Besuch in Eutingen: Begegnung mit einer völlig anderen Welt

Pfarrer Gerald Wamala, der „singende Pfarrer aus Uganda“ beim Info-Abend im Weitinger Begegnungshaus.
Hermann NeschEs war eine Begegnung mit einer völlig anderen Welt. Bei der Veranstaltung im vergangenen Jahr musste Gerald Wamala zu seinem großen Bedauern noch mitteilen, dass der Bau seines Mädchenwohnheims ins Stocken geraten war, vor allem aufgrund der ausgegangenen finanziellen Mittel.
Dies stimmte ihn ziemlich traurig, weil das Wohnheim eine wichtige Voraussetzung ist, Mädchen einen sicheren Schulbesuch zu ermöglichen, wie er im randvollen Weitinger Begegnungshaus erneut bestätigte. Nun ist es endlich fertiggestellt. Die Kinder besuchen zwar zunächst sieben Jahre die Primarschule und werden danach ab dem 13. Lebensjahr differenziert unterrichtet. Doch das Schulgeld für weiterführende Schulen könnten sich die meisten Familien nicht leisten. Wenn die Mädchen aber keine weiterführende Schule besuchen könnten, würden sie mit 14 und 15 Jahren früh verheiratet und schnell zu jungen Kindermüttern.
Der lange Weg zur Schule ist höchst gefährlich
Sie hätten dann keine Chance mehr für eine Berufstätigkeit, wären ans Haus gebunden und könnten ihren Kindern auch kein zusätzliches Wissen vermitteln, was die Weiterbildung und Weiterentwicklung zusätzlich behindern würde. Doch der Besuch einer weiterführenden Schule ist für die Mädchen auch höchst gefährlich.

Gerald Wamala bei der täglichen Schulspeisung mit Maisbrei.
Foto: KircheSie kommen täglich zu Fuß in die Schule und müssen draußen auf dem Land teilweise bis zu 15 und 20 Kilometer zurücklegen. Dabei seien sie auch der Gefahr einer Vergewaltigung ausgesetzt, was zusätzlich zu den bereits angeführten jungen Kindermüttern führe.
Vor drei Jahren hatte er daher mit dem Bau eines Wohnheims für 300 Mädchen begonnen, der zwischenzeitlich aus Geldmangel stockte. Nun ist es zur Freude aller Beteiligten endlich fertiggestellt geworden. Gerald Wamala spricht zwar von einem Internat. Aber von hiesigen Vorstellungen könne keine Rede sein. Die Mädchen hätten zwar ein Dach über dem Kopf, wären versorgt und müssten sich nicht täglich auf den langen und gefährlichen Schulweg machen. Aber schlafen müssten sie in großen Sälen und in dreistöckigen einfachen Etagenbetten – ein Riesenfortschritt.

Pfarrer Gerald Wamala vor dem nun fertiggestellten Mädchenwohnheim.
Foto: KircheDuschen und waschen müssten sie sich im Freien am Brunnen. Auch das Kochen und Essen spielt sich im Freien ab. Insgesamt 30 000 Euro kostete das Vorhaben – im Verhältnis zu deutschen Baupreisen ein Klacks, aber für ugandische Verhältnisse eine Menge Geld. Auch Eigenleistungen hätten geholfen, Kosten zu sparen. Insgesamt 32 Schülern – 27 Mädchen und fünf Jungen – würden aus der Seelsorgeeinheit durch Patenschaften derzeit das Schulgeld bezahlt. Wer in den Genuss komme und dringend bedürftig sei, werde vor Ort von einem mehrköpfigen Gremium entschieden.
Gäu-Seelsorgeeinheit leistet wichtige Unterstützung
Eigentlich hat Pfarrer Gerald Wamala zurzeit Urlaub, wohlverdienten von seinem Alltag in Uganda, wo er in seiner Pfarrei fast rund um die Uhr sieben Tage in der Woche gefordert ist. Doch seine Arbeit macht er gerne als Dienst an den Menschen. Sein Dank gilt daher der vielfältigen Unterstützung aus der Gäu-Seelsorgeeinheit, ohne die alles nicht machbar wäre.
Ehrendoktorwürde verliehen
Seit 2012 kommt Pfarrer Gerald Wamala
ins Gäu. Seit drei Jahren wohnt er im elterlichen Haus von Maritha Schmitt in Weitingen und ist in dieser Zeit Teil deren Familie. Längst ist er auch über die Seelsorgeeinheit hinaus als „der singende Pfarrer mit seiner Gitarre“ bekannt.
Sein Wirken
hat sich nun auch in Uganda bis hinauf in die Regierung herumgesprochen.
Kürzlich bekam er Besuch
von der der Frau des über 30 Jahre regierenden Staatspräsidenten Yoweri Museveni, die Bildungsministerin des Landes ist. Sie war höchst beeindruckt vom persönlichen Engagement Wamalas. Ob durch ihren Einfluss oder auch nicht: Dieser Tage wurde dem 51-Jährigen von der Universität Kampala für sein vorbildliches Wirken die Ehrendoktorwürde verliehen.
Ob sich das nun
auch durch staatliche finanzielle Unterstützung auszahlen wird? Alle wünschen es ihm, und er selbst würde mehr Wert darauf legen.
Kontakt:
Pfr. Wamala, Gerald; Mulajje Catholic Parish; P.O. Box 303; Luweero/Uganda
Spendenkonto:
„Hilfe für Pfarrer Gerald“; Kath. Kirchenpflege St. Martinus Weitingen; IBAN: DE87 6006 9876 0088 0790 07; BIC: GENODES1ROG