Refugio Hechingen: 22-Jähriger berichtet von seiner Flucht

Bilder vermittelten Eindrücke von der Landschaft des wüstennahen Gebirgslands im Süden Eritreas.
SteinNach einem allgemeinen Überblick über das vorgestellte Land folgten Erfahrungsberichte . Auf diese Weise werden abstrakte Debatten über Flucht und Migration greifbar, lassen sich in Zusammenhänge einordnen und fördern Wissen und Verständnis.
Im Mittelpunkt stand das ostafrikanische Land Eritrea. Etwa 80 Prozent der Menschen dort leben von der Landwirtschaft. Die wenigen Exportgüter stammen vor allem aus dem Bergbau, etwa Gold. Die wirtschaftliche Entwicklung istschwach, ebenso die Infrastruktur.
Militärdienst behindert die gesellschaftliche Entwicklung
Das größte Problem stellt jedoch das politische System dar: Seit der Unabhängigkeit von Äthiopien 1993 regiert ein autoritäres Regime.
Eine Verfassung wurde zwar erarbeitet, jedoch nie in Kraft gesetzt. Der Präsident stützt seine Macht auf das Militär, das gemessen an der Bevölkerung überproportional groß ist.
Der verpflichtende Militärdienst betrifft alle jungen Menschen. Zwar ist er offiziell auf 18 Monate begrenzt, dauert in der Praxis jedoch oft vier Jahre oder sogar bis zu 20 Jahre. Er gleicht Zwangsarbeit und behindert die gesellschaftliche Entwicklung.
Junger Mann war vier Jahre lang unterwegs
Wie sich diese Umstände auf das Leben junger Menschen auswirken, wurde durch den Bericht von A. deutlich, einem 22-jährigen Mann, der erst vor wenigen Wochen im Refugio in Hechingen ankam. Er war mehr als vier Jahre lang auf der Flucht durch verschiedene afrikanische Länder.
2021 wollten Militärangehörige ihn zum Kriegsdienst holen. Er weigerte sich, im Konflikt um die äthiopische Provinz Tigray zu kämpfen und versteckte sich. Seine Mutter wurde unter Druck gesetzt, seinen Aufenthaltsort preiszugeben, und kam, als sie sich weigerte, zeitweilig ins Gefängnis.
In Europa auf der Suche nach medizinischer Hilfe
Der junge Mann erkannte, dass es für ihn keine Perspektive im Land mehr gab, und floh über Äthiopien nach Kenia und schließlich nach Uganda, wo er rund zwei Jahre lang lebte. Er hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser.
Nach einem Unfall wurde er nur notdürftig versorgt und hat bis heute starke Schmerzen. In ihm reifte der Entschluss, nach Europa zu fliehen, um dort medizinische Hilfe zu finden.
Über die Türkei und nach einer gefährlichen Überfahrt übers Meer mit 37 weiteren Geflüchteten gelangte er nach Griechenland. Über Italien, Frankreich und Belgien kam er schließlich nach Deutschland und fand seinen Weg nach Hechingen, wo er nun auf eine fachgerechte Versorgung hofft.
Weitere Eritreerinnen und Eritreer nahmen am Themenabend teil und standen dem Publikum für Fragen zur Verfügung. Ihre Erzählungen bestätigten in vielen Details die schwierige Lage in ihrem Heimatland und die Auswirkungen der Diktatur auf den Alltag.