Rangendinger Lied: "In dunkeler Nacht, die Hirten erwacht"

Die Heilige Familie steht im Mittelpunkt der Weihnachtskrippe in der St. Galluskirche.
Archiv BeiterRangendingen - Lisa Wannenmacher wollte ihrer Arbeitskollegin Jacqueline Piller aus Salmendingen eine Freude machen, als sie ihr das Weihnachtslied "In dunkeler Nacht" vorsang. Schließlich ist man in Rangendingen ja auch nicht ohne Grund ganz schön stolz darauf, ein eigenes "Rangendinger Weihnachtslied" zu haben, das nur hier im Ort gesungen und gepflegt wird – in den Weihnachtsgottesdiensten, vor allem aber auch in jeder Familie zu Hause unterm Christbaum und bei jeder Gelegenheit, bei welcher Weihnachtsstimmung angesagt ist.
Weihnachtslied ist im Rangendinger Liederbuch vertreten
So dachte sie. Auch im Rangendinger Liederbuch ist das Lied sehr präsent aufgeschrieben: als gebräuchliche Version mit Gitarrenbegleitung, aber auch als fünfstimmiger Chorsatz und als Klaviersatz.
Umso mehr war die gebürtige Rangendingerin dann über die Reaktion ihrer Kollegin erstaunt, als diese ihr antwortete: "Das Lied kenne ich. Des singe mir in Salmendingen auch." Und dann hatte sie gleich auch noch eine Überraschung parat: "Mir senget sogar eine vierte Strophe." Und "In dunkeler Nacht", das werde auf der Alb oben auch das "Salmendinger Weihnachtslied" genannt.
Lehrer Bartholomäus Strobel brachte das Lied nach Salmendingen
Was steckt da dahinter? Wie Piller ihrer verdutzten Kollegin aus dem Starzeltal erzählte, soll der aus Rangendingen stammende Bartholomäus Strobel das stimmungsvolle Lied wohl schon um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts mit nach Salmendingen gebracht haben. Das bestätigt auch Rangendingens Pfarrer i.R. Norbert Dilger. Strobel war Lehrer an der dortigen Volksschule und habe seine Schüler das Lied lernen lassen, wie Dilger erfahren hatte.
Das Lied sei in der Albgemeinde dann wohl so gut angekommen, sodass es mittlerweile ähnlich wie in Rangendingen insofern zum "Allgemeingut" gehöre, dass es fortan überall gesungen und auch als "Salmendinger Weihnachtslied" bezeichnet wird, schlussfolgert der Geistliche.
Lied könnte aus dem Alpenraum nach Rangendingen gekommen sein
Dazu muss man wissen: Die Herkunft und Ursprünge des Liedes "In dunkeler Nacht" sind so geheimnisvoll wie die Geschichte selbst, die das Lied beschreibt. Überlieferte Noten oder irgendwelche Hinweise, woher das Lied stammt oder wann und wie es nach Rangendingen kam, gibt es nicht.
Die Art von Text und Melodie ließen allenfalls vermuten, dass es aus dem alpenländischen Raum hierher gelangte, erklärt Pfarrer Dilger. Dass es sich bei dem Weihnachtslied um eine "Rangendinger Erfindung" handelt, sei seiner Ansicht nach eher unwahrscheinlich. Er selbst habe es allerdings tatsächlich auch erst kennengelernt, als er 1979 als Pfarrer hierher an den Ort gekommen sei.
Vierte Strophe des Liedes hat sich in Rangendingen nicht durchgesetzt
Dass es eine vierte Strophe des Liedes gibt, sei dagegen auch hier bekannt. Wie Dilger erzählt, habe die ehemalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Christa Beiter vor vielen Jahren in alten Aufzeichnungen Hinweise auf diese vierte Strophe gefunden. Dies lasse darauf schließen, dass es durchaus auch Zeiten gab, in denen sie gesungen wurde. Im Bewusstsein der Gemeinde hätte sich der Vers aber wohl nicht durchgesetzt, wie Dilger vermutet.
