Abitur in Rottenburg
: Aus missglücktem Streich wird ein Erfolgserlebnis

Drei Tage lang streichen die Abiturienten des Eugen-Bolz-Gymnasiums in dieser Woche ihre Schule. Sogar Lehrer und die Malerfirma sind begeistert von den Schülern.
Von
Daniel Begemann
Oberndorf
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Lina Heege und ihr gesamter Jahrgang streichen nach dem missglückten Abistreich die Wände des Eugen-Bolz-Gymnasiums.

Daniel Begemann

Es ist Dienstagvormittag Mitten im August am Eugen-Bolz-Gymnasium in Rottenburg. Normalerweise würde die Stille der Sommerferien über der Schule in der Kernstadt liegen. Doch die Eingangstür steht offen, Musik ist zu hören. Schon im Eingangsbereich ist klar: Das Gebäude ist eine große Baustelle. Gerade hängen Abiturienten noch die letzten Wände mit Folie ab, damit sie anschließend streichen können.

Sie wollen das wieder gut machen, was bei ihrem Abistreich am Schuljahresende schief gegangen war: Mit vermeintlich harmloser Sprühkreide und unter der Annahme, dass die Farbe wasserlöslich wäre, hatten sie als Teil des Gags Wände in dem Schulgebäude besprüht. Mit Schrecken mussten sie am Folgetag feststellen, dass sich die Farbe nicht mehr entfernen ließ.

Eine der Abiturientinnen, die seit Montag Wände auf allen Stockwerken des Gebäudes streichen, ist Lina Heege. Sie berichtet, wie die Aktion läuft: „Wir kommen gut voran und die meisten Leute sind gut drauf.“ An jedem der drei Tage arbeiten die Abiturienten von 7.30 bis 15 Uhr. Pro Tag sind 20 Schüler eingeteilt. „Zwei bis drei Leute kümmern sich um Snacks, Getränke und Mittagessen“, erzählt Heege. Neben der Musik, die im Hintergrund läuft, und der Verpflegung ist es auch der gemeinschaftliche Aspekt, der den Abiturienten bei dem Nachspiel zu ihrem Abistreich gefällt. „Man sieht sich noch einmal“, sagt Heege.

Lehrer schaut vorbei

Dann bekommen die Abiturienten plötzlich noch Besuch: Ihr Lehrer Joachim Herbst (Deutsch, Latein) schaut vorbei, weil er seine ehemaligen Schüler mit einer Spende unterstützen möchte. Er macht deutlich, dass er hinter seinen Schülern steht und äußert Verständnis. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt er: „Das war ein Streich, der einfach dumm gelaufen ist. Es gab aber schon viel schlimmere Abistreiche.“

Unterstützung erhält der Jahrgang auch von Maler Philipp Jäger und seinem Angestellten Rafael Roth aus Tübingen. Er hat von der Aktion über die Crowdfunding-Plattform gofundme.com erfahren. Als Spendenziel waren dort 9000 Euro angegeben, abgebildet waren aber lediglich drei Wände. Das habe er sich genauer anschauen wollen und setzte sich mit den Abiturienten in Verbindung.

Maler lobt die Schüler

Jetzt zeigen die beiden Maler den Schülern, wie sie Wände abkleben und mit dem Pinsel die Farbe richtig verteilen. Rafael Roth lobt die Arbeit der Abiturienten: „Das sind alles top Schüler, sie packen alle mit an. Ich würde sie alle als Azubis einstellen.“

Es ist ein Abistreich, der erst missglückte, und jetzt doch noch ein Erfolg wird. Auch finanziell bleiben die Schüler nicht auf dem Schaden sitzen. Der entstandene Schaden belaufe sich letztlich laut Lina Heege auf rund 7000 Euro. Etwa 4800 Euro an Spenden seien bereits über gofundme eingegangen, zusätzlich habe der Jahrgang private Spenden erhalten.

Am Dienstagvormittag sind die Abiturienten in einem Stockwerk schon komplett fertig mit dem Streichen. Ihr Schulgebäude soll am Mittwoch wie geplant neu gestrichen sein.

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