Vögel, die aus Asien stammen: Tierische Einwanderer besuchen Rangendingen

Sind aus Asien eingewandert: Zwei Rostgänse bei Rangendingen.
Herbert HurmWeiße Köpfe und rostbraunes Gefieder: Wer vor einigen Tagen in der Nähe des Storchenmastes bei Rangendingen unterwegs war, könnte sich gewundert haben, was für seltsame Vögel da über die Wiese watscheln: Exotische Enten oder doch eine andere Vogelart?
Von der Steppe Zentralasiens nach Deutschland
Tatsächlich handelt es sich dabei um Rostgänse, die es hierzulande gar nicht so oft zu sehen gibt: Denn sie sind in der Fachsprache Neozoen – und damit quasi tierische Zuwanderer. In den 1970er-Jahren wanderten die Rostgänse aus der Schweiz ein, Bruten gibt es bisher – außer bei uns – noch in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Ihre ursprüngliche Heimat sind aber die Steppen Zentralasiens. Auf ihrem Zug müssen sie dort über 6000 Meter hoch steigen, um die Gipfel des Himalaya zu überwinden.
Rostgänse zählen zu den Halbgänsen, daher liegen ihre Eigenschaften zwischen Enten und Gänsen: So gründeln sie wie Enten, rupfen aber auch Gras wie Gänse es tun. Zudem fressen sie neben Pflanzen auch Kaulquappen, Würmer, kleine Fische oder Kleintiere.
Für die Vogelart gilt eine ganzjährige Schonzeit
Gut zu erkennen sind die Vögel an ihrer rostbraunen Farbe, was sich auch im lateinischen Namen Tadorna ferruginea widerspiegelt: Ferrugo bedeutet Rost. Schnabel und Beine sind schwarz, der Kopf hingegen eher blass. Das Männchen kann man in der Balz- und Brutzeit an seinem schwarzen Halsring erkennen. Rostgänse wiegen je nach Geschlecht zwischen 1,2 bis 1,7 Kilogramm, die Spannweite kann bis zu 145 Zentimeter betragen. Als Brutstätten dienen Erdhöhlen – oft selbst gegraben – sowie Felsspalten, Brutröhren und verlassene Nester von Greifvögeln.
Oft stoßen Rostgänse im Flug laute, trompetende Rufe aus, die weithin zu hören sind und besonders in der Dämmerung irritierend wirken können. Die Vögel sehen sehr gut und nachts hilft ihnen ihr ausgezeichnetes Gehör, Feinde rechtzeitig zu entdecken. In der Brutzeit sind die Rostgänse sehr aggressiv und verscheuchen auch andere Arten – sie sind daher an vielen Gewässern nicht gerne gesehen. Im Buddhismus wiederum gelten Rostgänse wegen ihrer starken Paarbindung als Symbol für ewige Treue.
Die Vogelart unterliegt dem Jagdrecht, aber mit einer ganzjährigen Schonzeit. Auch wenn ihr Bestand bei uns stetig zunimmt, sind sie in ihrer ursprünglichen Heimat durch Umwelteinflüsse wie zunehmende Trockenheit sehr gefährdet.