Bauprojekt in Eutingen: Ein besonderes Wohnprojekt für alle Generationen

Ein gelungener Spatenstich beim Projekt der Baugesellschaft in Eutingen
Peter MorlokEin ungewöhnliches Wohnbauprojekt nahm am Donnerstagnachmittag eine weitere Hürde. Der Spatenstich für das Mehrgenerationenhaus, dass sich Mitglieder des Nabu in der Bergstraße 30 in Eutingen in Form eines Bauherrenmodells nach eigenen Vorstellungen bauen, konnte nach langer Planungsphase endlich erfolgen.
Egbert Badey, der Mann, der die Idee für dieses Projekt hatte, freute sich, eine recht große Zahl an Mitstreitern und zukünftigen Mitbewohnern sowie Eutingens Bürgermeister Markus Tideman zu diesem Anlass auf dem Grundstück begrüßen zu dürfen.
Die Geschichte des Bauprojekts Er ging kurz auf die Geschichte dieses Projektes ein, die damit begann, dass die Badeys schon länger den Wunsch hatten, sich flächenmäßig zu verkleinern und eine Baugemeinschaft zu gründen. 2019 hatten sie die ersten Versuche gemacht, um Mitmacher zu finden. Durch Mundpropaganda gelang dies und Ende 2020 fand man mehrere Interessenten.
Wettbewerb gewonnen
Durch Projekte, die Egbert Badey als Landesvorstandsvertreter des NABU Baden-Württemberg für den Verein bearbeitet hatte, lernte er 2022 den Baubetreuer Urban Heydler und den Architekten Manuel Huber kennen. Beide brachten das Projekt einen guten Schritt nach vorne. Im November 2023 gewannen sie mit ihrer Entwurfsplanung einen Wettbewerb bei der LBBW, der sie, entsprechend der Eutinger Satzung für die Bauplatzvergabe, berechtigte, mit den ersten Planungen zu beginnen.
Die Suche nach Mitbewohnern Parallel zur Planung, zu der man sich einmal im Monat traf, ging die Suche nach weiteren Mitbewohnern und damit auch Eigentümern des Hauses weiter. Badey konnte abschließend feststellen, dass die Wohnungen durch Doppelkäufe Ende 2024 alle vergeben sind und man in die Detailplanungen der Gewerke eingestiegen und die Ausschreibungen fertigstellen konnte.

Sie ziehen in das Mehrgenerationenhaus ein (von links): Johannes Hersbacher (eigene Wohnung) dann die Familie Hersbacher mit Hund Sammy, Waltraud und Egbert Badey, Angelika und Uwe Fischer, die ihre Wohnung als Altersruhesitz gekauft haben, Alexander Kraus, Siegfried Blum und Florian Weingarten.
Foto: Peter MorlokIm Gebäude, dass man nach aktuellen Erkenntnissen im Sommer 2026 beziehen kann, werden Personen im Alter zwischen 28 Jahren und 75 Jahren wohnen. „Das Grundstück ist gekauft, die ersten Bauverträge sind abgeschlossen – wir beginnen jetzt“, lautet das Fazit von Egbert Badey.
Findet diese Art von Mehrgenerationenhaus Nachahmer? Bürgermeister Markus Tideman findet es toll, dass es dieses Projekt gibt. Sein besonderer Dank gilt Waltraud und Egbert Badey, die sich nicht beirren ließen, einen ungewöhnlichen Weg zu gehen. „Sie hätten sich auch locker irgendwo eine Eigentumswohnung kaufen können und hätten den ganzen Stress nicht gehabt“, machte das Gemeindeoberhaupt deutlich und ergänzte, dass es für eine Gemeinde perfekt sei, solche Macher und solche Bauprojekte im Ort zu haben.
Vorbild Tübingen
Baubetreuer Urban Heydler ist sich sicher, dass dieses Haus ein Schmuckstück wird und dass diese Art von Genossenschaft – die Baugenossenschaft firmiert als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) – auch hier in der Gegend Nachahmer findet. „In Tübingen gibt es bereits 400 solcher Projekte, die von einer GbR realisiert wurden“, wusste er abschließend. Bevor man dann mit dem obligatorischen Schluck Sekt auf den Neubau anstoßen durfte, schwärme Architekt Manuel Huber noch recht ausführlich von den Eigenschaften nachhaltiger Baumaterialen und von einem spannenden Ansatz, mit dem man den Bau konzipierte.
Grundsätzliches zum Projekt
Es wird ein dreigeschossiges, barrierefreies Gebäude mit neun Wohneinheiten in unterschiedlichen Größen von 69 bis 89 Quadratmeter. Terrasse im EG und Balkone oder Loggias im 1.OG und 2.OG.
Ausgestattet ist das Haus mit einem zukunftsorientierten Wohn- und Energiekonzept, thermische Ausführung als Passivhaus, mit Abluft-Wärmepumpe je Wohnung für Warmwasser, Heizung, Kühlung. Die energetische Förderung wurde durch KFW- Kredite realisiert und die Massivholzbauweise sorgt für ein gesundes Raumklima.
Im Gebäude gibt es Gemeinschaftsflächen über alle drei Geschosse zum Arbeiten, Erholen, Beherbergen, Treffen und Werken, sowie einen Wasch- und Trockenraum, Werkstatt und Lagerraum und es gibt gemeinschaftliche Abstellplätze für Fahrräder, Rollstühle, Kinderwagen und dergleichen.
Je Wohnung gibt es einen Tiefgaragenplatz, mit Ladestation für Elektromobilität. Außerdem punktet das Projekt mit Photovoltaik-Anlagen, Regenwassernutzung, Fassaden- und Dachbegrünung als CO2-speicherndes Gebäude und somit als zukunftsweisender Baustein der Klimaneutralität – und dies in nahezu zentraler Lage von der aus die gesamte Eutinger Infrastruktur sehr gut erreichbar ist.
Die Rohbau-, Wasser- und Erdarbeiten werden von der Eutinger Baugesellschaft Seele durchgeführt.
Technische Daten
Drei Etagen mit je drei Wohnungen in unterschiedlichen Größen. Bruttogeschossfläche: 1201 Quadratmeter, Wohnfläche: 665 Quadratmeter, Gemeinschaftsflächen: 395 Quadratmeter. Baukosten insgesamt etwa vier Millionen Euro. Das macht umgerechnet auf den Quadratmeter, inklusive Tiefgarage und Gemeinschaftsflächen, 5470 Euro.