Buchvorstellung mit Ursula Röhm
: Aufgewachsen in Rexingen, Geißgasse 7

Die Erinnerungen von Ursula Röhm werden am Sonntag, 7. September, in der Ehemaligen Synagoge in Rexingen vorgestellt.
Von
Barbara Staudacher
Oberndorf
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Die Schwestern Margot, Inge und Ursula nach Kriegsende in der Geißgasse. Hinter ihnen steht das Auto von Onkel Mäx aus Stuttgart, das mit einem Holzvergaser angetrieben wurde.

Archiv Ursula Röhm

Ein Kind wächst auf in einem Dorf, in dem seltsame Dinge geschehen, die das Kind nicht versteht, gar keine Fragen dafür hat, auch weil es spürt, dass es keine Antworten bekommen wird.

Die Rede ist von Ursula Zischkau, die im Oktober 1938 mit ihrer Mutter Hilda Zischkau und ihren beiden Schwestern Margot und Inge von Stuttgart nach Rexingen zieht und fast sechs Jahre in der Geißgasse wohnen wird.

Plötzlich verschwinden Großmutter, Onkel und Untermieter

Sie hat eine Großmutter und einen Onkel unten im Dorf in der Adolf-Hitler-Straße, die plötzlich „fortkommen“ – warum und wohin? Und woher kommen und wohin verschwinden die Untermieter im Haus in der Geißgasse, die von der Mutter versorgt und von den drei Mädchen neugierig beobachtet werden? Was hat es mit dem Vater auf sich, der nur sporadisch auftaucht und Unruhe und Kummer in das Leben der kleinen Familie bringt?

Jahrzehnte später beginnt die Spurensuche, die sie auch nach Rexingen führt

Jahrzehnte später hat Ursula Röhm diese Geschichte ihrer Kindheit in Rexingen aufgeschrieben. Und auch deren Fortgang: Wie sie sich auf Spurensuche macht, Akten studiert, Menschen befragt, Plätze aufsucht, von denen sie als Kind gar nichts wusste. Sie erkundet den Jüdischen Friedhof oben am Hang und wird vertraut mit der Ehemaligen Synagoge. Sie nimmt Kontakt auf mit Verwandten in den USA und in Israel und erkennt, in welchem weitläufigen familiären Zusammenhang sie steht. Dieser zweite Teil des Buches, der die Annäherung an ihre Familiengeschichte beschreibt, ist eine eindrucksvolle Reflexion über den Prozess der Selbstfindung innerhalb einer schwierigen Familienkonstellation.

Postkarte aus Theresienstadt an Ursulas Schwester Inge. Dr. Richard Heilner war einer der geheimnisvollen Logiergäste, die in der Geißgasse für eine Weile wohnten. Er wurde Anfang 1944 nach Theresienstadt deportiert und erlebte dort das Kriegsende

Foto: Archiv Inge Pagels

Dass ihre Mutter nicht wie Großmutter Auguste Eppstein und Onkel Rudolf Eppstein deportiert wurde, verdankt sich dem Umstand, dass Hilda Eppstein den Nichtjuden Kurt Zischkau geheiratet hatte. Wenn sie inzwischen auch getrennt lebten, hatte er sich doch nicht scheiden lassen und das rettete ihr das Leben. Sie selbst war schon länger zum Christentum konvertiert, aber das allein hätte sie vor dem hasserfüllten Rassenwahn des NS-Regimes nicht schützen können.

Die Liebe zu den Büchern hat sie von ihrer Mutter übernommen

Jüdische Männer und Frauen, die mit nichtjüdischen Partnerinnen oder Partnern verheiratet waren, erhielten bis Anfang 1945 keine Deportationsbefehle. So konnten sie bis zu ihrer Befreiung durch die französische Armee im Mai 1945 in Rexingen überleben.

Ursula Röhm hat die Liebe zu den Büchern von ihrer Mutter übernommen. Sie hat immer viel gelesen und auch selber geschrieben. Ihr Erinnerungsbuch „Das hügelige Dorf“ ist für sie und für Rexingen von ganz besonderer Bedeutung.

Das Buch wird am Sonntag, 7. September um 17 Uhr in der Ehemaligen Synagoge in Rexingen vorgestellt. Es liest der Tübinger Rundfunksprecher Peter Binder. Ursula Röhm ist anwesend und steht für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung. Der Eintritt ist frei.

Das Buch ist im Barbara-Staudacher-Verlag erschienen, hat 80 Seiten und kostet 12 Euro, es ist im Buchhandel erhältlich

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