei Wochen gingen 27 schwäbische Musiker und Trachtler der Empfinger Kulturgemeinschaft der Einladung nach, beim Dorffest ihrer ungarischen Folklorefreunde in Miske musikalisch und tänzerisch mitzuwirken.
In Miske angekommen, warteten die Gastgeber bereits im Kultursaal auf die ausländischen Freunde. Dem obligatorischen Pálinka (Schnaps) zur Begrüßung konnte kaum jemand entgehen. Einmal mehr schien der Begriff „Egészsegre“ (Prosit) zum beflügelten Wort während des ganzen Aufenthalts in Ungarn zu werden.
Herzliche Umarmungen – Küsschen links, Küsschen rechts – Freude pur über das Wiedersehen. Nach kurzen Begrüßungsworten und organisatorischen Informationen ging es bereits zu den Gastfamilien, wobei der größte Teil immer bei denselben Gastgebern untergebracht ist und man sich daher schon bestens kennt.
Rückblick aufs erste Jahr
Die Mitglieder der Folkloregruppe kommen aus Miske und dem kleineren Nachbarort Drágszél. Im Gemeindesaal von Drágszél hatte der dortige Bürgermeister Gábor Pandur zusammen mit vielen Helfern ein Abendbuffet vorbereitet. Pándur, ein Mann der ersten Stunde und seit 1985 ununterbrochen bei sämtlichen Treffen mit dabei, hob in seiner Begrüßung rückblickend hervor, wie sich die Freundschaft immer tiefer entwickelt hat.

Für die Empfinger Gäste gab es ein besonderes Geschenk: Tempo-40-Design für die Jahreszahl 40.
Foto: Kristóf CsárWeiter schilderte er die Eindrücke von der ersten Reise nach Empfingen im Jahr 1985 – für die meisten die erste Reise in ein westliches Land. „Unsere damaligen Leiter zweifelten sogar daran, ob sich überhaupt Freundschaften entwickeln können. Aber wir haben das Gegenteil bewiesen! Zuerst hat unsere Generation Freundschaften geschlossen, später die unserer Kinder. Unser Ziel ist, dass unsere Enkelkinder diesem Beispiel folgen!“

Ein besonderer Moment war der Festumzug.
Foto: Kristóf CsárDie offizielle Jubiläumsfeier am Folgeabend organisierten die Gastgeber aus Miske in Form eines großen Grillfestes. Fabian Walter und Sven Warnke, die Hauptorganisatoren dieser Ungarnfahrt, unterstrichen nochmals die gewachsene Freundschaft, die mittlerweile in den einzelnen Familien tief verankert ist und bereits der dritten Generation vorgelebt wird.

Die Empfinger bei ihrem Gastauftritt
Foto: Kristóf CsárEine besondere Feuertonne
Als Jubiläumsgeschenk brachten die Schwaben eine Feuertonne mit, in die ein ungarisches Trachtenpaar und symbolisch für die Trachtenkapelle eine Trompete eingraviert war. Csaba Serfözö, der Bürgermeister aus Miske und der Leiter der Tanzgruppe János Prohászka, überreichten der Gruppe eine Tafel in Form eines Tempo-40–Verkehrsschildes mit einer entsprechenden Erinnerungsgravur, die im Empfinger Zunftheim einen Ehrenplatz bekommen soll.
Eine ganz besondere Überraschung war die große Jubiläumstorte mit brennenden Tortenfahnen, die nicht nur ein optisches Highlight war, sondern später auch ein toller Genuss für alle. Jeder Festabend endete mit den typisch ungarischen temperamentvollen Rundtänzen, bei denen jeder zum Mitmachen aufgefordert war.

Mit großer Freude wurde die Jubiläumstorte angeschnitten.
Foto: Kristóf CsárGroßes Besuchsprogramm
Es stand noch vieles andere auf dem Programm: So erfuhren die Gäste mehr über die Kunst des Spitzenhäkelns, besuchten den Reiterhof Király in Jánoshalma, wo es eine Weinprobe gab, und unternahmen eine Bootsfahrt.
Dorffest als Höhepunkt
Am Samstagabend war das Dorffest von Miske angesagt. Die Trachtenkapelle und die Fokloregruppe Miske/Drágszél formierten sich zu einem kleinen Umzug und marschierten gemeinsam unter den Klängen des Edelweiß-Marsches in das Festgelände, rhythmisch begleitet vom Klatschen der Festbesucher. Den Empfinger Musikern unter der Leitung von Michael Gunkel wurde die ehrenvolle Aufgabe zuteil, den Festabend mit den beiden Nationalhymnen zu eröffnen.