Nabu Hechingen: Es quakt im Chor – Biotop-Pflege zeitigt schöne Erfolge

Der Laubfrosch ist eine streng geschützte Art gemäß Anhang IV der FFH-Richtlinie. Beim Hausener Hof quakt er jetzt wieder.
Nabu/Oscar KloseWer einen Teich hat, der oder die schätzt sich glücklich, wenn plötzlich wieder neues Leben in den Garten kommt.
Aber Frösche gibt es leider nicht mehr so oft wie einst. Wer seinen Rasen alle paar Tage mäht, muss sich wiederum nicht wundern.
Der Frosch im Garten
Ein Frosch im Garten tut nicht nur der Natur gut. Er kann auch der Ausgleich sein für den Lärm, der aus Nachbars Garten zu einem herüberweht. Eine klare Doppel-Win-Situation. Aber man muss schon von Glück sagen, oder von Zufall reden, wenn man plötzlich einen quakenden Mitbewohner hat. Ganz anders der Nabu Hechingen: Der hat seine Biotop-Pflege gezielt darauf ausgerichtet und fährt jetzt vielfach quakende Erfolge ein, wie die Naturschützer berichten.
Seit vielen Jahren kümmert sich die Hechinger Nabu-Gruppe um die beiden Naturteiche unterhalb des Hausener Hofs und den dort vorhandenen Amphibienbestand. Dies erfolgt, so schreibt die Gruppe, einerseits durch jährliche Amphibienschutzmaßnahmen, nämlich die nächtliche Sperrung der beiden Sträßchen nach Weilheim und zum Stauffenburger Hof während der Amphibienwanderung. Zudem wird durch Biotop-Pflege dieser bedeutende Amphibien-Lebensraum erhalten und weiter optimiert.

Eine Idylle, auch fürs menschliche Auge. Aber noch viel idyllischer für Amphibien: das Laubfrosch-Biotop südlich des Hausener Hofes.
Foto: Nabu/Eckhart RommelEinzelne Rufe werden zum Chor
Waren in den vergangenen Jahren nur einzelne Laubfrösche festzustellen, konnte man nun erstmals in warmen Frühjahrsnächten die charakteristischen, durchdringenden „äpp-äpp-äpp“-Rufe eines ganzen „Laubfrosch-Balzchores“ aus dem Konzert der seit Jahren zahlreich vorkommenden Teichfrösche heraushören. Daher, so betont der Hechinger Nabu, besteht begründete Hoffnung, dass sich an den Teichen auch eine überlebensfähige Laubfrosch-Population etabliert.
Es fehlt an ungenutzter Natur
Beim Laubfrosch handelt es sich um eine streng geschützte Art gemäß FFH-Richtlinie und Bundesnaturschutzgesetz, deren Erhaltungszustand in Baden-Württemberg als „ungünstig-unzureichend“ bewertet wird. In der intensiv genutzten Kulturlandschaft fehlen dem Laubfrosch außer geeigneten Gewässern artenreiche Hochstaudenfluren, Hecken und lichte Gehölzbestände. Ideale Laichgewässer sind gut besonnte, fischfreie Teiche mit großen Flachwasserbereichen und Röhrichtzonen.

Der ebenfalls grüne, mit etwa zehn Zentimetern Körperlänge wesentlich größere Teichfrosch ist dunkel gefleckt.
Foto: Nabu/Hans-Peter UlrichDie nur drei bis fünf Zentimeter großen Fröschlein sind blattgrün gefärbt. Einzigartig unter den Amphibien sind die Haftscheiben an den Enden der Finger und Zehen, mit deren Hilfe die kleinen Frösche sogar klettern können. Laubfrösche halten sich tagsüber gut getarnt im Gestrüpp auf und sind im Gegensatz zu den Teichfröschen nur nachts zu hören.
Von nichts kommt nichts: Im Jahr 2019 wurden die beiden verlandeten Teich umfassend ausgebaggert. Nabu/Gert Rominger Tödlicher Straßenverkehr
Während der Wanderungen vom Winterquartier zum Laichgewässer erleiden Laubfrösche wie alle Amphibien hohe Verluste durch den Straßenverkehr. Nicht immer und überall funktionieren die Schutzvorkehrungen so gut wie im Raum Hechingen.
FFH, Bundesgesetz, Natura 2000
Der deutsche Behördendschungel kann auch von Vorteil sein. FFH bedeutet Fauna-Flora-Habitat, und dazu gibt es die entsprechenden Richtlinien. Es handelt sich um ein zentrales Naturschutzabkommen der EU, wobei man auch dazu bemerken muss, dass man Brüssel nicht immer nur schelten sollte. Das Ziel nämlich ist die Erhaltung der Artenvielfalt durch den Schutz gefährdeter Lebensräume sowie wild lebender Tier- und Pflanzenarten. Zusammen mit der Vogelschutzrichtlinie bildet sie das europäische Schutzgebietsnetzwerk „Natura 2000“.