Kinderhilfe Rumänien
: Geld fehlt an allen Ecken und Enden

Edith Kirchmann vom Verein Kinderhilfe Rumänien hat die Familienhäuser besucht. Neben österlichen Impressionen hat sie auch wieder die großen Probleme erlebt.
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(red/pm)
Oberndorf
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Die Kinder und Jugendlichen im Therapiezentrum bereiteten sich mit Basteleien auf das orthodoxe Osterfest vor.

Kinderhilfe Rumänien

In diesem Jahr besuchte die Vorsitzende des Vereins Kinderhilfe Rumänien, Edith Kirchmann, Ende März bis Mitte April alle acht Familienhäuser und das Therapiezentrum der rumänischen Stiftung „Ajutati Copiii“, um Informationen auszutauschen und Projekte zu besprechen. Monatlich fließt eine beachtliche Summe (6000 Euro) des deutschen Vereins nach Rumänien, damit alle Einrichtungen ausreichend gut funktionieren.

Vor einigen Tagen erfolgte zusätzlich eine große Geldüberweisung, um Rechnungen für Brennholz, Auto- und Heizungsreparaturen, Verbesserungen im und am Haus zu begleichen.

Rumänien erstrahlt jetzt im April in bunter Blütenpracht. Im Hintergrund: schneebedeckte Gipfel der Karpaten. Die weiten Felder zeigen bereits kräftiges Grün. In den letzten Jahren entstanden im Banat dank EU-Subventionen neue Plantagen, wo Heidelbeeren, Pflaumen, Äpfel, Nüsse und Haselnüsse gedeihen sollen. Ein allgegenwärtiges Problem: Wassermangel.

„Trotz Frühlingsgefühlen und österlichen Eindrücken war ein trübes Thema allgegenwärtig“, berichtet Edith Kirchmann: die für Rumänien gewaltigen Spritpreise (über 2 Euro pro Liter), leere Staatskassen, Kürzungen von Zuschüssen, steigende Lebensmittelpreise, mangelhafte Infrastruktur, wachsende Korruption.

Besuch bei Caritas in Lipova direkt gegenüber eines Familienhauses – die Kinderhilfe Rumänien ist Mitglied des deutschen Caritasverbandes. Dort werden täglich über 50 warme Mahlzeiten für bedürftige Menschen zubereitet und in „Henkelmännern“ aus Edelstahl nach Hause geliefert. Die Frage, wie lange diese wertvolle Arbeit noch geleistet werden kann, steht im Raum.

Besuch auch bei einer befreundeten Nichtregierungsorganisation in Lipova/Arad, die ein Familienhaus betreibt. „Auch hier klagte man über Geldmangel, da die staatliche Unterstützung gekürzt wurde und die Spenden aus Amerika versiegen. Man denkt über Schließung nach“, so Edith Kirchmann. Im Therapiezentrum, wo täglich über 30 Kinder aus Lipova und Umgebung behandelt werden, wurde gerade an Osterdekorationen gebastelt. In den letzten Monaten wurden sechs Kinder neu aufgenommen. „Solche ‚Fremdplatzierungen’ sind für Kinder manchmal problematisch, vor allem wenn sie aus ihrer Familie herausgerissen werden“, unterstreicht Edith Kirchmann.

Leibliche Mutter kommt nicht mehr klar

In einem Familienhaus wurde ein zwölfjähriger Junge abgeliefert, weil die leibliche Mutter nicht mehr mit ihm klarkam. Er besuchte bisher keine Schule. „Er möchte unbedingt wieder nach Hause und droht, sich die Pulsadern aufzuschneiden oder abzuhauen“. In einem anderen Familienhaus kamen zwei Kleinkinder neu hinzu: ein einjähriger Junge, dessen Mutter gerade 16 Jahre alt wurde, und ein kleines Mädchen, sieben Monate alt, dessen Mutter verschwand.

Irritierend war das Erlebnis mit einem zwölfjährigen Mädchen, das seit zwei Jahren in einem Familienhaus untergebracht ist. Edith Kirchmann besuchte auf Wunsch des Kindes die Oma, die bei einer Roma-Siedlung haust.

Das Mädchen verbrachte dort sechs Jahre, nachdem die Mutter vom betrunkenen Vater getötet worden war. Auf dem Heimweg die Frage: „Möchtest du lieber bei der Oma leben?“ Die klare Antwort: „Jaaa“. Das Mädchen sei nicht an Schule interessiert, wie viele Kinder, deren Eltern Analphabeten sind. „Solche Erlebnisse regen zum Nachdenken an“, erklärt Edith Kirchmann.

Großes Lob erntete ein zwölfjähriger Junge (Roma) in einem anderen Familienhaus, weil er schon zum zweiten Mal für Bestleistungen in der Schule ausgezeichnet wurde. „Er hat Jahre gebraucht, um mit dem geordneten Leben in dem Familienhaus zurechtzukommen“.

Neuer Stall wird ausgebaut

In einem Kinderhaus konnte der Ausbau eines neuen Stalles bewundert werden, finanziert von der Kinderhilfe Rumänien. Inzwischen haben Schafe, Ziegen und Hühner freien Zugang zu einem großzügigen Gehege im Garten. Die Ställe eines anderen Familienhauses müssen jetzt erneuert werden, da die bisherigen marode sind. Viehhaltung und Gartenwirtschaft ergänzen selbstverständlich den täglichen Speiseplan einiger Einrichtungen.

An einem sonnigen Samstag initiierte Edith Kirchmann gemeinsam mit einer anderen NGO eine Frühlingsfeier im Grünen mit über 40 Kindern. Am Ostersonntag besuchte sie mit einigen Kindern eine Osterandacht. Gleich mehrere Ehemalige sandten der Vorsitzenden der Kinderhilfe Rumänien jetzt Ostergrüße, darunter ein junger Mann, der sich freut, wieder auf freiem Fuß zu sein.

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