IHK-Herbstempfang in Hechingen: Wirtschaft in der Krise? Flix-Gründer als Vorbild für Innovation

Wünschen sich weniger Regulierungswut der Politik: Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn (von links), Leiter der IHK-Geschäftsstelle im Zollernalbkreis Matthias Miklautz, Bentley-Geschäftsführer Sebastian Büchert, Mitbegründer und Geschäftsführer von Flix André Schwämmlein, IHK-Vizepräsident Dr. Thomas Lindner, Präsident der IHK Christian Erbe und Landrat Günther-Martin Pauli
RothEs war wohl kein Zufall, dass das Hechinger Medizintechnikunternehmen Bentley Innomed Gastgeber des diesjährigen Herbstempfangs der Industrie- und Handelskammer Reutlingen (IHK) war. Schließlich steht das Unternehmen mit Sitz im Hechinger Lotzenäcker wie kaum ein anderes für Innovationskraft im Zollernalbkreis.
Genau diese sei nötig, dass die Wirtschaft in Deutschland – auch im Zollernalbkreis – wieder auf die Beine komme. Darin waren sich die Redner – darunter Dr. Thomas Lindner, IHK-Vizepräsident, Bürgermeister Philipp Hahn und Landrat Günther-Martin Pauli einig. Denn: „Die Lage ist besorgniserregend“, betont Linder. Die Deindustrialisierungstendenzen würden auch vor dem Zollernalbkreis nicht Halt machen. Seine Ansicht: „Wir haben es nicht nur mit Konjunkturschwankungen, sondern mit einer ausgewachsenen strukturellen Krise zu tun.“ Der Mittelstand schrumpfe langsam und still, aber der Prozess sei bereits im Gange.
Bürokratie und Überregulierung bremsen aus
Doch wie soll diese Krise gelöst werden? Einmal sei die Politik im Land, Bund aber auch in Brüssel gefragt. Überregulierung und Bürokratie würden nicht nur die deutsche Wirtschaft sondern auch öffentliche Verwaltungen ausbremsen, wie Bürgermeister Philipp Hahn erklärte. Er führte als Beispiel die verpflichtende Ganztagesbetreuung ab dem Schuljahr 2025/2026 an, die am Bedarf vorbeigehe. Oder aber die Unterbringung Geflüchteter: „Da ist Bedarf da, aber es fehlen Millionen für die Finanzierung“, klagt das Hechinger Stadtoberhaupt.
Neben der Politik brauche es aber auch Unternehmen mit Mut, die „verkrustete Strukturen auflösen“ – wie es Lindner bezeichnete. Und genau ein solches sei Bentley, das durch zahlreiche internationale Auszeichnungen und eine kontinuierliche räumliche Expansion im Hechinger Gewerbegebiet von sich reden mache.
Flix ist globaler Marktführer und Paradiesbeispiel
Für diese Innovationskraft stehe aber auch Flix, dessen Mitgründer und Geschäftsführer, André Schwämmlein, als Gastredner den IHK-Herbstempfang begleitete. Das 2013 gegründete globale Travel-Tech-Unternehmen ist vor allem unter den Marken FlixBus, FlixTrain und Greyhound bekannt und steuert über 5600 Ziele weltweit an.
Unter dem Titel „Differentiate to win“ – zu deutsch: differenzieren, um zu gewinnen – erzählte er den rund 300 Vertretern aus Wirtschaft, Politik und öffentlichem Leben vom Weg des deutschen Start-ups zum weltweiten Marktführer. Schwämmlein erklärt: „Busmärkte sind lokal. Wir haben das geändert und uns als Plattform zum Weltmarktführer entwickelt.“ Das habe es im Bussegment zuvor noch nicht gegeben, weshalb der Erfolg des Unternehmens so groß sei.
Er habe die deutsche Bürokratie beim Aufbau von Flix am eigenen Leibe gespürt. Diese habe er aber einfach akzeptiert und Lösungen dafür gesucht. Schwämmlein ist überzeugt. „Ich glaube an Innovation in Deutschland und Europa. Wohlstand kommt durch innovative Unternehmer.“ Das Potenzial hierzulande sei gegeben.
Angstkultur verhindert Gründungen
Schädlich sei hingegen die zunehmende Angstkultur, dass Neugründungen direkt in die Insolvenz führen könnten: „Das gehört dazu, nur so kann Erfolg entstehen. Die Menschen müssen wieder Mut haben, Verantwortung zu übernehmen.“
Das konnte Gastgeber Sebastian Büchert nur bestätigten. Der gebürtige Albstädter erzählte, dass er ein Strukturkrise in der Wirtschaft schon mal mit der Textilindustrie miterlebt habe. Die Erkenntnis: „Die Markenhersteller haben überlebt“, versucht der Bentley-CEO Parallelen mit der derzeitigen Situation zu ziehen.
Dass Bentley durch Innovation besticht, zeigte sich auch im Anschluss des offiziellen Teils der Veranstaltung. Die Gäste durften ein besonderes Besprechungszimmer des Hechinger Medizintechnikunternehmens begutachten. Nämlich ein Luxusauto der Marke Bentley, welches im ersten Obergeschoss steht. „Zu uns kommen Unternehmer, damit sie sagen können, dass sie in einem Bentley mit Bentley verhandelt haben“, erzählt Büchert. Mit dieser Unternehmensphilosophie könne Deutschland sein Potenzial als Wirtschaftsstandort entfalten.
