Akteure melden sich zu Wort: Neue Runde im Windkraft-Streit in Horb

Die Debatte um die Windkraft in Horb geht weiter.
© danieldefotograaf - stock.adobe.Nachdem bei der Infoveranstaltung in der Hohenberghalle bereits die wesentlichen Argumente zwischen Befürwortern und Gegnern offen zutage getreten waren, haben nun die BiM-Wählervereinigung, die Offene Grüne Liste (OGL) sowie erneut Vertreter des Bürgerbegehrens zusätzliche Einschätzungen an die Redaktion gesendet.
Das sind die Schwerpunkte ihrer Stellungnahmen.
BiM: „Wer gegen Windräder im Wald stimmt, ist Beschützer des Waldes“ Thomas Bauer (BiM) betont, dass sich seine Wählervereinigung seit ihrer Gründung dem Schutz des Waldes verpflichtet fühlt. Horb verfüge im Landkreis Freudenstadt über den geringsten Waldanteil – ein Umstand, der den Erhalt des Bestandes umso dringlicher mache.
Der Eingriff in den Wald durch Windkraftanlagen – insbesondere durch Rodungen, Zuwegungen und dauerhaft frei zu haltende Flächen – hinterlasse Schäden, „die nicht wieder gut zu machen sind“. Diese Belastungen kehrten auch bei Wartung oder Rückbau zurück. Der Wald sei für Mikroklima, Wasserspeicherung, Erholung und Artenvielfalt unverzichtbar: ein „einzigartiges Juwel“, das nicht „aus Habgier zerstört“ werden dürfe, so Bauer.
„Beschützer des Waldes“
Sein Appell lautet: „Wer gegen Windräder im Wald stimmt, ist nicht Gegner der Windenergie, sondern Beschützer des Waldes.“
OGL: „Der Große Hau muss tabu bleiben“ Wolf Hoffmann (OGL) fasst die Position seiner Fraktion in der Info-Veranstaltung zusammen.
Eine verantwortliche Entscheidung über Windkraft hänge maßgeblich von den konkreten Flächen ab. Die Stadt habe es versäumt, den „Großen Hau“ aus dem Vorranggebiet zu entfernen. Bei einem „Ja“ im Bürgerentscheid bleibe der Gemeinderat Herr des Verfahrens, dennoch müsse klar gelten: „Der Große Hau muss tabu bleiben!“
Zugleich verweist Hoffmann auf die Einschätzung des Forstverantwortlichen: Ohne eine erfolgreiche Energiewende werde es am Ende „den Wald, für den die Windkraftgegner kämpfen, nicht mehr geben“.
Marcel Uhl: „Schauen Sie sich das Ausmaß in Seewald-Besenfeld an“ Marcel Uhl, Vertrauensperson des Bürgerbegehrens, verdeutlicht erneut seine Warnung vor den Konsequenzen großflächiger Windkraftnutzung im Wald. Es gehe nicht um Angstmacherei, sondern um Aufklärung: „Ich rate Ihnen dringend, fahren Sie die 30 Kilometer nach Seewald-Besenfeld und schauen Sie sich dieses katastrophale Ausmaß live vor Ort an.“ Die dortige Entwicklung sei „unbeschreiblich“ und müsse auf die „kleinen Mischwälder“ der Horber Gemarkung übertragen werden, um die Folgen zu verstehen.
Im fertigen Windpark mit acht Anlagen blieben breite Zufahrtswege bestehen, und vor jeder Anlage müsse dauerhaft eine Fläche von etwa 0,5 Hektar geschottert frei gehalten werden – so groß wie ein Sportplatz. Solche „Wärmeinseln“ würden den Wald zusätzlich schwächen und würden Brand- und Sturmrisiken erhöhen. Ein „positiver Waldumbau“ sei daher nicht zu erwarten.
Irreführende Angaben in Broschüre?
Uhl kritisiert zudem die aus seiner Sicht irreführenden Waldanteilangaben in der städtischen Infobroschüre. Beziehe man sich ausschließlich auf die für den Bürgerentscheid relevanten Flächen, entstünden deutlich höhere Anteile städtischen Waldes in den Vorranggebieten: in Grünmettstetten 55 Prozent (statt 30), in Betra 53 Prozent (statt 42) und in Talheim 35 Prozent (statt 28).
Zugleich weist er noch auf eine weitere Infoveranstaltung hin: Am 26. November, um 19.30 Uhr in der Turnhalle Altheim. Die ursprünglich gewünschte Hohenberghalle sei ihnen „aus nicht nachvollziehbaren Gründen“ verweigert worden.
Rudolf Bok: „OB Keßler bricht sein Neutralitätsversprechen“ Apropos Infobroschüre. Rudolf Bok, der sich als Bürger mit Leserbriefen und Anfragen an die Stadt einbringt, übt ebenfalls Kritik an der Broschüre.
Er verweist darauf, dass im Impressum für die Seiten 4 und 5 „redaktionelle Verantwortung“ durch OB Michael Keßler angegeben ist. Auf Seite 5 fordere Oberbürgermeister Michael Keßler offiziell auf: „Stimmen Sie mit Ja.“ Bok schreibt, er sei „schockiert“, da Keßler während seiner Kandidatur öffentlich erklärt habe, im Erfolgsfall ein neutraler Oberbürgermeister zu sein. Bok wirft dem OB vor, mit dieser Ja-Empfehlung sein Neutralitätsversprechen gebrochen zu haben. Keßler hatte im Wahlkampf gesagt: „Ich trete nicht als Parteikandidat an, sondern ich möchte im Erfolgsfall ein neutraler, unvoreingenommener Oberbürgermeister für alle Horber Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen werden, immer an der jeweiligen Sache orientiert und nicht an Ideologien.“