Zwei Filmabende: Eindrücke vom Open-Air-Kino auf der Burg Hohenzollern

Das Open-Air-Kino auf der Burg Hohenzollern lockte an zwei Tagen zahlreiche Filmbegeisterte an.
BeckTrotz der kühlen Temperaturen fanden sich bereits lange vor Beginn der Filmvorführungen zahlreiche Gäste in Biergarten und Burgrestaurant ein, um die besondere Atmosphäre auf dem Burggelände und das kulinarische Angebot zu genießen.
Georg Friedrich Prinz von Preußen eröffnete den Abend sichtlich erfreut und begrüßte neben Joachim Lang, Regisseur des Dramas „Cranko“, den Hechinger Filmemacher Julian Wirth und Regisseurin Else de Waal, die ihren Kurzfilm „Janas Tanz“ präsentierten, sowie Kinobetreiber Ralf Merkel. Prinz Georg Friedrich von Preußen betonte die Wichtigkeit der Förderung baden-württembergischer Produktionen. Er habe den Vorjahresfilm „Führer und Verführer“, ebenfalls unter Langs Regie entstanden, noch in besonderer Erinnerung. Dazu bilde „Cranko“ einen absoluten Gegenentwurf und angesichts Langs in Arbeit befindlicher neuester Produktion sprach der Prinz die Hoffnung aus, es möge aus der bisherigen fruchtbaren Kooperation mit dem Kino auf der Burg eine Tradition entstehen.
Während, so Joachim Lang, „Führer und Verführer“ gezeigt habe, was Menschen im schlimmsten Fall machen können, sorge „Cranko“ für eine Art Gegenentwurf. Der legendäre Choreograph John Cranko, der mit seiner kleinen Truppe zum „Stuttgarter Ballettwunder“ aufstieg und später international gefeiert wurde, habe mit seiner Kunst alles revolutioniert. Seine Arbeit sei ein historisches Ereignis, der Mann auf seiner Suche nach Liebe und Glück eine Legende mit Licht und Schatten. Es sei Lang wichtig gewesen, den ersten wirklichen Ballett-Film zu schaffen, in dem er die Seele des Tanzes, Kunst und Wirklichkeit, die Sehnsucht und das Sterben erfasse.
„Janas Tanz“ zeigt Mutter-Tochter-Beziehung
Der vorab gezeigte Kurzfilm „Janas Tanz“ greift eine Mutter-Tochter-Beziehung auf, deren Verbindung das Ballett ist. Jana kümmert sich um ihre kranke Mutter, eine ehemalige Balletttänzerin, und arbeitet als Reinigungskraft in einer Ballettschule. Dort wagt sie erste eigene Ballettschritte und beginnt, fasziniert von den früheren Tanzvideos ihrer Mutter, selbst zu tanzen. Der gelungene Kurzfilm fand den Beifall des Publikums und führte dieses in das Thema des Abends, den Balletttanz, ein.
„Cranko“ spielt in den 1960er-Jahren in Stuttgart. Dem Zeitgeist entsprechend scheint es im Film keinen Ort zu geben, an dem nicht geraucht wurde, auch Requisiten und Mode vermitteln Authentizität. Manchen Zuschauer mag die Toleranz in der damaligen schwäbische Metropole verwundert haben. Die durchgängig im Künstlermilieu spielende Handlung wirkt jedoch insgesamt glaubwürdig. Der Werdegang des abgebrannten John Cranko zum erfolgreichen Ballettdirektor und international gefeierten Star, der dem Ruf seiner Kreativität unbeirrbar folgt und doch ein einsamer Mensch bleibt, wird atmosphärisch dicht und mit einer unglaublichen Intensität gezeigt. Für Höhepunkte sorgen die eingestreuten Tanzszenen; die grazilen Figuren spiegeln auf wunderbare Weise Szenen von Liebe und Tragik, Glück und Tod im Sinne Crankos.
Tanzend ausdrücken, was sprachlich nicht möglich ist
Einzelne eingestreute Originalaufnahmen und ein angedeutetes Kindheits- und Vergangenheitstrauma hätten es zwar verdient gehabt, mehr ins Licht gerückt zu werden, können aber angesichts des Filmschwerpunkts vernachlässigt werden. Es geht um die Möglichkeit, tanzend auszudrücken, was man mit Sprache nicht aussprechen kann. Und darum, dass Glück nicht selbstverständlich und beileibe kein Dauerzustand ist. Der tragische Tod Crankos steht für seinen Lebensweg.
Zweiter Teil des Open-Airs auf der Burg Hohenzollern
Samstagsvorführung
Am Samstag kamen rund 300 Besucher zur Doppelvorstellung „Louise und die Schule der Freiheit“ und „Die kleinen Dinge“, darunter auch Landrat Günther-Martin Pauli mit Familie. Die Stimmung war entspannt, die Temperaturen angenehm, da meist bewölkt und windstill. Dabei warf die Außenbeleuchtung der Burg einen imposanten Nebelschatten in den Himmel.
