Reise in die Vergangenheit: Wagner-Werkstatt in Zimmern öffnet ihre Türen
Ein Höhepunkt bei der Dorfweihnacht am Samstagabend in Zimmern war die Öffnung der Wagner-Werkstatt durch Ortsvorsteher Andreas Fecker. Seit der letzte Wagner Konrad Bogenschütz im Jahr 1981 verstorben ist, blieb diese Werkstatt originalgetreu erhalten. Die Besucher zeigten sich beeindruckt angesichts dieses eher verschwiegenen Museums.
Hansi Hein informierte die Besucher über die Werkstatt, deren unzählige im Dornröschenschlaf schlummernden Werkzeuge und die einstige Vorgehensweise des letzten Wagners aus Zimmern. Das Wohnhaus – im Jahr 1710 gebaut – zählt heute zu den ältesten Fachwerkhäusern in der Region und steht unter Denkmalschutz.
Konrad Bogenschütz war der letzte Wagner und betrieb das Handwerk in seiner Werkstatt. Zwar ist der einstige Zimmerner Wagner im Alter von 86 Jahren im Jahr 1981 gestorben, doch sein ansehnliches Fachwerkhaus, seine Werkstatt wie auch all die Erinnerungen an ihn sind geblieben. Viele Fragen aus den Zuschauerreihen konnten am Samstag beantwortet werden – und noch so manche Information aus früheren Zeiten hinzugefügt werden.
Sägen, hobeln, drechseln – anspruchsvolles Handwerk
Nur wer weiß, welch komplizierte Sache es ist, ein hölzernes Wagenrad fachgerecht und mittels Handarbeit anzufertigen, kann es verstehen, dass ein Wagner trotz der ihm zur Verfügung stehenden Werkzeuge und Geräte schwerste Arbeit verrichten musste. Und dies mit verhältnismäßig einfachen Holzbearbeitungswerkzeugen und teils selbstgebauten Geräten. Bedenkt man, dass ein solches Stück tonnenschwere Last transportieren musste, wird einem erst die Wichtigkeit einer sorgfältigen Konstruktion klar.
Dabei durfte die stabile Werkbank wie auch die prachtvolle alte Drehbank nicht fehlen. Der alte Meister hatte alles bestens im Griff, war es beim Sägen, bohren, hobeln, drechseln oder gar dem Stechbeutel auf dem großen noch vorhandenen Wasserschleifstein schleifen.
Wagner-Werkstatt künftig öfters zu besichtigen
Es sah alles so einfach aus, benötigt allerdings neben dem Wissen und den Erfahrungswerten auch die körperliche Kraft. Im Jahr 1912 begann seinerzeit der handwerkliche Kleinbetrieb, wobei dieser erst ab dem Jahr 1928 mit elektrischem Strom arbeitete. Die Geräte wie Bohrmaschinen, Sägen und Hobelmaschinen wurden dann fortan über die Transmission mittels breiter Lederriemen durch einen Elektromotor angetrieben. Für wohlige Wärme diente der Kanonenofen der zumeist mit den Holzresten gefeiert wurde.
Seit wenigen Monaten steht das Fachwerkhaus zum Verkauf. In den vergangenen Jahren erfolgten durch den Eigentümer immer wieder Restaurierungen, so auch am Fachwerk auf der Giebelseite. Die historische Werkstatt ist an die Bisinger Gemeinde vermietet. Sie soll nach Aussage des Ortsvorstehers in Zukunft öfters zur Besichtigung geöffnet werden.








