Bitzer-Cup in Ergenzingen
: Aufbau der Hochseilanlage ist Knochenarbeit

Am Montag sind sie angereist, die Hochseilartisten der Geschwister Weisheit aus dem thüringischen Gotha, die während der Fußballpausen beim Bitzer-Cup auftreten.
Von
Klaus Ranft
Oberndorf
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Schwarzwälder Bote

Noch am Anreisetag wurde – nicht zuletzt aus Trainingsgründen – ein Teil der hochmodernen Anlage aufgebaut und am Mittwochmorgen befand sich ein Teil der Crew bereits auf dem Hochseil.

Ihre „Wagenburg“ haben die Geschwister Weisheit unterhalb des Tennisplatzes, rund 100 Meter entfernt vom Sportgelände aufgebaut und dort haben wir sie auch besucht. Groß war natürlich nach 29-jähriger Vakanz die Wiedersehensfreude und die beiden Geschäftsführer Peter Mario Weisheit und sein Bruder André, die den Betrieb 2010 von ihrem Vater Rudi übernommen haben, erinnerten sich gerne an die Jahre 1988, 1991 und 1996, in denen die Hochseiltruppe in Ergenzingen zu Gast war. Vor allem aber sei das Jahr 1989 schicksalhaft für die weitere Zukunft gewesen, erinnern sich die beiden Brüder heute und wenn man so wolle, hätten die Ergenzinger Schicksal gespielt. Der vorausschauende Vater, Rudi Weisheit, habe damals den Bedarf eines Hochmastes erkannt, der sich hydraulisch auf 62 Meter Höhe ausfahren ließ.

Ergenzinger machen Anschaffung möglich

Nachdem aber im Westen keine Bank bereit war, diesen zu finanzieren (es ging damals um rund 40 000 DM), sprangen dann von Ergenzinger Seite der damalige Ortsvorsteher Meinrad Grammer, Bäckermeister Hermann Baur, Manfred Schäfer und weitere Bürger ein und so konnte besagter Hochmast noch im Winter 1989 angeschafft werden.

„Das hat uns damals gerettet“, so die beiden Brüder übereinstimmend. „Man muss sich das mal vorstellen“, sagte André Weisheit. „Wir haben uns gegenseitig kaum gekannt und trotzdem wurde uns geholfen, das werden wir nie vergessen und wir freuen uns riesig auf das Event am Wochenende.“

Dass aus dieser Aktion heraus eine dicke Freundschaft zwischen den Familien Weisheit und Grammer entstanden ist, führte letztendlich auch dazu, dass die Hochseiltruppe, die in diesem Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum feiert, auch in Ergenzingen auftritt. Ohne das große Engagement von Erika Grammer und ihren Familienangehörigen wäre das nicht möglich gewesen.

„Ich bin geläutert“, sagte André Weisheit. Bei uns im Osten hieß es immer, die Schwaben seien geizig, das stimme aber hinten und vorne nicht.

Ansonsten ging es bei den Geschwistern Weisheit in dieser Woche eher gelassen zu, sieht man einmal davon ab, dass der Aufbau der Hochseilanlage natürlich auch Knochenarbeit verlangte und auch kleinere Reparaturen an den schweren Stahlfahrrädern durchgeführt wurden.

Eigentlich ist die zwölfköpfige Hochseiltruppe ein Starensemble, das immerhin Europas größte Hochseilshow bietet. Davon war bei unserem Besuch allerdings nichts zu spüren. Wir haben von unseren Eltern gelernt, dass wir keine besonderen Menschen sind. Das haben unsere Vorfahren schon so gehandhabt und auch unsere sechste Generation in 125 Jahren wird daran nichts ändern, so Peter Mario Weisheit bescheiden. Wir zwingen innerhalb unserer Familie niemanden, auf das Hochseil zu gehen, auch unsere Kinder nicht. Das ist deren freier Wille.

Auf das Hochseil geht es nur freiwillig

Man freue sich aber darüber, dass man mit dem elfjährigen Lenny und der sieben Jahre alten Ruby – Letztere ging in diesem Jahr zum ersten Male auf das Hochseil – getrost in die Zukunft schauen könne.

Zu sehen sind die Geschwister Weisheit auf dem Sportgelände am Samstag um 16.25 und um 18.25 Uhr, am Sonntag um 11.55 und um 17.25 Uhr.

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Foto: Klaus Ranft

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