Abschied in Tübingen
: Urgestein der Politik geht in Ruhestand

Die Ära von Landrat Joachim Walter geht zu Ende. Nun wurde er feierlich verabschiedet.
Von
Angela Baum
Oberndorf
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Landrat Joachim Walter in der ersten Reihe neben Thomas Hölsch, dem Vorsitzenden des Kreisverbands des Gemeindetags Baden-Württemberg - und im Kreise seiner Familie. Neben Joachim Walter sitzt dessen Ehefrau Doris sowie seine vier Söhne Elias, Lucas, Joel und Samuel. Justizministerin Marion Gentges hielt die Festrede.

Angela Baum

Sein Foto ging zwar nicht um die Welt – aber beim Antrittsbesuch im Tübinger Landratsamt vor 22 Jahren kannte ihn die freundliche Dame aus der Bußgeldabteilung bereits – von einem Radarblitzer-Foto.

Denn: Landrat Joachim Walter war damals auf dem Weg zum damaligen Rottenburger Oberbürgermeister Klaus Tappeser – dem heutigen Regierungspräsidenten – in quasi alle Radarfallen zwischen Tübingen und Rottenburg reingefahren. Mit derlei unterhaltsamen Anekdoten war die humorige Abschlussrede des Landrats geschmückt – und die Festgesellschaft nahm dies freundlich und dankbar auf.

Viele filmten mit ihren Handys den zweistündigen „Redenmarathon“ – der filmreife „Blockbuster“ erfreute sich bei den über zweihundert Festgästen allergrößter Beliebtheit. Musikalisch toll umrahmt wurde Joachim Walters Abschied vom Verbandsjugendblasorchester, welches mal fetzig mal klassisch auf höchstem Niveau musizierte. „Toto in Concert“ oder als Kontrastprogramm „Der Marsch des Landkreises Tübingen“ erklangen da etwa.

Fahrer machen Verspätung wieder wett

Joachim Walter plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen – etwa von Autofahrten nach Berlin, wo sein Fahrer Walter Scipioni oder auch Khaled Kabiri schon mal aufs Gaspedal des Dienstwagens drückten. Bei beiden Fahrern habe er sich immer „so sicher wie in Abrahams Schoß“ gefühlt – auch bei Tempo 200 auf der Autobahn. „Natürlich war ich mal wieder zu spät ins Auto gestiegen – und Du Walle hast es dann wieder wettgemacht.“ Interessante Gesprächspartner seien beide allemal gewesen – wenn ihm während der Arbeit im Auto die Zeit dafür blieb. Mit seinem Fahrer „Walle“ Scipioni habe er in all den 22 Jahren wohl mehr Zeit verbracht als mit seiner Frau und mit seiner Familie.

Dies will er, so sagte er in seiner teils etwas wehmütigen Abschiedsrede, jetzt wieder wettmachen. Denn seine Ehefrau Doris und seine vier Söhne Elias, Lucas, Joel und Samuel waren ihm als Familie immer eine feste Burg, die ihn auch aufgefangen haben, „wenn es mal zu heftig wurde“, die ihn unterstützten und ihm Rückhalt gaben. Er freue sich jetzt auf Zeit mit seiner Familie - „Papa ante Portas“, warnte er augenzwinkernd.

Was er jetzt im Ruhestand zu tun gedenke? „Ich sags mit Heinz Erhardt: „Wenn die Opern dich umbrausen mit Getön, dann genieße die Pausen: Sie sind schön“. Und: „Ich reibe mir Morpheus Arme aus den Augen, werfe mir den Hut um die Schulter und lebe sinnlos mäßig.“

Es sei ihm aber eine Freude gewesen, dem Landkreis Tübingen zu dienen – was jetzt der designierte Landrat Hendrik Bednarz übernehmen wird. Joachim Walters Nachfolger war ebenso Mittelpunkt des Medieninteresses wie Joachim Walter. Beide waren ständig von einer Menschentraube umringt – wobei es sowohl der eine als auch der andere sichtlich genoss.

Auch und gerade musste der scheidende Landrat Walter zum Abschied viele Hände schütteln – von Weggefährten, von Freunden, von engen Mitarbeitern oder auch von Bürgermeister- und Oberbürgermeisterkollegen. Nicht zu vergessen die aktiven und auch ehemaligen Kreisrätinnen und Kreisräte.

Geschenke kommen in zwei Schubkarren

Alle waren natürlich nicht mit leeren Händen gekommen – die Kreisräte schenkten ein ordentliches Fass Bier und ein Spezialbrot, die Oberbürgermeister und Bürgermeister des Landkreises Tübingen überreichten zwei Schubkarren mit Geschenken, angeliefert von einem Spezialunternehmen, das mit einem LKW vorfuhr – zu vorgerückter Stunde.

Die Reden zum Abschied

Marion Gentges
als Ministerin für Justiz und Migration des Landes Landes Baden-Württemberg hielt die Festrede und ging auf die derzeitige politische Situation und Lage ein – auch auf die Migrationspolitik des Bundes. Die Migrationspolitik sei eine große Herausforderung für Bund und Land – und eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.

Thomas Hölsch
, stellvertretender Vorsitzender des Kreistags und Vorsitzender des Kreisverbands des Gemeindetags Baden-Württemberg begrüßte alle Ehrengäste namentlich – neben Justizministerin Marion Gentges auch die Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut sowie die „Crew“ des Landratsamtes, bestehend aus der Finanzverwaltung und den einzelnen Fachämtern, sowie die diversen Behörden des Landkreises – etwa die Staatsanwaltschaft oder die Mitarbeiter der Justizbehörden.

Was Joachim Walter
seinem Nachfolger wünscht ist stets eine glückliche Hand in seinem Tun, Nerven wie Stahlseile - „Du wirst den Landkreis Tübinge gut in die Zukunft führen, auch wenn der Anfang vielleicht alles andere als einfach ist.“

Die erste Landesbeamtin Daniela Hüttig
lobte Walter und seine humorvolle Art als „Chef“ – es sei schwer, ihn ziehen zu lassen. „Joachim Walter verkörperte für viele Bürger des Kreises das Landratsamt – es wurden sogar Briefe an ihn adressiert mit „Herr Landratsamt.“

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