Card Show in Horb
: Muhammad Ali schmückt begehrte Sammelkarte mit Stück seiner Hose

Das Horber Quartier 77 entwickelt sich zum Geheimtipp für Kartensammler. Eine Card Show fand am Samstag statt – mit so viel Erfolg, dass weitere Sammlerevents folgen sollen.
Von
Peter Morlok
Oberndorf
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Sie luden zur zweiten Card-Show ins Quartier 77 ein: der Schwenninger Händler Ahmed El Dsoki und Wirt und Hobby-Händler Johannes Kiefer.

Morlok

Wer Anfang der 1960er-Jahre die Karte mit dem Konterfei von Wolfgang Graf Berghe von Trips wollte, musste mindestens einen Fritz Walter und einen Max Morlock rausrücken, um an die begehrte Sammelkarte des 1961 tödlich verunglückten Rennfahrers zu kommen. Oder jemanden finden, der nur Fußballer sammelte und seinen Rennfahrer loswerden wollte.

Und genau nach diesem Prinzip, das man auch locker auf Briefmarken oder jedes andere Sammelgebiet anwenden kann, funktioniert der gesamte Sammlermarkt.

Die Motive, die Themen und die Namen der Protagonisten ändern sich im Laufe der Zeit, die Grundidee der Anbieter bleibt gleich. Es werden themenbezogene – Beispiel Fußballweltmeisterschaft – per Wundertüten oder auf anderen Vertriebswegen (Sammelpunkte, Nuss-Schnitte, Zigarettenpackungen et cetera) Sammelbilder auf den Markt gebracht und jeder, der anfängt diese Bildchen zu sammeln, hofft, sein Album komplett voll zu bekommen.

Die italienische Firma Panini erkannte als einer der ersten diesen Markt und gilt seither als der Inbegriff der Sammelalben und den dazugehörigen Aufklebern. Was 1961 mit Blumenbildern anfing, über den Fußball zum Erfolg führte und in den 1980er-Jahren mit Captain Future auf Animefiguren weitergeführt wurde, ist inzwischen ein weltumspannendes Sammelgebiet, mit unzähligen Varianten, die heute nur noch echte Spezialisten so richtig im Griff haben.

Raritäten und Austausch mit Händlern

Das Internet hat sich längst als Handelsplattform für Sammelkarten-Profis etabliert, doch die Ware mal direkt live und in Farbe anschauen zu können, sich über Qualität und bekannte Stückzahlen auszutauschen, vielleicht die ein oder andere Rarität zu finden, das geht am besten auf einer Sammlerbörse wie der „Card Show“, zu der der Schwenninger Händler Ahmed El Dsoki zusammen mit „Quartier 77“-Wirt und Hobby-Kartenhändler Johannes Kiefer am Samstag ins „Quartier 77“ eingeladen hatte.

Es war die zweite Veranstaltung dieser Art in Horb und das „Quartier 77“ verwandelte sich für ein paar Stunden in die bunte Welt von Panini-NFL-Spezial-Edition-Boxen, von Disney oder Fantasy-Karten, von Pokémon und Fußball-Stars. Marketingstarke Verpackungsnamen wie dem „2024 Panini NFL Trading Cards Score A Treat Halloween Bundle“ oder wie die Karten heute mit anderen knalligen Namen bezeichnet werden, lockten die Sammler und Käufer an.

120 Euro für einen Kai Havertz

Einen Haarlan im Manchester City-Trikot gab’s für 70 Euro, für einen Kai Havertz musste man schon 120 zahlen und für einen Boba Fett aus der Star-Wars-Serie schlappe 225 Euro. Nicht ganz so günstig gab es eine Super-limitierte Karte mit Original-Autogramm und einem Hosenfetzen von Muhammad Ali, die Dennis Kirstein aus Leinfelden anbot. Er und sein Kumpel Thomas Albert haben sich ganz der NFL und ein bisschen Disney verschrieben und sind als die Cardshow Dudes seit Jahren auf dem Markt.

Nebenberuflich versteht sich, denn nach ihrer Meinung kann man von dieser Geschichte nicht leben. So sieht es auch Philip Gutknecht, der aus dem Schweizer Kanton Argau nach Horb anreiste, um seine Schätze zu präsentieren und vielleicht die ein oder andere Karte zu tauschen oder zu kaufen. Er, der zusammen mit seiner Freundin da war, war nicht das einzige Schweizer Paar bei der Horber Card Show. Auch ein Pärchen aus dem Züricher Umland traf sich hier mit Gleichgesinnten.

Veranstalter ist zufrieden

Johannes Kiefer war bereits zur Halbzeit dieser zweiten Card Show sehr zufrieden. „Es ist eine Veranstaltung, die wachsen muss. Es ist eine kleine, aber feine Nischenveranstaltung, die bisher überwiegend durch die Community der Händler und Sammler lebt. „Das, was wir hier veranstalten, ist mehr so ein Insider-Treffen, das sich nach und herumspricht und immer mehr Besucher anziehen wird“, ist sich der Hobby-Karten-Sammler sicher.

Er plauderte auch ein bisschen aus dem Nähkästchen und gab zu, dass beim Kauf von Boxen und Tüten immer ein bisschen Risikobereitschaft da sein muss. „Wenn du Glück hast, ziehst zu was, wenn nicht, hast du halt Spiel- oder Tauschmaterial“. Dass dem so ist, erlebt ein Besucher aus Eutingen, der sich bei Ahmed El Dsoki drei englischsprachige Pokémon-Tüten mit jeweils sieben Karten zu je fünf Euro kaufte. Erste Tüte auf – nichts. Zweite Tüte auf – nichts. Dritte Tüte auf – ein strahlendes Gesicht. Eine der Karten war ein echtes Schnäppchen und die 15 Euro waren wieder eingespielt.

Vorfreude auf die nächste Card Show

Der Bub war zufrieden, die angereisten Händler sowieso, zumal sie alle das Ganze als cooles Hobby recht locker sehen. Das Veranstalter-Team Kiefer und El Dsoki freut sich schon auf die nächste Card Show im Quartier 77. Und in Horb gibt es jetzt einen Sammelkarten-Experten mehr.

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