Diskussionsthema in Horb
: Schutz vor Manipulationen aus dem Netz

Das „Horber Bündnis für Demokratie – aktiv gegen rechts“ informierte in einem Vortrag über das Thema „Fake News“: Gefälschte, aber oft täuschend echt aussehende Texte und Bilder im Internet. Es gab auch Tipps, wie man sich davor schützen kann.
Von
red/pm
Oberndorf
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Eine von mehreren Organisationen, die gegen Desinformation kämpft, ist die „Climate action against disinformation“.

Schülke

Nicht erst seit dem Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) sind „Fake News“ in Wort und Bild ein Thema. Doch mit KI wird alles noch viel brisanter.

Mit einem ernsten aber auch launigen Vortrag zeigten Michael Jacob und Michael Ertel den gut 20 Besuchern im Horber Marmorwerk auf, wie teilweise durch KI und sogenannte Content-Farmen Inhalte im Netz erstellt und massiv verbreitet werden, um Menschen zu manipulieren und wie man sich davor schützen kann.

Unter dem Titel „Krieg der Bilder – Politische Propaganda und mediale Manipulation“ gaben sie zunächst einen kurzen geschichtlichen Abriss, bevor Michael Ertel mittels des Bildes von Elefant und Reiter aus der Psychologie eindrücklich veranschaulichte, dass 95 Prozent der menschlichen Entscheidungen unbewusst getroffen werden.

Blick in die Geschichte

Folgerichtig beschrieb Edward Bernays (ein Neffe Sigmund Freuds) bereits 1928 in seinem Buch „Propaganda“, wie Erkenntnisse aus der Psychologie eingesetzt werden können, um gezielt das Unterbewusstsein der Menschen zu manipulieren, statt mit bloßer Werbung beispielsweise auf ein Produkt hinzuweisen oder Zustimmung für eine politische Maßnahme zu erhalten.

Die Methoden, die dabei benutzt werden, zielen auf die Emotionen der Menschen ab: sie schüren Ängste und Neid, erzeugen Rachegefühle, stacheln das eigene Ego auf und zerstören nicht zuletzt auch das Vertrauen in die etablierten Institutionen – eine Vorgehensweise, die bis heute nicht nur unter Verschwörungstheoretikern aktuell ist.

Die Ebene der Emotionen

Ertel verwies dabei auf Beispiele aus der aktuellen Berichterstattung, die mittels Aufmachung und Sprache genau der „Gebrauchsanleitung“ aus Bernays Buch folgen. Sein Tipp für den Umgang mit solch propagandistischen Nachrichten ist es, sich der emotionalen Wirkung der Nachricht bewusst zu werden, um im Anschluss zu entscheiden, ob das zugrundeliegende Sachthema es überhaupt wert ist, sich weiter damit zu beschäftigen. Dabei solle man die erzeugten Gefühle durchaus ernst nehmen, sich oder seinem Gegenüber jedoch gleichzeitig das Ziel der Propaganda klarmachen, um sich dann gegebenenfalls über die zugrundeliegenden Sachthemen auszutauschen.

Ertel beendete den geschichtlichen Teil mit der Beschreibung, wie die Briten 1942 ihre traditionellen Informationskampagnen im Zweiten Weltkrieg durch aktive Gegenpropaganda ablösten, um mit ebenso aggressiver Sprache und Bildern, wie sie in der deutschen Propaganda verwendet wurden, gezielt die diktatorischen Führer zu diskreditieren und ein Gegengewicht in der Meinungsbildung zu etablieren.

Viele Methoden

Michael Jacob lieferte im Anschluss eine Übersicht über die heutigen im Internet verbreiteten Methoden der Manipulation (siehe Rubrik). Mit dieser Vielzahl an Methoden sei es möglich, einzelne ausgewählte Zielgruppen oder auch ganze Bevölkerungsteile zu manipulieren.

Dabei würden zielgruppenspezifische Anzeigen präsentiert, manipulierte Statistiken gezeigt oder auch Doppelgängerkampagnen gefahren, die dem Nutzer vermeintlich seriöse Nachrichten anbieten (gefakte Seiten seriöser Anbieter wie zum Beispiel FAZ).

Flut der Falschinformation

Ertel ergänzte, wie es mit Weiterentwicklung der KI von der bloßen Rechenmaschine zum selbst lernenden System heute gelingt, die Nutzer mit einer Flut von künstlich generierten (auch Falsch-)Informationen zu überschwemmen und so Einfluss auf die Meinungsbildung der Menschen zu nehmen – und dies auch aus dem Ausland und vor Wahlen, (siehe Russland und die US-Wahl 2016).

Nach dem Vortrag ergab sich ein reger Austausch zu den angesprochenen Themen.Eingeladen hatte zu diesem Vortrag das Horber Bündnis „Für Demokratie – aktiv gegen rechts“.

Methoden der Manipulation und was sich dagegen tun lässt

Clickbaiting
Reißerische und irreführenden Überschriften erregen die Aufmerksamkeit des Nutzers, um ihn dann mittels Links auf weitere Beiträge zu führen, die oft mit der Ursprungsnachricht gar nichts mehr zu tun haben.

Falsche Bilder und Meldungen:
Über Deepfake (von künstlicher Intelligenz erzeugte, gefälschte, aber echt aussehende Bilder) und Hoaxes (absichtlich verbreitete Falschmeldungen) sollen Verwirrung und Angst zu verbreitet werden.

Whataboutism
bedeutet Nichtbeantworten einer Frage mittels Ausweichen auf ein anderes Thema.

Infodemie
ist ein Überangebot an Informationen, von denen manche irreführend oder sogar schädlich sein können.

Schutz vor Manipulation:
 Michael Jacob zeigte auf, wie man sich vor Manipulationen im Netz schützen kann. Er riet dazu, alternative Suchmaschinen zu verwenden (zum Beispiel Ecosia), den eigenen Standort mittels eines VPN (Virtual Private Network) geheim zu halten, die Inkognito-Einstellung im Browser zu aktivieren und nicht zuletzt bei allen Nachrichten die Quellen zu hinterfragen, sie einem Faktencheck zu unterziehen und mit zum Beispiel Forschungsergebnissen oder Nachrichten in analogen und unabhängigen Medien zu vergleichen. Hilfreich seien dabei auch im Netz zu findende Datenbanken wie die disinfowatch database oder Gemeinnützige Organisationen, die bestimmte Themenschwerpunkte prüfen wie beispielsweise das CeMAS (Center für Monitoring, Analyse und Strategie) zu Antisemitismus, Verschwörungsideologien, Desinformationen und Rechtsextremismus oder die CAAD (Climate Action Against Disinformation) zum Thema Klimawandel.

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