Vortrag in Bad Imnau
: Wie eine Erfindung das Gottvertrauen bis heute belastet

„Sind Adam und Eva wirklich an allem Schuld?“ Dieser Frage widmete sich Rundfunkpfarrer i.R. Michael Broch bei einem Vortrag in der Bad Imnauer St. Jakobuskirche.
Von
Gunar Haid
Oberndorf
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Der ehemalige Rundfunkpfarrer i.R. Michael Broch referierte in der St. Jakobuskirche

Gunar Haid

Die Erzählung vom Paradies und dem „Fall des Menschen” bewirke in der Geschichte der Kirche eine katastrophale Abkehr von der Botschaft Jesu. Das war beim Vortrag „Sind Adam und Eva wirklich an allem schuld?“ von Michael Broch in der St. Jakobuskirche in Bad Imnau zu entnehmen.

Rund 20 Interessierte folgten seinen Ausführungen. Vor seiner Pensionierung im Jahr 2013 war Broch über 35 Jahre Rundfunkpfarrer im SWR, davon fünf Jahre als Sprecher des „Wort zum Sonntags” in der ARD.

Aus zeitlosen Symbolen heraus sei die „Erbsünde“ erfunden worden

Nach den Evangelien sei die zentrale Botschaft Jesu die unbedingte Liebe Gottes, betonte Broch. Jesus hätte auch keine „Bösologie“ betrieben. Ihm sei es wichtig gewesen, alle heilenden und heilsamen Kräfte zu mobilisieren, die es gibt, vor allem die Liebe.

Die offizielle Kirche und Theologie seien Jesus auf diesem Weg nicht gefolgt. Aus den zeitlosen Symbolen „Adam“ – der vom Erdboden – und „Eva“ – die Frau, die Leben schafft – hätte man die „Stammeltern“ der Menschheit gemacht.

Seit ihrem „Sündenfall“, jener „Ursünde“ sei nun jeder Mensch aufgrund seiner biologischen Abhängigkeit vom Erstmenschen ein Sünder. Der Theologe Augustinus (354 bis 430) hätte dazu die „Erbsünde“ erfunden.

Drohbotschaft wurde immer wieder aufgegriffen – ohne sie zu hinterfragen

Die Folgen dieses Erbsünden-Konstrukts hätten zum Teil bis heute ein angstfreies Gottvertrauen massiv belastet. Und das sei einhergegangen mit einer beispiellosen Sexual- und Leibfeindlichkeit, so Broch.

Etwa 20 Gäste waren in die St. Jakobuskirche gekommen, um dem Vortrag von Michael Broch zu lauschen.

Foto: Gunar Haid

Auch Martin Luther, einst Augustinermönch, hätte diese Drohbotschaft unhinterfragt übernommen. Glaube und Taufe befreien nach der Lehre der Kirche von der Erbsünde, trotzdem würde in den Taufliturgien die „Absage an das Böse“ noch eine zentrale Rolle spielen – und weniger deutlich die „unbedingte Liebe Gottes“ und die „Berufung zur Freiheit“.

„Da ist viel aufzuräumen“, resümiert der Rundfunkpfarrer in Bad Imnau

Sodann hätte man Maria, die Mutter Jesu, aus dem Machtbereich der Erbsünde herausnehmen müssen. Diese Entwicklung hätte ihren Höhepunkt erreicht im Dogma von der „Unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria“ (1854).

Ein Konstrukt, das nach den Erkenntnissen der Evolution, der Sexualethik und der biblischen Theologie völlig haltlos sei, argumentierte Broch. Abschließend das Plädoyer von Michael Broch: „Da ist viel aufzuräumen.“ Es gilt Jesus, sein Gottesbild und sein Evangelium neu zu entdecken als sinnstiftende Botschaft für eine säkulare Gesellschaft.

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