Genauso wenig wie bei einem eigenen Versucht den er selbst vor einigen Jahrzehnten gestartet hatte. Damals wollte er die vierte Strophe im Gottesdienst mit der Gemeinde singen, erzählt er. Doch sei es bei diesem einmaligen Versuch geblieben.
Für Rangendinger ist herkömmliche dreistrophige Version ausreichend
Im frühmorgendlichen Engelamt sei das Mitsingen schlichtweg mit auch daran gescheitert, dass die Gottesdienstbesucher die ausgelegten Liedzettel nicht hätten lesen können, schmunzelt Dilger. Bekanntlich wird bei diesem Lied traditionell die gesamte St. Gallus-Kirche abgedunkelt, mit Ausnahme des großen Christbaums im Chorraum und der Weihnachtskrippe.
Letztendlich aber sei es wohl daran gescheitert, dass die Rangendinger diese vierte Strophe gar nicht singen wollten, wie er später erfuhr. "In dunkeler Nacht" – den Rangendingern reichte die gebräuchliche dreistrophige Fassung vollkommen aus.
"In dunkeler Nacht" wird über die Feiertage vier Mal in der Kirche gesungen
In den Kirchen wird in Rangendingen das Lied während der Weihnachtszeit insgesamt vier Mal gesungen, wie Dilger erklärt: Am ersten Feiertag im Engelamt und im weihnachtlichen Hochamt sowie an Dreikönig im Gottesdienst und beim abendlichen Krippengang.
Ist eine Rangendinger Weihnacht ohne "In dunkeler Nacht" also wirklich undenkbar? Während seiner aktiven Pfarrerszeit auf jeden Fall, versichert der Ruheständler.
Nur in einem Jahr war das Lied aus der Liturgie verbannt worden
Vom "Hörensagen" habe er allerdings erfahren, dass zumindest in der Kirche das Lied an einem Weihnachtsfest nicht gespielt und gesungen worden sei. Und auch hier schmunzelt Dilger, denn damals hätten sich wohl Pfarrer und Organist miteinander verkracht, sodass Letzterer das Stück einfach abgesetzt und nicht gespielt habe. Das, erklärt Dilger, sei damals noch möglich gewesen, weil nicht der Pfarrer, sondern der Organist die Stückauswahl traf.
So etwas müssen die Rangendinger in den diesjährigen Weihnachtstagen zum Glück nicht befürchten, auch wenn das Hochamt am ersten Weihnachtsfeiertag dieses Jahr erstmals nicht gefeiert wird, wie Dilger bedauert. Doch beim Engelamt in aller Herrgottsfrüh um 5.30 Uhr werden die Lichter in der St. Galluskirche auf jeden Fall wieder ausgehen und hunderte Menschen, teils mit Tränen in den Augen, das "Rangendinger Weihnachtslied"" anstimmen. Und sie alle können sich freuen, dass diese schöne weihnachtliche Weise genauso auch in Salmendingen erklingen wird – mit der vierten Strophe.
Info: "In dunkeler Nacht"
In dunkeler Nacht, die Hirten erwacht,
es schweiget und neiget sich alles zur Ruh’.
Die Herden tun weiden auf blumiger Heiden,
die Hirten tun beten dem Ewigen zu.
Und himmlischer Glanz umstrahlet sie ganz.
Sie staunen und fürchten das heilige Licht.
Da nahet sich ihnen mit göttlicher Mienen,
mit seligem Blicke ein Engel und spricht:
"Nicht fürchtet euch mehr! Das himmlische Heer
lobpreiset und jubelt dem Ewigen zu:
Es ist euch geboren zu Bethlehems Toren,
in niedriger Hütte, der Heiland der Welt."
Macht, Ehre und Preis sei Gott dir geweiht,
und Friede und Freude dem Menschengeschlecht!
Und Friede sei allen, die stille hier wallen,
den ewigen Frieden in Wahrheit und Recht!